Aarau/Hausen

Krönender Abschluss im Kunsthaus: Sechs Tage im Zeichen der Blumen

Ein eingespieltes Team: Elsbeth Leuenberger (rechts) und Anita Schibli erzählen im Blumengeschäft Umiker in Hausen von ihren gemeinsamen Projekten. Bild: Severin Bigler

Ein eingespieltes Team: Elsbeth Leuenberger (rechts) und Anita Schibli erzählen im Blumengeschäft Umiker in Hausen von ihren gemeinsamen Projekten. Bild: Severin Bigler

Die siebte Ausführung der Ausstellung «Blumen für die Kunst» beginnt Anfang März. Weshalb «Blumen für die Kunst» für die Aargauerinnen Elsbeth Leuenberger und Anita Schibli so wichtig ist, erzählten Sie unserer Autorin.

Anfang März steht die Kantonshauptstadt wieder kopf. Tausende Besucherinnen und Besucher werden während sechs Tagen im Aargauer Kunsthaus erwartet zur siebten Ausstellung «Blumen für die Kunst». Elsbeth Leuenberger und Anita Schibli vom Blumengeschäft Umiker in Hausen sind dieses Jahr die einzigen im Aargau tätigen Floristinnen, die eines der 14 Gemälde mit Blumen zu einem neuen Gesamtkunstwerk arrangieren dürfen.

Elsbeth Leuenberger freute sich riesig, als sie im letzten Spätsommer für die Ausstellungsteilnahme angefragt wurde. Sie spricht von einer grossen Ehre, ja sogar von einem krönenden Abschluss ihres Berufslebens als Floristin. Denn die 62-Jährige übergab das von ihren Eltern gegründete Blumengeschäft Ende letzten Jahres ihrer Nachfolgerin Silvia Huggenberger aus Gebenstorf – jedoch nicht ganz freiwillig. Dieser Schritt wurde nötig, weil sich Elsbeth Leuenberger aus Liebe entschlossen hatte, sich künftig um ihren seit einem Unfall schwer pflegebedürftigen Ehemann zu kümmern. Von März bis Dezember arbeitete die passionierte Blumenliebhaberin noch an zwei Tagen pro Woche im Geschäft mit und ermöglichte so ihrer grossen Stammkundschaft sowie ihrer Nachfolgerin einen nahtlosen Übergang.

Eine reizvolle Anfrage im Ablösungsprozess

Die Anfrage vom Aargauer Kunsthaus erreichte Leuenberger also in einer Zeit, in der sie sich bereits im Ablösungsprozess von ihrem eigenen Geschäft befand. «Das Projekt reizte mich. Ich überlegte mir, ob Anita wohl mitmachen würde.» Also fragte die Husemerin ihre 59-jährige Freundin Anita Schibli aus Niederrohrdorf an. Diese fühlte sich ebenfalls geehrt und war begeistert. Somit stand der Zusage nichts mehr im Weg. Die beiden Floristinnen kennen sich seit über 15 Jahren, sind sich oft an der Blumenbörse begegnet und haben projektbezogen – etwa für 13 Weihnachtsausstellungen – oft und sehr gut zusammengearbeitet. «Wir verstehen uns, weil wir vom Gleichen sprechen», sagt Leuenberger.

Blumenduft, grosse Maler und etwas Nervosität: Hier entsteht eine ganz besondere Ausstellung

Blumenduft, grosse Maler und etwas Nervosität: Hier entsteht eine ganz besondere Ausstellung (März 2019)

Sie ist jedes Jahr wieder ein Publikumsmagnet: die Ausstellung «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus. Ausgewählte Floristen gestalten ein Kunstwerk zu einem Kunstwerk. Wir haben den floralen Künstlern der letztjährigen Ausstellung über die Schulter geschaut – am Tag der Vernissage, dem nervenaufreibendsten von allen.

Gemeinsam mit den anderen beteiligten Floristinnen und Floristen wurden Leuenberger und Schibli während eines halben Tages von den Organisatoren in Aarau instruiert. Das Kunsthaus hatte eine Vorauswahl an Bildern aus der eigenen Sammlung getroffen. Nun galt es, drei davon auszuwählen, die man gerne mit Blumen neu in Szene setzen würde. Die beiden Aargauerinnen entschieden sich für ein abstraktes Bild, ein Naturbild mit Schafen und das Werk «Erna mit Japanschirm» aus dem Jahr 1913 von Ernst Ludwig Kirchner, das ihnen Ende Januar von den Verantwortlichen zugewiesen wurde.

Farbe und Haltbarkeit der Blumen sind entscheidend

Nachdem die Frauen Kirchners Original in Aarau nochmals genau betrachtet hatten, machten sie sich an der Blumenbörse auf die Suche nach geeigneten Blumen. «Entscheidend waren die passenden Farben und eine möglichst lange Haltbarkeit», erzählt Leuenberger, ohne Details zu verraten. Tulpen sind zwar ihre Lieblingsblumen, aber ungeeignet für dieses Projekt, weil sie schnell wachsen. «Elsbeth kauft sich schon zu Weihnachten immer einen grossen Strauss Tulpen», verrät Schibli mit einem Augenzwinkern.

Die Vorgaben bei «Blumen für die Kunst» sind streng. Keine Erde. Nicht allzu viel Wasser. Einen Sicherheitsabstand zum Bild, damit nichts zerstört wird, falls die Blumen kippen. Für das Platzieren der Blumen liessen Leuenberger und Schibli vom Kunsthaus einen Tisch nach Mass anfertigen. In etwa 15 Gefässen, die Elsbeth Leuenberger selber hergestellt hat, werden die Blumen arrangiert. Damit keine Insekten, die den Bildern Schaden zufügen könnten, ins Kunsthaus gelangen, müssen getrocknete Blumen und Samen vorgängig geröntgt werden.

Nach dem Gespräch mit dieser Zeitung haben sich die Floristinnen an ihren ersten und einzigen Probelauf gewagt. Am 1. März wird das Frauen-Duo die Blumen für die grosse Ausstellung stecken und am Montag in einem engen Zeitfenster beim Kunsthaus in Aarau anliefern. Während der Ausstellungswoche werden die floralen Werke laufend kontrolliert und – wenn nötig – Blumen einzeln ersetzt. Am meisten freut sich Elsbeth Leuenberger darauf, wenn das Gesamtkunstwerk steht und so rauskommt, wie sie es sich zusammen mit Anita Schibli vorgestellt hat. Ausserdem wird sie zwei Führungen mit einer Kunsthistorikerin begleiten.

Ein so grosses Publikum wie noch nie zuvor

Die ehemalige Geschäftsinhaberin hat für ihre erfolgreiche Nachfolgeregelung in Hausen viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung und von ihrer Stammkundschaft bekommen. Silvia Huggenberger betont zwar, dass der Betrieb mit derzeit 320 Stellenprozenten sehr arbeitsintensiv sei. Begeistert fügt die 42-jährige Meisterfloristin an, wie sie sich vor einem Jahr spontan auf diesen Übernahmeprozess eingelassen und dabei nur gewonnen habe.

Huggenberger und Leuenberger sind sicher, dass die Attraktivität des Floristinnen-Berufs mit dem riesigen Echo, das die Ausstellung in Aarau auslöst, gesteigert werden kann. «Ich bin zwar froh, dass ich mich nicht mehr um das Administrative kümmern muss, aber das kreative Floristik-Handwerk vermisse ich im Alltag schon sehr», sagt Leuenberger. Umso schöner sei es, dass sie jetzt ihre Blumenarrangements noch einem so grossen und interessierten Publikum zeigen dürfe.

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