Aarau

Kronzeuge im Blutrache-Prozess darf für 66 Stunden in die Schweiz

Blutrache-Prozess geht am Obergericht in die zweite Runde

Blutrache-Prozess geht am Obergericht in die zweite Runde

Heute geht der Blutrache-Prozess in Aarau in die zweite Runde. 1997 wurde ein Kosovare in Gipf-Oberfrick auf offener Strasse erschossen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich um eine Familienfehde handelt.

Der Mord von Gipf-Oberfrick hat die Schweiz erschüttert. Im Juni 1997 wird Elmi H. auf offener Strasse in Gipf-Oberfrick mit 17 Kopfschüssen exekutiert. Der mutmassliche Täter wurde letzten November zu 18 Jahren Haft wegen Mord verurteilt. Doch dieses Urteil wurde nicht akzeptiert. Deshalb geht der Prozess heute ab 14 Uhr vor dem Obergericht in Aarau in die zweite Runde.

Urs Oswald, der Verteidiger des Angeklagten fordert einen Freispruch für seinen Mandanten. «Es ist ein Prozess, der auf Messers Schneide steht», sagt Oswald gegenüber Tele M1. Die Chancen seines Mandanten bezeichnet er als intakt.

Kommt der Vater des Angeklagten?

Brisant: Der Kronzeuge und Vater des mutmasslichen Todesschützen hat eine Sonderbewilligung erhalten und darf für 66 Stunden in die Schweiz einreisen. Ob er tatsächlich vor Gericht erscheinen wird, ist aber noch nicht klar. Schon einmal hat er eine solche Sonderbewilligung erhalten und ist nicht vor Gericht erschienen. Um die Sicherheit vor Gericht ist ein aufgestocktes Polizeidispositiv im Einsatz.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben ergeben, dass der Mord an Elmi H. auf eine blutige Familienfehde zurückzuführen ist. Insgesamt hat diese Fehde sieben Tote in ganz Europa gefordert. Die kosovarischen Clans waren sich in den 1980er-Jahren in ihrer Heimat wegen Kiesabbaurechten in die Haare geraten.

Zweiter Schütze auf der Flucht

Der angeklagte Kosovare war nach dem Mordanschlag auf der Landstrasse in Gipf-Oberfrick geflüchtet. Der damals 19-jährige fuhr erst, so ist der Staatsanwalt überzeugt, von seinen Helfern chauffiert, per Auto nach Sissach, dann mit dem Zug nach Lausanne, von wo er sich zusammen mit dem zweiten mutmasslichen Todesschützen ins Ausland absetzte. Der zweite mutmassliche Schütze befindet sich noch immer auf der Flucht.

In späteren Ermittlungs- und Gerichtsverfahren wurde der junge Mann von seinen eigenen Verwandten, die sich teilweise selber wegen des Komplotts vor den Richtern wiedergefunden hatten, «umfassend» belastet. Der Polizei ins Netz ging der Flüchtige im Sommer 2008 in seiner Heimat - bei einer normalen Polizeikontrolle. (dno)

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