Es ist Freitagmorgen, Punkt zehn Uhr. Die Stadt Aarau hüllt sich in das erste winterliche Weiss. Der Alarm im Gebäude der Trüb AG an der Hinteren Bahnhofstrasse ist ohrenbetäubend. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich 150 Personen im Haus an der Arbeit. Die Notfalltüren öffnen sich, und ein Mitarbeiterstrom ergiesst sich auf das Firmengelände.

«Kein richtiger Brand»

Beim Haupteingang macht sich ein kurzer Moment lang leichte Hektik bemerkbar. Man weiss den Ernst der Lage nicht genau einzuschätzen. «Dem Rauch nach ist das kein richtiger Brand», vermutet ein Mann auf die Frage der Reporterin nach der Alarmursache.

Ein Blick vor Ort kann sicher mehr Aufschluss bringen. Doch der Eintritt wird vom Sicherheitspersonal oder von achtsamen Mitarbeitenden verweigert. Die Reporterin wird auch mit weniger sanften Mitteln weggewiesen.

So muss es sein: Der «Brand» war pyrotechnisch simuliert, die Reporterin als Störerin teil der Übung.

Nicht einfach kopflos flüchten

Evakuationsübungen gehören zu den Standards im Notfallkonzept eines grösseren Unternehmens. Die Fertigung hochsensibler Produkte unterscheidet die Trüb AG jedoch von andern Betrieben. Täglich werden Tausende von Ausweis- und Kreditkarten internationaler Auftraggeber personalisiert, mit einem Code versehen und versandbereit gestellt.

«Glaubwürdigkeit und Vertrauen haben gerade in unserem Umfeld eine zentrale Bedeutung und dürfen in keinem Fall aufs Spiel gesetzt werden», erklärt Jörg Kyburz, Security Manager der Trüb AG. Undenkbar, den Arbeitsplatz auch im Akutfall einfach kopflos zu verlassen.

Die Reporterin sollte das Verhalten der Mitarbeiter und Kader im gespielten Notfall prüfen. Beeinflusst der Stress ihre Auskunftsfreudigkeit, oder bleiben sie auch unter Anspannung ebenso verschwiegen, wie ihre Produkte fälschungssicher sind?

«Dem Ernstfall standgehalten»

Jörg Kyburz zieht eine positive Bilanz: «Die wichtigsten Risiken haben dem Ernstfall standgehalten.» Die Angestellten brauchten weniger als eine Viertelstunde, um das Gebäude zu verlassen. Nach einer akribischen Überprüfung der laufenden Produktion durften sie den Sammelplatz wieder verlassen und durch die interne Kontrollschleuse an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.