Kolumne
Keine Physik, nur Herzklopfen

Was Siria Berli, Captain der «Red Boots» (vormals FC Aarau Frauen), erzählt von ihren Gefühlen vor den wichtigen Spielen Ende der letzten Saison.

Siria Berli*
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Siria Berli.

Siria Berli.

M.wuertenberg

Jeder kennt dieses Gefühl, das vor jedem wichtigen Moment auftaucht. Es lässt uns zittrige Beine, kalte Hände oder in meinem Fall Herzklopfen bekommen: Ich spreche von Druck. Nicht von Druck als physikalische Grösse, die mich in der Schule verfolgt. Sondern dieses Gefühl, das man hat, wenn man eine Fünf im Franztest braucht, um in der Schule durchzukommen, oder wenn man dieses eine Fussballspiel gewinnen muss, um aufsteigen zu können.

Genau das war vor knapp vier Monaten der Fall, als mein Team auf dem dritten Tabellenplatz stand und wir nur noch wenige Spiele vor uns hatten. Wir machten uns einen riesigen Druck, da wir die letzten Spiele gewinnen und somit endlich den Aufstieg erreichen wollten. Ein Ziel, auf das wir Monate hingearbeitet hatten und über das immer wieder in den Medien zu lesen war.

Als ich im Cup-Spiel gegen den FC Zürich in einem Zweikampf meine drei Mittelhandknochen brach, wusste ich, dass ich nicht länger auf dem Spielfeld für den Aufstieg kämpfen konnte. Die letzten Spiele musste ich vom Spielfeldrand aus beobachten.

Vor einem wichtigen Heimspiel setzte ich mich in der Garderobe neben eine Teamkollegin. Es waren noch zehn Minuten bis Anpfiff. Über 150 Zuschauer warteten gespannt darauf, ob wir dieses Spiel für uns entscheiden würden – so, wie wir es die letzten vier Spiele getan hatten. «Bisch parat?», fragte ich meine Kollegin, obwohl ich wusste, dass sie es definitiv war. Als Antwort bestätigte sie meine Vermutung mit einem Nicken und fügte hinzu, dass sie doch auch richtig nervös sei und den Druck spüre.

Zur Person

Siria Berli

Siria Berli

Siria Berli (19) geht in die Sport-Kanti, ist Captain der Red Boots (vormals FC Aarau Frauen) und Kleinunternehmerin. Sie wohnt in Birrwil.

In dem Moment wurde mir klar, dass wir uns diesen Druck selbst machen. So oft habe ich mich vor einem wichtigen Spiel genauso gefühlt. Aber seit ich diese nervenaufreibenden Spiele als «Zuschauerin» miterlebte, wurde mir klar, dass wir selbst entscheiden können, wie viel Druck wir zulassen wollen.

Klar, ein gewisser Druck oder Anspannung hilft Körper und Geist, sich auf Höchstleistungen vorzubereiten. Aber eine zu grosse Anspannung kann genau das Gegenteil bewirken. Ich persönlich brauche eine gewisse Anspannung, um in den ersten zehn Minuten zu 100 Prozent bereit zu sein.

Auf jeden Fall gewannen wir trotz Anspannung dieses sowie die weiteren Spiele. Am Ende der Saison waren wir Meister und Aufsteiger. Im letzten Spiel konnte ich mein Team endlich wieder auf statt neben dem Platz unterstützen. Und nein, ich konnte die Anspannung und den Druck, den man nach zwei Monaten Verletzung spürt, nicht einfach ausblenden. Es gelang mir aber, diese Anspannung als Energie ins Spiel mitzunehmen.

Vor zwei Wochen hat unsere erste Saison in der Nationalliga A angefangen. Unser erstes Spiel war ein Resultat von zu grosser Anspannung; unser Trainer hat uns im nächsten Training zusammengenommen und uns gefragt, wieso wir uns solch einen Druck machen.

Auch wenn es albern klingt, der Spass am Fussball darf schlussendlich niemals fehlen, denn aus finanziellen Gründen trainieren wir definitiv nicht fünf- bis neunmal pro Woche. Letztes Wochenende konnten wir diese Worte umsetzen und erspielten uns unseren ersten Punkt in der AWSL gegen den FC Luzern.

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