Aarau

Knorz um die Alte Reithalle: Die Verzögerungen haben Konsequenzen für Nutzer

Das Zirkusfestival «cirqu'» und die Designmesse «in&out» könnten infolge der Verzögerungen rund um die Erneuerungsarbeiten der Alten Reithalle aus Aarau wegziehen.

Mit der zweiten Submissionsbeschwerde ist der anvisierte Eröffnungstermin der Alten Reithalle im Mai 2021 unwahrscheinlich geworden, vom ursprünglich angepeilten Eröffnungsdatum vom Oktober 2020 ganz zu schweigen.

Das hat Konsequenzen für die Nutzer. Beispielsweise für das zehntägige Zirkusfestival «cirqu’» oder die dreitägige Designmesse «in&out». Beide finden seit Jahren in der Alten Reithalle in Aarau statt, «cirqu’» im Juni (regulär alle zwei Jahre), die «in&out» im Oktober.

«Die Idee für das Festival ist in der Reithalle geboren, die einmalige Atmosphäre der Halle hat das alles erst ausgelöst», sagt Roman Müller, künstlerischer Leiter des «cirqu’». 2012 wurde in der Alten Reithalle erstmals zeitgenössischer Zirkus gezeigt, 2015 zum ersten Mal unter dem Format «cirqu’». Die nächste Ausgabe, «cirqu’8», ist im Juni 2021 geplant. «Die Alte Reithalle und ‹cirqu’›; das gehört zusammen», sagt Müller.

Doch eine Eröffnung im Mai, die nun wieder auf wackeligen Beinen steht, und ein Festival im Juni – das passt nicht zusammen. Auch nicht für die Macher von «cirqu’». «Bereits als die erste Submissionsbeschwerde einging, haben wir angefangen, zweigleisig zu denken», sagt Roman Müller.

Schliesslich sei die Programmation der Produktionen eine sehr langfristige Sache. Müller und sein Team wurden fündig: Das Festivalzentrum von «cirqu’8» (11. bis 20. Juni 2021) wird im Schachen aufgebaut, auf dem Zirkusplatz. «Die Aarauer Ortsbürger haben uns nun zugesichert, dass der Platz im Juni für uns reserviert ist», sagt Geschäftsleiterin Madlaina Bundi.

«Ausnahme hat auch etwas Bereicherndes»

«Wir planen ein Zeltfestival», sagt Roman Müller. Das heisst: Im Schachen werden mehrere Produktionen ihre Zelte aufschlagen, grosse und kleine, dazu Zelte für Verpflegung und den Backstagebereich. Ihnen schwebe eine richtige kleine Zeltstadt vor, sagt Müller.

Nach dem anfänglichen Schreck über die Bauverzögerung arbeitet das «cirqu’»-Team nun mit grosser Freude an der achten Ausgabe. «Die Ausnahme vom Gewohnten hat auch etwas Bereicherndes», sagt Roman Müller. Es sei eine reizvolle Aufgabe, das Festival neu zu denken und neue Örtlichkeiten zu suchen. «Die unmittelbare Nähe des Festivals zum Wasser bietet beispielsweise ganz neue Möglichkeiten», sagt Müller. Ihm schwebt eine Produktion vor, welche die Aare bespielt.

Stand heute sei das Festivalprogramm aber erst skizziert, sagt Madlaina Bundi. «Im Verlauf des Jahres wird es konkrete Formen annehmen.» Geplant wird nun mit rund 15 Formationen, die ein grosses, stimmiges Ganzes geben und allen Besuchergruppen ein unvergessliches Erlebnis bieten. In den letzten Jahren haben sich die Besucherzahlen auf zwischen 5000 und 5500 eingependelt.

«Puffer bereits wieder aufgebraucht»

Bereits seit Beginn der Umbauplanung gehen die beiden Macherinnen der Schweizer Designmesse «in&out», Brigitte Hürzeler (aus Schönenwerd) und Maja Baumann (aus Erlinsbach SO) auf Nummer sicher: Sie haben die Rückkehr in die Alte Reithalle erst auf Oktober 2021 angesetzt, auch wenn die Eröffnung ursprünglich im Oktober 2020 geplant war. Doch inzwischen ist auch dieser Puffer aufgebraucht. «Unsere Rückkehr auf 2021 ist bereits wieder ungewiss», so Maja Baumann auf Anfrage.

Wegzug aus Aarau ist nun doch denkbar

Wie bereits 2019 wird auch die «in&out» 2020, die 14. Ausgabe, in der Aeschbachhalle stattfinden, vom 23. bis 25. Oktober. «Der Vertrag ist unter Dach und Fach», sagt Maja Baumann. Nach den Erfahrungen 2019 jedoch mit neuen Spielregeln: Die Messe erhält unter anderem einen zusätzlichen Ausstellungsraum, damit nicht wie letztes Jahr, die Hälfte aller Aussteller vertröstet werden muss. «Auch das Gastronomiekonzept wird massiv verbessert und vereinfacht», so Brigitte Hürzeler.

Die «in&out 2020» wird für die Zukunft der Messe entscheidend sein. «Sie wird zeigen, ob wir weiter in Aarau bleiben können und wollen, in der Aeschbachhalle oder in der neuen Alten Reithalle», so Brigitte Hürzeler. Im Klartext: Sollte die Alte Reithalle im Herbst 2021 nicht fertig sein und die zweite Ausgabe in der Aeschbachhalle im kommenden Herbst nicht den Vorstellungen entsprechen, müssen Brigitte Hürzeler und Maja Baumann über die Bücher.

«Wir haben andere Möglichkeiten gesucht und sind bereits mit Anbietern in Kontakt getreten. Zum Beispiel mit dem Campus Brugg: eine gute Alternative direkt beim Bahnhof, mit praktischer Hallenstruktur und erfahrenem Organisationsteam.»

Nicht, dass die beiden das gerne tun würden. Ein Umzug einer Veranstaltung dieser Grössenordnung (knapp 100 Aussteller und bis zu 5500 Besucher jedes Jahr) ist riskant, zumal es auch nicht der erste wäre.

Auch haben die beiden die Alte Reithalle mehrfach als perfekten Austragungsort für die Designmesse bezeichnet. An dieser Begeisterung habe sich bis heute nichts geändert. «Aber der Fortbestand von ‹in&out› hat für uns absolute Priorität», so Maja Baumann und Brigitte Hürzeler. Auszusetzen sei keine Option.

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