Wäre unter den schattigen Bäumen auf der Kraftwerksinsel ein Wildschwein über dem offenen Feuer gebraten worden, hätte man sich gut an einem gallischen Fest wähnen können. Die Besucher am diesjährigen «Troubadix»-Festival begnügten sich jedoch mit Fruchtshakes und Crêpes und wohl auch der einen oder anderen Köstlichkeit aus dem von zu Hause mitgebrachten Tupperware.

Demokratische Entscheidung

Diese praktische Erfindung besang der diesjährige Sieger des Liedermacher-Festivals, Mirco Schifferle. Seines sei immer gut gefüllt und begleite ihn überall mit hin – zur Zwischenverpflegung oder auch, um bei der Grossmutter Reste mitzunehmen. Mit seinem Sieg holt Schifferle das Festival im kommenden Jahr an seinen Wohnort Rekingen.

Bis der Sieger aber bekannt war, trugen am Pfingstsonntag zwei Dutzend Liedermacher ihre Werke vor, darunter sechs Aarauer. Aus drei Vorrunden-Blöcken kamen jeweils die besten zwei ins Finale. Darüber entschieden wurde schweizerisch demokratisch. Das Publikum durfte Bohnen an die Künstler verteilen, wer zum Schluss am meisten in seinem Becher hatte, kam weiter. Auch der Sieger wurde so bestimmt. Dabei hatten die Besucher die Qual der Wahl zwischen ganz unterschiedlichen Stücken, vom fetzigen Rock, bis zur langsamen Ballade. Gemeinsam hatten die Lieder aber alle, dass die Sänger in den Liedern über das Leben sinnierten.

So zum Beispiel Simon de Roche, der über gute Tage sang. Sein Text passte hervorragend zum heissen Pfingstsonntag. «Sunneschiin uf em Wasser, es glitzered nur für mich», sang er vor dem Mikrofon auf der improvisierten Bühne. Und seine Beo-bachtung von der Spiegelung im Brunnen und auf dem See hätte ebenso für die Aare gegolten, die neben dem Festival vorbeifloss. In seinem Text betonte er, dass es natürlich auch Tage gebe, an denen es regne, dass es aber darauf an käme, was man daraus mache.

Aarauer verpasste knapp den Sieg

Auch Aron John, der unter dem Künstlernamen «Call me John» auftrat, griff in seinem Liedtext den herrlichen Sommertag auf: «Es isch immer schön, wenns schön isch.» Zugleich philosophierte er aber über die zurückhaltende Art der Schweizer: «Es isch wies isch. Zwüsched de Ziile seits de Schwiizer, im subtile. Was klar isch mus mer nöd begründe.» Mit seinem Lied «Unbegründet» musste sich der Aarauer im Finale mit dem zweiten Platz zufrieden geben, wobei die Entscheidung äusserst knapp ausfiel.

Eigentlich schade, denn hätte er gewonnen, wäre das Festival ein weiteres Mal in Aarau durchgeführt worden. Vielleicht sogar wieder am selben lauschigen Plätzchen auf der Kraftwerksinsel, obwohl es fürs diesjährige «Troubadix»-Festival laut IBAarau eine einmalige Ausnahme war (s. Kasten). Die Besucher jedenfalls genossen am Sonntag auf Decken unter den Bäumen das Festival, liessen sich von den Liedern berieseln und überhitzte Gemüter konnten sich am Aarestrand abkühlen.