Das Eschentriebsterben beunruhigt. Wie hat sich die Situation in der Region Aarau in den letzten Monaten entwickelt? «Sie hat sich weiter verschlimmert», sagt Martin Blattner, Leiter des Forstbetriebs Jura, der für die Wälder der Ortsbürgergemeinden Densbüren, Erlinsbach, Küttigen und die Staatswaldungen in der Region zuständig ist.

Eine Verschlechterung hat Blattner speziell in jungen Beständen festgestellt. «Hier haben wir zum Teil sogar Totalausfälle zu beklagen.» Im Buechwald, auf Küttiger Boden, zeigt Blattner einen Jungholzbestand, der praktisch nur noch aus dürren Ästen und noch grünen Nottrieben besteht.

«Es gibt immer noch Hoffnung»

Aber auch im Altwald breitet sich die Krankheit weiter aus. «Langsam, aber stetig», wie Blattner sagt. «Zum Glück finden wir aber immer noch überhaupt nicht befallene Bäume.» Panik sei fehl am Platz, meint Blattner trotz allem. Noch immer gebe es Hoffnung: Neuste Forschungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf ZH lassen laut Blattner vermuten, dass 3 bis 5 Prozent der Eschen gegen den Pilz resistent sind.

Gesucht sind also einzelne gesunde Eschen, die aus einem kranken Bestand herausragen. Ziel wäre es, mit ihrem genetischen Material, das möglicherweise dem Pilz widersteht, gewissermassen die Eschen der Zukunft zu züchten. Auf einen einzelnen Baum bauen könne man freilich nicht, unterstreicht Blattner. Vielleicht sei nämlich dessen genetisches Material besonders anfällig für einen später einmal auftauchenden Krankheitserreger.

Nicht betroffene Gebiete im Revier gebe es nicht, stellt Blattner fest. «Wir haben praktisch überall befallene Eschen.» Die Krankheit habe sich landesweit mit einem erschreckend hohen Tempo ausgebreitet. Vom ersten Auftreten in der Nordschweiz bis zur Ankunft des Pilzes auch im Wallis und im Tessin seien nur gerade sechs Jahre vergangen. Blattner rechnet: «Das ergibt 40 Kilometer pro Jahr.»

Eine Zunahme der Schadenssymptome stellt auch der Aarauer Stadtoberförster Christoph Fischer fest. «Hauptsächlich in jungen Beständen.» Gemeint sind damit, wie Fischer verdeutlicht, 30- bis 40-jährige Eschen. Im Gönhard gebe es Bestände, die zu mehr als der Hälfte betroffen seien. Im Aarauer Wald sind nach Fischers Angaben 9,5 Prozent der Bäume Eschen. Häufiger kommt mit einem Anteil von 32 Prozent nur die Buche vor.

Keine Jagd auf Eschen

Die Erkenntnisse des Kurses vom Juni 2014 (siehe Artikel unten) hätten nach wie vor Gültigkeit, macht Martin Blattner klar: «Wichtig ist, dass keine Jagd auf Eschen stattfindet.» Sprich: Vitale Eschen sollten möglichst erhalten werden. Und: «Die Anzeichnung der zu fällenden Bäume soll im Sommer erfolgen, wenn sie noch Laub tragen.» Das macht Sinn, weil dann die kranken von den gesunden Bäumen besser unterschieden werden können.

«Keine Jagd auf abgehende Eschen!» Das bestätigt auch Christoph Fischer. Eschen würden im Aarauer Wald in der Regel im Rahmen der ordentlichen Nutzung geschlagen. Allerdings, sagt der Stadtoberförster, gelte es zu berücksichtigen, «dass wir einen stark begangenen Wald haben». Einen Wald, der für viele Freizeit- und Erholungsaktivitäten genutzt werde. Aus diesem Grunde sei es unumgänglich, abgehenden Eschen ein besonderes Augenmerk zu schenken – aus Sicherheitsgründen.

Auf Neupflanzungen verzichten

Die Konferenz der Kantonsförster (KOK) und die Abteilung Wald des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) haben Mitte Juni die Strategie der Waldverantwortlichen im Kanton bestätigt. Auch sie haben sich damit abgefunden, dass eine Ausrottung der Krankheit nicht mehr möglich ist. Effiziente Massnahmen gegen die Eschenwelke gebe es derzeit nicht, liessen sie nach einer Zusammenkunft in Olten verlauten.

Auf Neupflanzungen von Eschen sei eher zu verzichten. Gering befallene oder gesunde Eschen sollten aber auf jeden Fall erhalten und gefördert werden. Möglicherweise handle es sich dabei um Bäume, die resistent oder zumindest der Krankheit gegenüber tolerant seien – also nicht eingehen würden. Stark befallene Eschen mit einem grossen Totholzanteil entlang von Verkehrswegen dagegen sollten aus Sicherheitsgründen überwacht oder entfernt werden, da sie bei einem Sturm umstürzen könnten.