Kreisschule Aarau-Buchs
Tagesschule in Aarau? Die Parteien finden das im Grundsatz nicht schlecht, haben aber Vorbehalte und Fragen

Einige Parteien zweifeln daran, dass eine Tagesschule an nur einem Standort und mit starren Betreuungszeiten das Richtige ist.

Nadja Rohner
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Hier beim Aare-Schulhaus im Aarauer Scheibenschachen soll ein Neubau (Modulbau) für die Tagesschule entstehen.

Hier beim Aare-Schulhaus im Aarauer Scheibenschachen soll ein Neubau (Modulbau) für die Tagesschule entstehen.

Nadja Rohner / Aargauer Zeitung

Die Stadt Aarau, die Gemeinde Buchs und die Kreisschule Aarau-Buchs haben ein Projekt ausgearbeitet, das die Schaffung einer Tagesschule für rund 150 Kinder in einem Neubau im Aarauer Scheibenschachen sowie die Einführung von Kinderhorten an allen Schulstandorten vorsieht. Aktuell hat Aarau noch keine Tagesschule, Kinderhorte werden privat organisiert und sollen neu der Schule angehören.

Die Vernehmlassung zum Projekt läuft aus. Nachdem sich die GLP Aarau bereits positiv gegenüber der neuen Tagesschule geäussert hat (AZ berichtete), schliessen sich auch andere Parteien dem Tenor an – allerdings mit kritischen Tönen.

SVP Aarau: Tagesschule muss freiwillig bleiben

In den Stellungnahmen, die der AZ vorliegen, findet der Vorschlag, die Horte in die KSAB zu integrieren, breite Zustimmung. Die SVP Aarau schreibt allerdings, sie frage sich, wie die privaten Hort-Anbieter «diese Entwicklung» beurteilen, weil sie «faktisch obsolet» würden: «Immerhin waren es einst die privaten Vereine und Institutionen, welche mit innovativen Überlegungen Lösungen zur Verfügung gestellt haben. Diese einfach ihrem Schicksal respektive ihrer Überflüssigkeit zu überlassen, ist stossend.» Die SVP stellt die Frage, ob bei der Bedarfserhebung die Abgrenzung zwischen Hort (modulweise wählbare Betreuung) und Tagesschule (fixe Betreuung an fünf Tagen pro Woche) klar gewesen sei beziehungsweise sich die teilnehmenden Eltern wirklich bewusst waren, dass eine Tagesschule an allen Wochentagen besucht werden muss. «Die Erfahrung zeigt, dass es vielen Familien ein Bedürfnis ist, ihre Kinder zumindest teilweise selbst zu betreuen.» Die SVP betont, dass aus ihrer Sicht die Tagesschule stets freiwillig bleiben müsse. Und: Die Finanzierbarkeit müsse gegeben sein: Wenn eine Tagesschule geführt werde, müsse sichergestellt werden, dass die Klassen von Anfang an ausreichend gefüllt sind. Es müssen etwa 100 von 154 Plätzen besetzt sein, damit eine schwarze Null resultiert.

SP Aarau: Prioritäten anders setzen

Auch die SP Aarau, die die Bildung von Tagesschulen mit einem Postulat angestossen hat und deren Stadträtin Franziska Graf das Projekt vertritt, ist nicht ganz zufrieden. Die Idee hinter dem Postulat sei gewesen, «dass die bestehenden Schulen schrittweise in Tagesschulen umgewandelt werden. Das Modell des Baus einer separaten Tagesschule scheint ein Modell, das wohl vor 25 Jahren eine Lösung für die Integration von Schule und Betreuung war, aber heute nicht mehr die beste Lösung.» Es sei zeitaufwendig und aufgrund des Neubaus teuer, diene nur wenigen Familien und bringe logistische Probleme, «da die meisten Kinder nicht alleine über grössere Distanzen in die Tagesschule gehen können». Schulbusse wären unverzichtbar. «Es läuft der Vereinbarkeit von Familie und Beruf diametral entgegen, wenn die Kinder aus verschiedenen Stadtteilen von den Eltern quer durch die ganze Stadt gefahren werden müssen, um an den Tagesschulstandort zu gelangen.» Die SP Aarau will also, dass die Führung von modularen Horten prioritär und nicht nachgelagert verfolgt wird. «Primäres Ziel muss es sein, an allen Schulstandorten eine freiwillige und von den Erziehungsberechtigten wählbare Tagesbetreuung zwischen 6:15 Uhr und 18:15 Uhr anzubieten, welche Schule, Betreuung, Hausaufgaben, Teilnahme an ausserschulischen Aktivitäten beinhaltet.»

FDP Buchs: Auch am Standort Buchs eine Tagesschule

Die FDP Buchs, deren Vizeammann Anton Kleiber ebenfalls für das Projekt zuständig ist, steht hinter einer Tagesschule, findet aber: «Der definierte Standort bringt zwar den Vorteil, dass die Gemeinde Buchs nicht kurzfristig in Immobilien investieren muss. Gleichzeitig entstehen aber dadurch negative Effekte für die Gemeinde Buchs.» Familien, welche das Angebot einer Tagesschule in Aarau nutzen, würden sich vermehrt in Aarau vernetzen. Und: «Der Standort in Aarau führt zu zusätzlichem motorisiertem Verkehr für den Schulweg der Tagesschülerinnen und Tagesschüler und die Kinder verlieren die wichtige Erfahrung eines eigenen Schulwegs zu Fuss.» Daher fordert die FDP Buchs, «dass im Gemeindevertrag verbindlich festgehalten wird, nach dem Aufbau einer ersten Tagesschule in Aarau auch am Standort Buchs ein äquivalentes Angebot zu realisieren».

SVP Buchs: Stärkung der Standortattraktivität

Die SVP Buchs «ist der Ansicht, dass die Errichtung eine Tagesschule sowie von modularen Tagesstrukturen einerseits einem Bedürfnis der Bevölkerung im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entspricht und andererseits eine Stärkung der Standortattraktivität der Gemeinde Buchs und der Stadt Aarau bedeutet». Zwar kann die SVP Buchs den Standortentscheid nachvollziehen, findet aber wie FDP und der Gemeinderat, «dass bei grosser Nachfrage nach Plätzen in der Tagesschule auch aus Buchs, ein weiteres künftiges Tagesschulangebot in Buchs anzusiedeln ist».

EVP Aarau: Wer kann sich das leisten?

Die EVP Aarau will die modulare Form ebenfalls priorisieren. «Sind starre Tagesschulen mit klaren Öffnungszeiten noch zeitgemäss bei den heutigen Arbeitszeitmodellen von den Eltern (Jobsharing, flexible Arbeitszeitmodelle)?», fragt die Partei. Und bei rund 12’000 Franken Kosten pro Jahr und Kind stellt die EVP Aarau die Frage in den Raum: «Ist es Doppelverdienern aus der Unterschicht möglich, ihre Kinder in der Tagesschule zu platzieren? Reichen die Subventionen aus?»

Wie es nun weitergeht

Beabsichtigt ist, dass der neue Gemeindevertrag nach der Vernehmlassung überarbeitet und dann im Juni 2022 den beiden Einwohnerräten vorgelegt wird. Er würde dann im Herbst 2022 vors Volk kommen. Aarau müsste später noch Ja sagen zu einem Baukredit für das neue Schulhaus. Die neue Tagesschule würde frühestens 2028 starten, die modularen Tagesstrukturen würden sukzessive (bis 2033) geschaffen.

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