Densbüren

Künstler baut Kunstraum: «Urgizzy» soll Kunstfans anziehen

Der alte Schopf in Densbüren wird zum Kunstraum.

Der alte Schopf in Densbüren wird zum Kunstraum.

Densbüren ist nicht unbedingt ein Kultur-Hotspot. Das soll sich in den nächsten Monaten ändern.

An der Hauptstrasse 45 in Densbüren steht ein alter Schopf, in dem es seit einigen Wochen wieder nach Leben klingt: Thomas Moor hämmert, bohrt und zieht Leuchtelemente Richtung Decke. Der 28-Jährige nutzt die Scheune als temporären Kunstraum, in dem er ab dem 21. Mai bis November sechs Gruppenausstellungen von teils befreundeten Künstlerinnen und Künstlern präsentiert.

Der Zeitraum ist bewusst begrenzt angesetzt, um die Gefahr der Repetition auszuschliessen. «Ich möchte nicht, dass der Raum und das, was dort passiert, anfängt, sich selbst abzufeiern und am Schluss ein Souvenirshop von sich selbst wird. Wenn aber nach den Ausstellungen weiterhin Veranstaltungen in diesem Raum stattfinden, die vielleicht von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Dorfs kommen, würde mich das natürlich freuen.»

Zur Verfügung gestellt wird der Raum von der Densbürerin Pia Tschupp. Ihrer Familie gehört das Gebäude, in dem bis in die 1960er-Jahre die Pferde vom Hufschmied ausgerüstet wurden für den Weg über die Staffelegg. Später wurde die Scheune zu einem Lagerraum für Oldtimer, wie Moor bei einem Treffen in der Aarauer Bar «Garasch» erklärt. Heute aktiviert er den Raum wieder.

«Eine intuitive Erfahrung»

Moor selbst studierte an der Zürcher Hochschule der Künste bis zum Bachelor of Fine Arts und schliesst nun in Genf an der Haute école d’art et de design sein Masterstudium ab. «Spannend finde ich, dass die Arbeit in einem solchen Raum ein ganz anderes Verhältnis von Ressourcen bietet als etwa ein Raum in einem urbanen Zentrum, das einem immer gleichen Gentrifizierungsmuster unterliegt», so der 28-Jährige. Die Frage, was ein Zentrum ist, und was das für den Ort rundherum bedeutet, stelle sich auch in den sechs Ausstellungen, die im Kunstraum «Urgizzy» zu sehen sein werden. Das Arbeiten in und an dem Raum sei für ihn eine intuitive Erfahrung, erzählt er, fast schon fühle sich der Ort an wie ein «Fantasyland», in dem man neue Experimente beginnen kann. Eine ideale Voraussetzung für Kunst also. Moor selbst ist auch in der Aargauer Kunstwelt kein Unbekannter: 2016 und 2012 zeigte er seine Arbeit an der Auswahl 16 und 12 im Aargauer Kunsthaus. Vor drei Jahren wurde Moor ausserdem mit dem Nationale Suisse Kunstpreis und dem Kiefer Hablitzel-Preis ausgezeichnet.

Thomas Moor, Künstler

Thomas Moor, Künstler

Heimkehr ins Fricktal?

Seither reiste der 28-Jährige für Ausstellungen unter anderem nach Costa Rica, New York und Mexiko. Moor, der selber im Fricktal aufgewachsen ist, sieht sich aber nicht als «den grossen Künstler, der jetzt in seine Heimat zurückkehrt». Die Wahl für den Kunstraum in Densbüren sei ganz organisch entstanden, durch das persönliche Netzwerk im Ort und das richtige Timing: «Ich schliesse bald mein Studium ab und habe jetzt noch die Zeit, um hier etwas zu realisieren. Wo es mich danach hinzieht, weiss ich ja noch nicht.»

Die Frage, ob es sein Kunstraum schafft, viele Besucherinnen und Besucher ins Fricktal zu ziehen, steht für Thomas Moor nicht im Zentrum: «Ich denke schon, dass ein paar Leute kommen werden. Aber wenn pro Vernissage auch nur drei Leute kommen, dann freue ich mich von Herzen über die.»

Vernissage der Gruppenausstellung «Moos Eisley» von Kevin Aeschbacher, Nelly Haliti, Ivan Mitrovic, Sabrina Röthlisberger und Mia Sanchez am 21. Mai 2017, ab 16 Uhr.

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