Herr Pallas, Sie bezeichnen sich als eine der schweizweit führenden Klinikgruppen. Was heisst das konkret?

Georgos Pallas: Im Gegensatz zu anderen privaten Spitalketten sind wir eine Klinikgruppe mit Spezialgebieten: Wir haben uns auf Augen, Haut, Venen und Schönheit spezialisiert. In diesen Bereichen sind wir schweizweit führend.

In Zahlen?

Im Augenbereich haben wir heute über 50 Ärzte und über 150 000 Patientenkontakte pro Jahr. Die ganze Gruppe hat etwa 500 Angestellte.

Der Umsatz?

Wir sind ein Familienunternehmen, das keine derartigen Zahlen publiziert.

Wie ist die Pallas-Gruppe letztes Jahr gewachsen?

Wir haben in den vergangenen vier Jahren etwa 40 Millionen in neue Geräte und Standorte investiert. Auch 2016 konnten wir Standorte eröffnen. Etwa in Affoltern am Albis und in Zumikon. Was uns Sorgen bereitet, sind die Entwicklungen auf dem Tarifgebiet. Der ambulante Tarif Tarmed wird überarbeitet – und wir wissen nicht, wohin der Weg geht. Wir begegnen dieser Entwicklung, indem wir unsere Prozesse optimieren.

Das heisst?

In gewissen Bereichen der Medizin gilt vereinfacht gesagt: Hohe Fallzahlen = bessere Qualität = Kosteneffizienz. Das erreichen wir mit Spezialisierung auf bestimmte Fachgebiete und Wachstum.

Wird die Entwicklung der Pallas-Gruppe durch das schweizerische Gesundheitssystem gehemmt?

Das würde ich so nicht sagen. Aber die Herausforderung besteht darin, dass jeder Kanton seine eigene Gesetzgebung hat. Da wir in fünf Kantonen tätig sind, wäre eine Vereinfachung der Abläufe für uns und für unsere Patienten wünschenswert.

Werden Innovationen zu wenig belohnt?

Volkswirtschaftlich gesehen hat es im Gesundheitswesen viele Fehlanreize. So sind die Spitaltarife in gewissen Gebieten immer noch kostenorientiert. Wenn man mit Innovationen Kosten reduzieren kann, wird man eher bestraft als belohnt. Ein Beispiel: Medizinprodukte dürfen wir dem Patienten zum Einkaufspreis plus zehn Prozent abgeben. Wenn wir durch geschickten Einkauf den Preis halbieren, bekommen wir auch weniger von den zehn Prozent. Das hemmt Effizienzinnovationen – wir machen es aber trotzdem.

Wie gross ist der Anteil der ambulanten Patienten bei Pallas?

Der Trend weist deutlich auf eine Zunahme der ambulanten Operationen hin. Wir haben bereits heute weit über 80 Prozent ambulante Eingriffe.

Was sind die häufigsten Eingriffe, die die Pallas Klinik durchführt?

Verschiedene Augeneingriffe. Etwa Katarakte, Intravitreale Injektionen oder Netzhautoperationen.

Wie ist gross die Bedeutung des Laserns?

Die meisten unserer Patienten haben ein medizinisches Problem. Das ist bei den Laser-Kunden nicht der Fall. Hier geht es um den Wunsch, mit refraktiver Chirurgie, welche die Gesamtbrechkraft des Auges verändert, die Brille oder die Kontaktlinsen loszuwerden. Wir sind in der Laserchirurgie Marktführer in der Schweiz, erzielen damit aber nur etwa drei bis vier Prozent unseres Umsatzes.

Sie sind auch in der ästhetischen Dermatologie sowie in der plastischen und ästhetischen Chirurgie tätig. Was sind da die Trends?

Es gibt viele, die irgendwann mit ihrem Aussehen unzufrieden sind, sei dies wegen des Alterungsprozesses oder aus anderen Gründen. Es ist ein grosses Bedürfnis, wieder frischer auszusehen. Die Leute wollen sich wohler fühlen in ihrem Körper. Es geht um Lebensqualität, nicht um medizinische Gesundheit. Der Trend ist eindeutig: Die kleineren, nicht so stark invasiven Verfahren werden immer beliebter.

Die werden von den Krankenkassen bezahlt?

Nein, das ist sehr selten der Fall. Etwa wenn das Augenlid derart weit hinunterfällt, dass das Gesichtsfeld des Patienten eingeschränkt ist.

Sind Schönheitsoperationen ein besonders gutes Geschäft?

In der öffentlichen Wahrnehmung gilt der Schönheitsbereich als hoch lukrativ. Das stimmt so nicht. Unsere plastischen Chirurgen sind täglich herausgefordert, nicht nur herausragende Leistungen zu erbringen, sondern dies auch zu wettbewerbs-fähigen Preisen. Nur ganz wenige Kliniken in diesem Bereich verdienen Geld.

Der Start der Pallas-Gruppe im Aargau im Jahr 2012 war turbulent. Wie hat sich die die Klinik in Aarau entwickelt?

Sehr gut. Wir beschäftigen dort heute um die 30 Personen – und haben bereits jetzt zu wenig Platz und suchen nach einer Lösung.

Welches ist Ihr grösster Standort?

Das ist nach wie vor unser Hauptsitz in Olten, auch wenn dessen Bedeutung mit jedem weiteren neuen Standort etwas abnimmt. Auf etwa 7000 Quadratmeter Fläche arbeiten über 300 Personen. Wir haben auch hier zu wenig Platz. Wir eruieren, wie wir das räumliche Problem lösen könnten.

Planen Sie für dieses Jahr Neueröffnungen?

Unsere Strategie ist es, weiter zu wachsen. Aber das ist aus politischen Gründen nicht ganz einfach. Zum Glück kennen nicht alle Kantone Zulassungsstopps für Ärzte. Der Kanton Aargau war bis diese Woche ein progressiver, toleranter Kanton. Er hatte keinen Zulassungsstopp.

Im Gegensatz zu Ihrem Vater sind Sie nicht Arzt, sondern Ökonom. Die Pallas-Kliniken müssen hochrentabel sein?

Eine Klinik ist immer im Sandwich zwischen den vom Staat vorgegebenen Tarifen und dem absolut grössten Kostenblock, den Personalkosten. Als Unternehmer ist es mir wichtig, dass die Klinik langfristig sichere Arbeitsplätze anbieten kann. Damit wir investieren können, müssen wir Geld verdienen. Wir sind profitabel, aber in einem vernünftigen Ausmass.

Wie wichtig ist das Personal, das aus dem Ausland stammt?

Es ist enorm wichtig. Die Schweiz bildet viel zu wenig Ärzte aus. Wir haben aber immerhin noch das Glück, dass unser Land so attraktiv ist, dass wir im Ausland rekrutieren können. Die schwierigste Aufgabe eines Klinikchefs ist es, die besten Ärzte zu finden. Wir überlegen uns täglich, was wir tun müssen, damit wir diesen Fachkräften gute Arbeitsplätze bieten können.

Und Sie werden dabei von aussen gestört ...

Das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative war für uns nicht unproblematisch. Nach der Abstimmung konnte die Pallas-Gruppe viele gute Fachkräfte nicht anstellen – trotz positiven Vorgesprächen. Die Ärzte fragten sich: Wollen wir in ein Land, das solche Entscheide fällt. Wollen wir in ein Land, in dem wir das Gefühl haben, nicht willkommen zu sein. Das ist auch drei Jahre nach der Abstimmung immer noch ein Thema.

Die Hirslanden Gruppe ist nach Südafrika verkauft worden. Haben Sie auch schon Übernahmeangebote bekommen?

Ja, aber wir wollen nicht verkaufen. Wir möchten ein Familienunternehmen bleiben.

Denken Sie selber daran, Übernahmen zu tätigen?

Selbstverständlich haben wir die Augen immer offen für interessante Optionen.

Als erste Schweizer Privatklinik erhielt die Pallas-Gruppe im Bereich Augenheilkunde den Status einer Ausbildungs-Klinik. Das ist sonst vor allem den Uni-Kliniken vorbehalten. Was bilden Sie konkret aus?

Den Ausbildungsstatus pflegen wir vornehmlich im Bereich Augen. Wir haben 15 Assistenzärzte. Sie werden zu Fachärzten Augenheilkunde ausgebildet. Wir bilden aber auch Fachärzte zu Ophthalmochirurgen aus.

Wenn Sie als Chef eines Gesundheitsunternehmens einen Wunsch an die Politik offen hätten, was wäre das?

Der Kanton Aargau hat ja, wie bereits erwähnt, den Zulassungsstopp eingeführt, was niemand von uns vorhersehen konnte. Nun müssen wir unsere Strategie wieder anpassen. Solche Veränderungen gibt es im Gesundheitswesen immer wieder. Schön wäre es, wenn unser Geschäft etwas planbarer würde und politische Entscheide früher erkennbar wären.

Sie sind wie Ihr Vater nicht gerade mit Haaren gesegnet. Sind die Pallas-Kliniken darum in der Eigenhaartransplantation tätig?

Natürlich nicht ... Ich wollte eine Transplantation machen. Aber unser Experte hat mir gesagt, ich hätte hinten am Haarkranz zu wenig Haare, es reiche nicht für meine Riesenglatze. Kürzlich hat er mir allerdings erklärt, es gäbe neue Verfahren – ich muss nochmals mit ihm sprechen.