Nicht nur die az-Leser ärgerte dies, auch die Polizei frustriert die Machtlosigkeit, wie Polizeisprecher Bernhard Graser sagt. Herr Graser, normalerweise erhalten Diebe ihre Geldstrafe erst nach der Verhaftung per Post. Ausländische Diebe bezahlen nie, oder?

Bernhard Graser: Diese Gefahr besteht tatsächlich. Deshalb erheben wir bei Personen ohne festen Wohnsitz in der Schweiz vor Ort in Absprache mit der Staatsanwaltschaft ein Depositum, welches den zu erwartenden Bussen- und Kostenbetrag abdeckt.

Warum mussten dann die Diebe im Asper Dorfladen nicht bezahlen?

Die Diebe hatten kein Bargeld, so konnten wir nichts erheben. Ein Leser sagte, man hätte doch das teure Auto sicherstellen können. Aber in diesem Fall würde ein solcher Aufwand in keinem Verhältnis zum Deliktbetrag von 55 Franken stehen.

Einer der Roma wurde aber verhaftet, weil er schon im Kanton Freiburg gesucht war.

Ja, er war gesucht, weil er einmal eine andere Busse nicht bezahlt hatte. Da er kein Geld bei sich trug, wurde nun die Busse in Haft umgewandelt. Dasselbe droht jetzt der Haupttäterin in Asp, wenn sie das nächste Mal aufgegriffen wird und in der Zwischenzeit die Busse, die an eine Adresse in Rumänien geschickt wurde, nicht bezahlt hat.

Dass von den Dieben bloss die Personalien aufgenommen wurden, ärgert die Bevölkerung. Könnte man Kriminaltouristen nicht besser abschrecken?

Da ist die Justiz gefragt. Sie müsste sich dieses Problems annehmen – bei so kleinen Deliktsummen können wir nicht mehr ausrichten. Es ist oft ärgerlich, wenn wir offensichtliche Kriminaltouristen am selben Tag wieder auf freien Fuss setzen müssen.

Eine längere Haft würde die Diebe wohl auch nicht abschrecken. Was wäre effizienter?

Die Polizei kann hier keine Lösung bieten, es liegt an den einheitlichen Einreisebedingungen für Europäer. Seit dem Wegfall der Visumspflicht für Osteuropäer können diese Leute ungehindert als Touristen einreisen. Diese Gruppen ziehen durch ganz Europa. Das ist für uns auch ärgerlich und wir wissen, dass sie das Aufnehmen von Personalien nicht abschreckt.

Die Polizei ist also ebenso frustriert?

Absolut. Wir haben täglich mit diesen Dieben zu tun, ein Ende ist nicht absehbar. Die Polizeimeldungen sind voller falscher «Taubstummen». Das Betteln ist in der Schweiz offenbar lukrativ, die Leute haben Mitleid. Dabei müssen die Bettler den organisierten Gruppen das Geld abgeben. Diese Leute sind mit allen Wassern gewaschen.

Sie wurden persönlich angegriffen von Lesern. Hat Sie das getroffen?

Ja, das schmerzte. Denn ich möchte festhalten, dass wir sogar wegen Bettlern ausrücken. Die Umstände im Fall von Asp waren unglücklich – wir hatten einfach nicht genug schnell Leute zur Hand. Natürlich müssen wir manchmal Prioritäten setzen, aber Kriminaltouristen sind uns alles andere als gleichgültig.