Das dominierende Thema am diesjährigen Medienfrühstück der Hirslanden-Klinik Aarau war nicht etwa die neue Spitalfinanzierung. Der Übergang zur diagnosebasierten Patientenvergütung (Fallpauschale) sei «grundsätzlich gelungen», sagte Klinikdirektor Philipp Keller am Mittwoch. Das «Schreckgespenst der blutigen Entlassung» von Patienten, die ihr Spitalbett möglichst schnell freigeben müssen, sei unbegründet, so Keller. Er ist trotzdem froh, dass 2011 die durchschnittliche Liegedauer der 8644 stationären Patienten (+1,7Prozent) nochmals leicht zurückging, auf 5,5 Tage.

Leistungsauftrag verloren

Was die Privatklinik Hirslanden umtreibt, ist die Viszeralchirurgie, also die operative Behandlung der Bauchorgane. Hirslanden Aarau hat hierfür den kantonalen Leistungsauftrag per 2012 verloren. Das heisst, wer nicht zusatzversichert ist, müsste mindestens 55 Prozent der Spitalkosten selber tragen. Auf der Spitalliste für hoch spezialisierte Viszeralchirurgie sind die Kantonsspitäler Aarau und Baden. Hier kommt der Kanton für den Kostenanteil auf, der nicht durch die Grundversicherung gedeckt ist.

Hirslanden Aarau wehrt sich vor Bundesverwaltungsgericht, um für Eingriffe bei Leber-, Enddarm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs Listenspital zu bleiben. Auf diese wolle man sich konzentrieren. Die beiden Spezialisten Andreas Schmid und Jürgen Leinweber nehmen für sich in Anspruch, viel Erfahrung mit solch komplizierten Operationen zu haben.

Dies zeigten auch die Patientenzahlen. Von den (aufs Jahr hochgerechnet) 75 Enddarm-Operationen im Kanton Aargau führt Hirslanden deren 32 durch. 20 Fälle sind das Minimum für einen Listenplatz. «Wir erreichen die vom Kanton geforderten Fallzahlen in der hoch spezialisierten Medizin», sagte Schmid. Der Kanton habe seinen Vergabeentscheid aufgrund der Zahlen von 2009 gefällt, die viel tiefer lagen.

Spezialisierung ist Strategie

Das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) bestätigt den Erhebungszeitpunkt. «Dieser war aus Gründen der Gleichbehandlung für alle Spitäler identisch», sagt Kommunikationschef Balz Bruder. Vor drei Jahren habe es die «grosse» Viszeralchirurgie in der Hirslanden-Klinik noch nicht gegeben. Das DGS wisse um die inzwischen «erheblichen» Fallzahlen.

Die Hirslanden-Beschwerde ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich die Klinik laut Keller «künftig noch vermehrt auf die spezialisierten Bereiche konzentrieren» will, auch auf Urologie, Herzchirurgie, Kardiologie und Radiotherapie. Keller strebt an, 2015 mit allen Fachgebieten auf der Spitalliste vertreten zu sein: «Wir sind ein wichtiger Teil der Aargauer Spitallandschaft, auch als Arbeitgeber.» Hirslanden Aarau beschäftigt 700 Mitarbeiter und investierte in den letzten zehn Jahren 100 Mio. Franken in Klinikausbauten.

Weil die Beschwerde aufschiebende Wirkung hat, bleibt Hirslanden bis zum Bundesgerichtsentscheid auf der Spitalliste für Viszeralchirurgie. Für grundversicherte Patienten ändert sich vorerst also nichts.