Aarau
Knatsch um Berliner-Fritteuse im Aarauer Bahnhof: Bäckerei muss plötzlich Gesuch einreichen

Eine Bäckerei frittiert in der Aarauer Bahnhofunterführung Berliner, doch der Geruch des Frittieröls stört Passanten. Nun überprüft die Stadt den Standort. Und die Bäckerei musste ein Nutzungsgesuch einreichen. Dafür hat sie wenig Verständnis.

Barbara Vogt
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Ueli Schmid aus Walde beisst mittwochs gerne in einen Berliner.

Ueli Schmid aus Walde beisst mittwochs gerne in einen Berliner.

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Der Duft frittierter Berliner in der Bahnhofpassage Aarau ist von weither zu riechen. «Richtig grusig», sagt ein vorbeieilender Passant aus dem Freiamt und verzieht dabei das Gesicht.

Dieser Gestank verderbe einem den Appetit, findet ein Paar. Ein anderer Mann jedoch lächelt und meint selig: «Das stinkt nicht, das duftet!»

Jeden Mittwoch bereitet die Bäckerei Wälchli aus Rothrist, die beim Aufgang zur WSB eine Filiale betreibt, frische Berliner zu. Das süsse Gebäck wird vor dem Laden in einer Fritteuse ausgebacken und verkauft.

Der Duft nach heissem Fett ist intensiv – so intensiv, dass sich Leute bei der Stadt beschweren. «Wir erhalten regelmässig Mails, in denen Passanten schreiben, wie unerträglich dieser Geschmack ist», sagt André Liniger Leiter der Zentralen Dienste des Stadtbauamts.

Bei warmen Temperaturen sei der Geruch nach frittiertem Fett besonders störend. Liniger sagt, man habe die Fritteuse auch schon verschoben. Jedoch nicht wegen des Geruchs, sondern aus Sicherheitsgründen und weil man den Passantendurchfluss sicherstellen wollte.

Nutzungsgesuch liegt auf

Die Bäckerei Wälchli habe das Recht, die Aussenfläche des Ladens nach ihrem eigenen Gusto zu nutzen, so Liniger. Trotzdem prüft die Stadt, ob die Berliner-Fritteuse im Aussenbereich geruchsverträglich ist oder ob man sie nach innen verlegen könnte.

Die Bäckerei Wälchli musste deshalb für die bestehende Nutzung des Aussenraums ein Nutzungsgesuch einreichen, damit die Stadt die gesetzlichen und sicherheitstechnischen Grundlagen überprüfen kann. Das Gesuch liegt noch bis 14. April auf.

Das Versicherungsamt kontrolliert, wie gefährlich eine Fritteuse in der Bahnhofunterführung ist. «Das heisse Fett könnte beispielsweise in Brand geraten und die Passanten in Panik ausbrechen lassen», sagt André Liniger. Hygienetechnisch sei die Berlinerherstellung in Ordnung, dies habe das kantonale Lebensmittelinspektorat bescheinigt.

Die Bäckerei Wälchli zeigt wenig Verständnis dafür, dass sie ein Nutzungsgesuch einreichen musste. «Es gibt Leute, die neiden uns den Erfolg und machen uns das Leben sauer», ist Geschäftsführerin Ruth Haab überzeugt. Jemand habe der Stadt einen Brief geschrieben und gefragt, was passiere, wenn die Fritteuse brenne. «Dieser löste das ganze Verfahren aus.»

Die Fritteuse stosse wenig Rauch oder Dampf aus. Auch habe die Bäckerei extra das Fett zum Frittieren gewechselt, sagt Haab. Über den Geschmack der frittierten Berliner lässt sich streiten, meint Haab.

«Jedes Gebäck hat seinen eigenen Geschmack. Wenn man Zöpfe backt, schmeckt es nach Zöpfen, wenn man Berliner frittiert, schmeckt es nach Berliner.» Überall, wo die Bäckerei mit ihrer Berliner-Fritteuse auftauche, sei diese eine Attraktion.

Ruth Haab sagt, dass die Bäckerei Wälchli ihre Filiale in der Bahnhofunterführung auf alle Fälle behalten wolle. «Sie ist gut besucht, zudem bieten wir acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Arbeitsplatz.» Am Mittwoch kämen viele Passanten her, um zu sehen, wie die Berliner frittiert würden.

Richtig, sagt ein Passant: «Ich liebe diese Berliner.»

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