Aarau

Kreativ bis unters Dach: Modedesignerin Corinne Pfister und ihre Untermieter beleben die Pelzgasse 4

Corinne Pfister und ihre Bulldogge «Duke» sind mit Laden und Atelier von der Milchgasse an die Pelzgasse gezogen.Chris Iseli

Corinne Pfister und ihre Bulldogge «Duke» sind mit Laden und Atelier von der Milchgasse an die Pelzgasse gezogen.Chris Iseli

Sie ist umgezogen, von der Milchgasse an die Pelzgasse. Heute Samstag eröffnet die preisgekrönte Modedesignerin ihren Verkaufsladen samt Nähatelier – zeitgleich mit dem Naturkosmetik-Studio «Nurpur», dem Yoga-Studio «Sevil Yoga» und dem Kollektiv «Fluss und Giebel» in den oberen Stockwerken der Pelzgasse Nummer 4. Ein ganzes Haus voller junger, kreativer Köpfe.

«Duke» hat die Ruhe weg. Wie hingegossen liegt die Französische Bulldogge im Körbchen, grauer Hund in grauem Polster, perfekt getarnt. Die Aufregung überlässt «Duke» den andern. Seiner Besitzerin etwa, Corinne Pfister (27). Und die hatte es die letzten Tage streng. Sie ist umgezogen, von der Milchgasse an die Pelzgasse, mitsamt all ihren Nähmaschinen, Stoffballen, Schaufensterpuppen, Fadenspulen und Massbändern.

Hier in der Nummer 4 eröffnet die preisgekrönte Modedesignerin heute Samstag ihren Verkaufsladen samt Nähatelier. Und sie feiert nicht alleine: In den Stockwerken über dem Verkaufslokal eröffnen zeitgleich das Naturkosmetik-Studio «Nurpur» und das Yoga-Studio «Sevil Yoga». Zudem hat sich Kameramann Roman Gaigg vom Kollektiv «Fluss und Giebel» ein Büro eingerichtet. Ein ganzes Haus voller junger, kreativer Köpfe.

Ein Haus als Ganzes

Im Haus an der Pelzgasse 4 wurde in den vergangenen Jahrzehnten hauptsächlich gebacken, zwischenzeitlich wurde es als Galerie genutzt. Und jetzt wird es kreativ bis unters Dach. Eine Idee, die schon lange in Corinne Pfister schlummerte. «Ich habe eine grosse Faszination für die alten Stadthäuser. Und mir gefällt die Idee, sie als Ganzes zu betrachten.» Nicht zweigeteilt in öffentliches Verkaufslokal und private Wohnung, sondern als Ganzes, mitsamt dem Blick in Hinterhof und Eh-Graben.

Das Haus in der Pelzgasse ist dafür perfekt: Helle Räume, verteilt auf drei Stockwerke, Küche, Bad, dazu ein unschlagbar günstiger Mietpreis; da zögerte Corinne Pfister nicht lange, mietete das Haus und suchte sich Untermieter. «Jeder von uns bringt neue Menschen ins Haus, das macht es spannend für alle und ist ein Mehrwert», sagt sie. «Ausserdem kann ich anderen Kreativen so die Möglichkeit für bezahlbare Ateliers und Räume mitten in der inspirierenden Altstadt bieten.»

Für Corinne Pfister ist der Wechsel von der Milchgasse in die Pelzgasse auch ein belebender. In der Milchgasse hatte sie ihr Konzept Anfang 2016 umgesetzt, mit grossem Erfolg. Ihr Label «Neer» kommt an, ihre abendlichen Nähkurse sind gut besucht, die Kundschaft mit persönlichen Schneiderwünschen kommt zahlreich. Und auch die Produkte befreundeter Schweizer Designer, von Schwimmsäcken über Sonnenbrillen bis zu Babykleidern und Keramik, laufen gut. Aber was in der Milchgasse fehlt, ist das Leben den Winter über. «Dann ist die Gasse wie ausgestorben.»

An ihrem Konzept ändert Corinne Pfister an der neuen Adresse nur ganz wenig. So hat sie das Angebot mit weiteren, schlichten Kleiderlabeln ergänzt. Neu wird sie ausserdem jeweils für zwei Monate ein Gastlabel ins Sortiment aufnehmen. «So bleibt das Angebot für die Kunden abwechslungsreich», sagt sie. Den Anfang macht ab Mai das Luzerner Unterwäsche-Label «Thoose».

Die nächsten Monate will Corinne Pfister für ihren Laden einen Sondereffort leisten. Aktuell arbeitet sie an einer neuen Kollektion, unterstützt von Absolventen der gestalterischen Berufsmatur und dem Naturama. «Die Studenten entwerfen Textilprints, inspiriert von der aktuellen Ausstellung im Naturama», erklärt Pfister. Sie wiederum lässt die besten Entwürfe in ihre nächste Kollektion einfliessen.

Ihr geht es ums Handwerk

Es ist nicht so, dass Corinne Pfister zu wenig zu tun hätte. Weil sie mit der Produktion ihrer Kollektion alleine nicht nachkommt, hat sie eine Zusammenarbeit mit dem Lehratelier für Modegestaltung gestartet. Sie bringt ausgewählte Stoffe und Schnittmuster, die angehenden Bekleidungsgestalterinnen fertigen daraus die Kleider. Daneben unterrichtet sie während zweier Tage pro Woche an der Privatschule «k&w» in Olten sämtliche gestalterischen Fächer. «Das ist viel Programm. Aber mir gefällt die Abwechslung», sagt sie. Und so leicht lässt sie sich auch nicht stressen.

Den Stress, den hatte sie während ihrer Ausbildung zur Genüge, als sie in München an der Schule Esmond Modedesign studierte. Nacht um Nacht arbeitete sie damals durch, um ihre Abschlussarbeit termingerecht fertigzubringen. Mit Erfolg, ihre Kollektion wurde als die ideenreichste ihres Jahrgangs ausgezeichnet. Doch trotz dieses Erfolgs, trotz bester Aussichten auf eine grosse Karriere in der Modebranche, sucht sie die Bodenständigkeit. «Meine Leidenschaft ist das Handwerk. Ich will individuelle Mode anbieten. Dazu brauche ich den persönlichen Kontakt zu den Kunden.»

Öffnungszeiten Concept-Store «Neer» Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18.30 Uhr, Freitag und Samstag von 9 bis 16 Uhr.

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