Densbüren

Kollege schuldete früherem Hilfskoch des «Riders» Geld – da kam er auf eine dumme Idee

Im obersten Dorf des Staffeleggtals geschah der Überfall vor zweieinhalb Jahren.

Im obersten Dorf des Staffeleggtals geschah der Überfall vor zweieinhalb Jahren.

Versuchter Raub, Tragen einer Waffe ohne Berechtigung und mehrfache, teilweise versuchte räuberische Erpressung: dafür musste sich der Räuber vom «Riders Pub» am Montag erneut vor dem Aarauer Bezirksgericht verantworten.

Vor zweieinhalb Jahren wurde der damalige Wirt des «Riders Pub» in Densbüren überfallen. Als Robert Zuber das Lokal gegen drei Uhr früh durch die Hintertür verliess, trug er einen Plastiksack mit sich, der die Tageseinnahmen enthielt. Und er war – ausnahmsweise – allein.

Da trat ein Maskierter mit einer Pistole in der Hand an ihn heran und sagte, er müsse keine Angst haben; er wolle nur das Geld. Zuber griff den Maskierten jedoch sofort an und im Gerangel konnte er dem Gegenüber die Pistole entwinden. Der gescheiterte Räuber gab Fersengeld und konnte bald von der Polizei festgenommen werden. Die Pistole entpuppte sich als Schreckschusspistole.

Vor rund einem Jahr wurde der geständige Täter, ein 20-jähriger Schweizer, erstinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Diese wurde zugunsten einer stationären Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben. Damit war der Fall nicht abgeschlossen: Gegen Manuel (Name geändert), einen ehemaligen Hilfskoch des «Riders Pub», war noch ein separates Verfahren im Gang. Am Montag hatte auch er sich vor dem Bezirksgericht Aarau zu verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hielt ihm in der Anklageschrift Mittäterschaft beim versuchten Raub vor. Der 21-jährige Schweizer hatte dem Haupttäter, der Geld brauchte, um seine Schulden bei ihm zu begleichen, als Chauffeur gedient. Ausserdem hatte er von einem Kollegen die Schreckschusspistole ausgeliehen, was ihm auch noch den Vorhalt bescherte, ohne Berechtigung eine Waffe getragen zu haben.

Bei der Befragung durch Gerichtspräsidentin Patricia Berger bestätigte der eher schüchtern wirkende junge Mann den Sachverhalt ohne Umschweife. In der gestrigen Verhandlung erhielt man den Eindruck, dass er damals immer ein wenig die falschen Kollegen hatte und sich von diesen, wenn es kritisch wurde, nicht abgrenzen konnte.

Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft lautete auf eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten und eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Franken, beides bei einer Probezeit von drei Jahren. Ebenfalls beantragt war eine Verbindungsbusse von 3000 Franken.

«Chauffeur» auch bei einer Abrechnung wegen Drogen

Mitberücksichtigt hatte die Anklage dabei, dass der Beschuldigte im Fricktal zwei andern Kollegen ebenfalls als Chauffeur gedient hatte, dreieinhalb Monate nach der «Riders»-Geschichte – und wiederum bei einer eher fragwürdigen Operation.

Einer dieser Kollegen glaubte, bei einem Marihuana-Kauf betrogen worden zu sein, und wollte offenbar mit zwei jugendlichen Kleindealern abrechnen. Was auch immer sich in jener Nacht wirklich abspielte: Die Staatsanwaltschaft wertete das Ganze als mehrfache, teilweise als versuchte räuberische Erpressung. Manuel sah sie auch hier in der Mittäter-Rolle. Gleich wie einen zweiten Beschuldigten, der gestern der gleichen Geschichte wegen vor Gericht stand.

Manuel bestritt, aktiv an der Abrechnung beteiligt gewesen zu sein und Drohungen geäussert zu haben. Urs Lienhard, sein Verteidiger, konnte keine Mittäterschaft erkennen, höchstens eine Gehilfenschaft. Sein Mandant sei deshalb in diesem Punkt von Schuld und Strafe freizusprechen. Im «Riders»-Fall hielt der Verteidiger einen Schuldspruch für richtig. Doch handle es sich, wie auch die Staatsanwaltschaft durchblicken lassen habe, um ein eher geringes Verschulden. Auch habe Robert Zuber dem Beschuldigten verziehen.

Für eine Mittäterschaft und damit gegen eine Gehilfenschaft, so räumte Lienhard ein, sprächen das Insiderwissen seines Mandanten, das Mitführen der Schreckschusspistole und die mit dem Haupttäter eingestandenermassen vereinbarte hälftige Teilung der erhofften Beute. Eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen, wobei 30 Franken angemessen wären, und eine Verbindungsbusse vom 30 Franken genügten. Eine bedingte Freiheitsstrafe brauche es nicht auch noch.

Busse niedriger als von der Anklage beantragt

Die Einzelrichterin folgte bei der rechtlichen Würdigung der Anklage und sprach Manuel schuldig in den Punkten versuchter Raub, Tragen einer Waffe ohne Berechtigung und mehrfache, teilweise versuchte räuberische Erpressung. Sie verurteilte ihn zu einer bedingten 12-monatigen Freiheitsstrafe (8 Monate für die räuberische Erpressung, 4 Monate für den versuchten Raub), zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken (für das Tragen einer Waffe ohne Berechtigung) sowie einer Verbindungsbusse von 1000 Franken. In beiden Fällen ging Patricia Berger von einer Mittäterschaft aus.

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Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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