Aarau
Kritik an Baubewilligungen: Wird genug getan für Aaraus Gartenstadt?

Eine Aarauer Einwoherratsfraktion ist in Sorgen um die grünen Quartiere im Süden der Stadt. Ein Dorn im Auge ist ihr die Baubewilligungspraxis. Es entstehe der Eindruck, dass die Stadt auf schlechte Beispiele nur reagiere, wenn es Einsprachen gebe, heisst es etwa.

Sabine Kuster
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An der Kyburgerstrasse wird ein Grundstück vollständig unterkellert.

An der Kyburgerstrasse wird ein Grundstück vollständig unterkellert.

Sabine Kuster

Es geht um die Quartiere im Süden von Aarau, um die Einfamilienhäuser, die Hecken und Gartenmäuerchen im Zelgli- und im Gönhardquartier. Das ist Aaraus viel gerühmte Gartenstadt, extra erwähnt auch bei der Verleihung des Wakker-Preises 2014.

In Aarau ist man sich einig: Die Gartenstadt soll erhalten bleiben und dennoch an einigen Orten massvoll verdichtet werden. So sieht es auch die revidierte Bau- und Nutzungsordnung der Stadt vor, welche sich momentan im Stadium der Vernehmlassung befindet.

Doch die Einwohnerratsfraktion von Pro Aarau, Grünliberalen und EVP/EW zweifelt daran, ob für die Gartenstadt genug getan wird. «Quartierfremde und schlechte Beispiele wurden schon immer gebaut», sagt Ulrich Fischer, Pro Aarau, «was aber neu ist, ist die Geschwindigkeit, mit der das geschieht.»

Fischer weist auf einen Neubau an der Kyburgerstrasse im Zelgli hin, wo ein grosses Grundstück für eine Tiefgarage komplett unterkellert wurde. «Darauf kann man keine Bäume pflanzen», sagt Fischer, «und der Baukörper passt mit den Dimensionen nicht ins Gartenstadtquartier.»

Hohe Zäune schirmen Häuser ab

Peter Jann von den Grünliberalen stört sich zudem an den teilweise mannshohen Einfriedungen der Neubauten. Charakteristisch in der Gartenstadt sind kniehohe Mäuerchen mit einem Gartenzaun darauf oder Hecken. Denn durch diese Offenheit entsteht der Eindruck eines einheitlichen, grünen Ganzen.

Jann und Fischer wohnen beide in der Gartenstadt. Sie rühmen den vielfältigen Grünraum als ökologische Grundlage für viele Pflanzen und Tiere.

Sie sagen aber auch: «Wir sind nicht gegen die massvolle Verdichtung.» Denn es gebe auch gute Beispiele wie das im Wakker-Preis erwähnte Haus an der Jurastrasse, wo aus einer alten Villa ein Mehrfamilienhaus entstanden ist.

«Aber ich frage mich, ob die Stadt überhaupt auf die Eigenheiten der Gartenstadt achtet», sagt Jann. Es entstehe der Eindruck, dass die Stadt auf schlechte Beispiele nur reagiere, wenn es Einsprachen gebe.

Sie nutzte ihren Handlungsspielraum im Sinne der Richtlinien offenbar zu wenig, heisst es in einer Anfrage, welche die Fraktion dem Stadtrat eingereicht hat.

Stadtrat antwortet im Herbst

Darin wird unter anderem gefragt, ob die Bauherrschaften auf die bereits bestehenden Richtlinien hingewiesen würden und ob das ortstypische Bild nicht schon vor der rechtsgültigen revidierten Bau- und Nutzungsordnung korrigiert werden könnte.

«Mit der jetzigen Baubewilligungspraxis der Stadt Aarau und der rasanten Zunahme von Ersatzbauten besteht die Gefahr, dass der typische Charakter der Gartenstadtquartiere verloren geht», schliesst die die Anfrage. Sie wird wohl erst nach den Spardebatten im Einwohnerrat nächste Woche, das heisst nach den Sommerferien, behandelt.