Kolumne Leben in Aarau
Wollen Sie über Steuern reden? Nein? Es lohnt sich aber, hinzuschauen

Die städtische Finanzpolitik ist vielleicht nicht das lustvollste Thema. Es lohne sich dennoch genau hinzuschauen, findet FDP-Grossrat Yannick Berner.

Yannick Berner*
Yannick Berner*
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Sparen macht weniger Spass als investieren - darüber reden muss man dennoch.

Sparen macht weniger Spass als investieren - darüber reden muss man dennoch.

Michael Bihlmayer / www.imago-images.de

Investieren und gestalten macht zweifelsohne Spass. Budgetieren und sparen sind hingegen Spassbremsen. Oder – Hand aufs Herz – zählen Sie zu jenen, die das Budget der Stadt Aarau oder des Kantons als Wochenendlektüre durcharbeiten? Mit einem dicken Wälzer sind diese Budgets von über 100 beziehungsweise 300 Seiten durchaus zu vergleichen. So kommt es auch, dass sich nur eine Handvoll Politikerinnen und Politiker jeweils vertieft dem Finanzdossier widmen. Dies ist jedenfalls mein Eindruck nach bald vier Jahren im städtischen Parlament.

Debattieren über ein Vegi-Menü oder das Abendprogramm am Maienzug ist einfach lustvoller, als den Fokus auf eine nachhaltige Finanzpolitik der Stadt zu halten. Auf jeden Fall lohnt es sich aber, bei den Gemeinde- und Kantonsfinanzen genau hinzuschauen. So geht es bei den Budgets um betriebliche Aufwände von mehr als 160 Millionen beziehungsweise 6 Milliarden Franken. Schaut man auf die Stadt, erkennt man, dass Aarau in den letzten sieben Jahren stets saftige Rechnungsüberschüsse erzielte. Und das übrigens auch bei anfänglich budgetierten Verlusten.

*Yannick Berner (28) ist Betriebswirt, FDP-Grossrat, Einwohnerrat und Geschäftsleitungsmitglied im Familienunternehmen. Er wohnt in Aarau.

*Yannick Berner (28) ist Betriebswirt, FDP-Grossrat, Einwohnerrat und Geschäftsleitungsmitglied im Familienunternehmen. Er wohnt in Aarau.

Zvg

Die kumulierten Überschüsse sind zu einem stolzen Sümmchen herangewachsen. Wir reden von 46,3 Millionen Franken. Eine Senkung des Steuerfusses um drei Prozent ist somit längst überfällig. Liebe Leserinnen und Leser, sind Sie noch dabei? Dann lassen Sie uns über die kürzlich publizierte städtische Steuerstruktur reden. Die ist nämlich sehr interessant. Darin wird ersichtlich, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich in Aarau tendenziell leicht schliesst. Das ist gut so! Auch fällt auf, dass jeder fünfte Aarauer Steuerpflichtige keine Steuern bezahlt. Auf der anderen Seite machen die obersten zehn Prozent aller Steuerpflichtigen rund die Hälfte des Steuervolumens aus. Was heisst das nun für die Politik?

Nebst einem guten städtischen Leistungsangebot braucht es eine aktive Standortförderung und eine vorteilhafte Steuerstruktur. Dies bedingt unter anderem eine bewusste Planung der Entwicklungsgebiete wie beispielsweise des Kasernenareals, aber eben auch einen attraktiven Steuerfuss. Auf kantonaler Ebene spielt hier die Steuergesetzrevision eine zentrale Rolle. Schon nächsten Monat debattieren wir im Grossen Rat darüber, ob und wann Aargauer Firmen tiefer besteuert werden. Dies ist wegweisend und wichtig für unseren Wirtschaftsstandort, um nachhaltig Arbeitsplätze zu schaffen und Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Auf ein weiteres wesentliches Thema einzugehen, nämlich das der städtischen Schuldenbremse, verzichte ich an dieser Stelle bewusst. Aber auch das ist eine wichtige finanzpolitische Entscheidung, welche wir in Aarau in den nächsten Monaten gemeinsam fällen müssen. Die Schuldenbremse ist ein Generationenprojekt, das unseren Finanzhaushalt nachhaltig sichern wird. Sie sehen, Finanz- und Steuerthemen sind wichtig, können zuweilen aber auch etwas trocken sein. So oder so gehören sie für alle Politikerinnen und Politiker zur Pflicht. Die Auswahl des Menus am Maienzug ist auch bedeutend, bleibt aber Kür.

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