Aarau

Konzert Orchesterverein: Musikalische Trauer und Lebensfreude

Das Konzert des Orchestervereins war ein Feuerwerk der Emotionen. Besonders die junge Pianistin Tanja Hotz stach hervor.

Wenn früher eine Blasmusik eine Trauerfeier mitgestaltete, spielte sie in der Kirche und auf dem Friedhof schwermütige Stücke. Nach der Feier zog sie mit einem fröhlichen Marsch von dannen. Das Leben geht weiter. David Schwarbs Konzept für das Sinfoniekonzert des Orchestervereins Aarau war ähnlich ausgestaltet.

Das Konzert begann mit Joseph Haydns «Trauersinfonie», einem Werk in Moll-Tonart, das seinen Titel nicht von Haydn selber erhalten hat. Allerdings soll der Komponist darüber nachgedacht haben, Teile daraus an seiner Beerdigung spielen zu lassen. Nun, Haydn schuf das Werk 1770, viel zu früh für dieses Vorhaben, er starb erst 39 Jahre später. Neben dieses tiefgründige Werk aus der klassischen Sinfonik stellte Schwarb zwei elegische Melodien des Norwegers Edvard Grieg, entstanden 110 Jahre nach Haydns Sinfonie.

Humor und sanfte Herzlichzeit

Nach der Pause dann pure Lebensfreude. Mozarts neuntes Klavierkonzert sprüht nur so vor Einfällen, Überraschendem, Humorvollem; aber im Mittelsatz gab es auch sanfte Herzlichkeit. Auch dieses Werk trug lange einen nicht originalen Titel, «Jeunehomme». Dabei hatte Mozart dieses Werk nicht einem jungen Mann, sondern der französischen Pianistin Victoire Jenamy gewidmet. Aus Jenamy wurde im Verlauf der Zeit Jeunehomme.

David Schwarb ist ein profunder Kenner der Literatur. Er pflegt die Details eines jeden Werkes, ohne das Ganze aus den Augen zu verlieren. Er kennt auch die Möglichkeiten und Grenzen eines Liebhaberorchesters, überfordert es nicht, stellt es aber auch vor Herausforderungen. Die 34 Mitwirkenden, darunter fünf Männer, folgten ihrem Dirigenten aufmerksam, setzten seine Vorstellungen erstaunlich gut um, so etwa den nostalgischen Charme im Adagio und die packende Dramatik im Schlusssatz der Sinfonie. Natürlich litten auch diese Interpretationen unter der suboptimalen und daher erbarmungslosen Akustik im Kultur- und Kongresshaus, die zu Schärfen in den hohen Tönen beiträgt und jede Intonationstrübung offenlegt.

Nachdem sich das Orchester im ersten Konzertteil einmal mehr als gut vorbereiteter Klangkörper bewiesen hatte, kam nach der Pause der Höhepunkt des Abends. Die junge Pianistin Tanja Hotz ist ein Multitalent. Sie beherrscht mehrere Instrumente und hat sich auch als Komponistin bewährt. Ihr Hauptinstrument ist das Klavier.

Mit jugendlicher Frische und Virtuosität nahm sie sich des Klavierparts in Mozarts Es-Dur-Konzert an und liess sich auch nicht stören, wenn im Orchester, zumindest zu Beginn, eine gewisse Nervosität oder auch gelegentliche Intonationsprobleme (zum Beispiel in den Oboen) auftraten. Wenn man Tanja Hotz zuhört und zuschaut, spürt man, dass ihr ganzer Körper und ihre Mimik eins sind mit der Musik. Wunderbar, auch in der Zugabe, einer Sonate von Domenico Scarlatti! Auf den weiteren künstlerischen Weg der sympathischen Pianistin darf man sich freuen.

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