Entspannt sitzt Bernhard Spörri an seinem Küchentisch zu Hause in Gränichen. Um sich herum hat der ehemalige Bezirksschullehrer mehrere Ordner auf dem Tisch drapiert. Seit Jahren befasst sich Spörri mit der Thematik der Wolf-Hund-Hybriden. 1987 legte er die Prüfung zum Jäger ab, die Ausbildung war «beinhart» wie er lachend anfügt. Später jagte der Gränicher unter anderem auch in Schweden und Deutschland und trat einer mitteleuropäischen Jagdorganisation bei, für welche er als Archivar fungiert. Dabei stiess er erstmals auf die Hybriden, die durch die Paarung von Wolf und Hund entstanden.

Ordner voll Infos

«Irgendwann hat es mir dann den Ärmel reingezogen, das Thema fasziniert mich.» Ganze Ordner füllte er mit Berichten und Statistiken von anderen Jagdorganisationen und Universitäten. «Wolf-Hund-Hybriden», erklärt Spörri, «entstehen meistens, wenn sich eine läufige Wölfin von einem Hund decken lässt.» Dies passiere häufig in Ländern, in denen es viele streunende Hunde gebe. In Italien leben momentan rund 2000 Wölfe, die Population sei also sehr hoch. Wolfs-Hund Hybriden seien in verschiedener Hinsicht problematisch, sagt der Gränicher: «Dadurch, dass die Wölfinnen bei ihren Partnern äusserst wählerisch sind, sind die Wolfs-Hund Welpen häufig kaum von ‹reinen› Wölfen zu unterscheiden.»

Doch auch wenn die äusserlichen Unterschiede minimal seien, gebe es beim Charakter der Tiere frappante Unterschiede: «Durch die Kreuzung von Wolf und Hund sind die Hybriden weniger ängstlich und zurückhaltend. Sie wagen sich also eher in Dörfer vor, als es ein reiner Wolf tun würde.» Doch auch wenn die Hybriden einen Teil der Genetik des besten Freunds des Menschen besässen, seien sie hochgefährlich. Sprich: Sie eignen sich nicht als Haustiere. Trotzdem gibt es laut Spörri immer wieder Hundehalter, die unbedingt einen Hybriden möchten, weil sie Wölfe bewundern und gerne ein ähnliches Tier hätten. Dabei seien potenzielle Unfälle vorprogrammiert. In Alaska würden zwar die Wölfe vorsätzlich mit Huskys gekreuzt, da die Hybriden eine grössere Ausdauer besässen. Diese würden aber zum Schutz von Mensch und Tier in gesonderten Gehegen gehalten. «Zusammenfassend kann man also sagen, dass bei einer Hybridisierung ein Wolf entsteht, der ähnliche Zutraulichkeit wie ein Hund aufweist, aber Jagd und Urinstinkte des Wolfs in sich hat.»

Wolfsrasse wird verändert

Für Spörri besteht aber noch eine zweite Problematik: «Durch die Kreuzung von Wolf und Hund wird die reine Genetik des Wolfes verändert. Es ergeben sich Kreuzungen, welche die Rasse des Wolfes verändern.» Wer jetzt denkt, dass die Schweiz von der Hybriden-Problematik nicht betroffen ist, liegt falsch, wie Spörri sagt. «Wir haben hier zwar praktisch keine streunenden Hunde und nur ungefähr 40 bis 50 Wölfe, aber diese wandern ein. Laut der DNA-Stelle in Lausanne sind alle unsere Wölfe aus dem Apennin.» In Italien ist die Hybridenproblematik grösser als in der Schweiz. Nachweisen lassen sich die Hybriden nicht so einfach. Das Genmaterial müsse analysiert und geprüft werden, sagt Spörri. Dafür benötige man aber nicht nur Kot oder Speichelrückstände an gerissenen Wild- oder Nutztieren, sondern auch absolut sauberes Genmaterial für einen Vergleich.

Im Vergleich zur italienischen sei die schweizerische Wolfspopulation fast schon gering, sagt Spörri. Grund dafür: Die Abschussbestimmungen bei den Italienern sind um einiger strenger. Die Tiere dürfen nur geschossen werden, wenn die Population «zufriedenstellend» ist. Und auch dann darf der Bestand allerhöchstens um 5 Prozent reduziert werden. Dies führte dazu, dass während rund 40 Jahren kein Tier mehr geschossen wurde.

Ja zu kontrolliertem Abschuss

Spörri, der selber sieben Jahre lang kantonaler Jagdaufseher war und heute noch selber jagt, befürwortet den kontrollierten Abschuss von Wölfen. Dies auch, weil Wölfe viel Platz in ihrem Revier benötigen. Selber hatte der 77-jährige noch nie einen Wolf vor seinem Jagdgewehr.

In der Jägerszene hat er eine positive Veränderung wahrgenommen. «Heute ist es definitiv strenger, man kann nicht mehr einfach jagen wie früher, sondern legt eine Prüfung ab.» Auch dank des Tierschützers Peter Suter habe es positive Veränderungen gegeben. Suter hat drei Initiativen lanciert, unter anderem das Verbot der Treibjagd. «Man könnte fast sagen, dass Suter eine Treibjagd mit uns Jägern veranstaltet hat», sagt Spörri lachend. «Der Wald ist ein Erholungsgebiet für alle – das setzt gegenseitigen Respekt im Umgang aller Parteien voraus.» Dabei dürfe man aber vor allem die Tiere nicht vergessen. «Die Anzahl der Tiere, die wir schiessen, ist vom Kanton vorgegeben, oberstes Gebot ist, dass das Tier nicht leiden muss.»