Kolumne
Frau zu sein, ist schwer

Was Siria Berli, Captain der «Red Boots» (vormals FC Aarau Frauen), von ihrer Mutter und Grossmutter lernte.

Siria Berli*
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Siria Berli beim Fussballspielen.

Siria Berli beim Fussballspielen.



Alexander Wagner

«Frau zu sein ist schwer.» Ein Zitat, welches mich am Weltfrauentag vor drei Wochen zum Nachdenken anregte. Schon viele Male diskutierte ich mit einem meiner Vorbilder, meiner Oma, über die Stellung der Frauen zu ihrer Zeit vor 65 Jahren. Zu dieser Zeit schien es klar, sich nach der Heirat voll und ganz der Familienplanung und dem Haushalt zu widmen. Und dies teilweise in einem Alter von 20 Jahren – da hätte ich noch ein knappes Jahr Zeit.

Eine Frau in der Arbeitswelt? Geschweige denn in einer Führungsposition? Kam so selten vor, wie zur jetzigen Zeit ein Restaurantbesuch. Meine Grossmutter gehörte zu dieser Sonderheit. Mit 21 Jahren verliess sie ihr Heimatland Frankreich, zog in die Schweiz, lernte meinen zukünftigen Opa kennen und arbeitete in einem Café. Wenige Monate später reiste sie für einige Monate nach England, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Anschliessend wurde sie zur Filialleiterin des Cafés Silberkugel befördert. Nebenbei schmiss sie den Haushalt und zog drei tolle Kinder auf. Sie kämpfte stets für das, was ihr wichtig war. Eine Eigenschaft, die ich von ihr gelernt habe.

Zur Person

*Siria Berli

*Siria Berli

Siria Berli (19) geht in die Sport-Kanti, ist Captain der Red Boots (vormals FC Aarau Frauen) und Kleinunternehmerin. Sie wohnt in Birrwil.

Eine weitere Powerfrau, zu welcher ich mit grosser Achtung aufschaue, ist meine Mutter. Sie lehrte mich so vieles, dass ich die ganzen 381 Wörter dieser Kolumne über ihre Ratschläge schreiben könnte. Mit den Worten «Es gibt immer eine Lösung» prägte sie mich sehr. Sie lassen mich meine Bedenken und Probleme von einem anderen Blickwinkel anschauen. Daher auch mein Motto «Wo es einen Willen gibt, gibt es auch einen Weg». Dass dafür Kommunikation wichtig ist, wurde mir durch meine drei Geschwister schon früh beigebracht. Eventuell ist das der Grund, wieso ich so gerne rede – auf sowie neben dem Fussballplatz.

Dadurch, dass ich die Jüngste von vier Kindern bin, musste ich mich mit meiner Stimme durchsetzen können. Diese Angewohnheit ist eine wichtige Eigenschaft von mir, welche ich gerne in meinem Alltag anwende. Besonders bei meiner Leidenschaft, dem Fussball. Um im Frauenfussball gehört zu werden, muss man sich hörbar machen. Wie meine Grossmutter früher, kämpfe ich heute gerne für die Dinge, welche mir wichtig sind. Der Frauenfussball gewinnt stets mehr an Aufmerksamkeit und ich bin stolz darauf, mit meiner Stimme einen kleinen Beitrag dazugeben zu können.

Meine Mutter und Oma sind eine grosse Inspiration sowie Motivation für mich und ich hoffe, in Zukunft genau das für Andere sein zu können.