Kommentar
Fall Gönhard: Ein Jahr Coronaerfahrung reicht offenbar nicht

In weniger als zwei Wochen jährt sich der erste Lockdown. Man dürfte erwarten, dass mit der Erfahrung das Coronawesen nun etwas runder läuft. Beim kantonalen Contact Tracing scheint aber weiterhin der Wurm drin zu sein.

Daniel Vizentini
Daniel Vizentini
Merken
Drucken
Teilen

Trotz viel weniger Fällen als etwa im November kommen die Informationen nur dürftig und spät bei den Betroffenen an. Im Aarauer Schulhaus Gönhard, einer Primarschule mit mehreren hundert Kindern, nur 600 Meter von den Büros vom kantonalen Departement Gesundheit und Soziales entfernt, werden am Mittwoch vor einer Woche sechs Coronafälle aus drei Schulklassen bekannt. Am Tag danach müssen zwei Klassen in Quarantäne, dann alle drei. Bei Schulsportaktivitäten haben infizierte Kinder mit solchen aus anderen Klassen Kontakt. Letzten Montagnachmittag wird die Schule vom Kanton benachrichtigt, dass alle Klassen in Quarantäne müssen.

Informiert werden die Eltern von der Schule, die ihrerseits immer auf die Anordnungen des Kantons warten muss. Den orientierungslosen Eltern schickt der Kanton einen Standardbrief mit komplett falschem Inhalt, entschuldigt sich dann einen Tag später per SMS. Dies verunsichert die Eltern ungemein. Einheitliche, nachvollziehbare Anweisungen vom Kanton wären stattdessen nötig. Eltern bräuchten zudem Hilfe bei praktischen Fragen, so etwa, ob sie frei nehmen dürfen, um die Kinder testen zu lassen. Der Kanton macht es sich zu einfach, wenn er einer Mutter sagt, sie solle sich doch über die Medien informieren.