Aarau
Kleiderladen stellt Dieb auf Facebook an den Pranger

Der Rolling-Rock-Shop in Aarau hat ein Foto eines Langfingers veröffentlicht und will damit weitere Diebe abschrecken. Probleme mit dem Datenschutz sieht Mitinhaber Simon Eichenberger keine.

Thomas Röthlin
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«Diebstahl ist uncool!», steht seit letztem Donnerstag auf der FacebookGemeinschaftsseite des Aarauer Sports- & Streatwear-Shop Rolling Rock. Am Tag zuvor war der Laden
an der Rathausgasse zum wiederholten Mal innerhalb weniger Wochen beklaut worden. Diesmal erwischte man den Dieb in flagranti.

Danach machte Geschäftsführer Patrick Studer vom jungen Mann ein Foto – und ein zweites, als dieser von Polizisten abgeführt wurde. Die Bilder stehen heute auf der Facebook-Pinnwand, versehen mit der Warnung: «Wenn du lange Finger hast, geht es dir so wie deinem Kollegen. Wir weisen dich darauf hin, dass wir jeden Diebstahl der Polizei melden. Zudem erstatten wir Anzeige und veröffentlichen dein Bild auf unserer Facebook-Fanpage.»

Auf mögliche Probleme mit dem Datenschutz angesprochen, sagt Rolling-Rock-Gründer und -Mitinhaber Simon Eichenberger: «Warum sollen Diebe mehr Rechte haben?» Der Bürger ertrage es langsam nicht mehr, dass sich «dreiste Betrüger durch juristische Winkelzüge» aus der Affäre ziehen könnten. Zudem gebe es «nichts Hinterhältigeres», als in einem «mit viel Idealismus» aufgebauten Geschäft etwas mitgehen zu lassen.

«Händr rechtig gmacht!»

Eichenbergers Meinung sind auch die zahlreichen Rolling-Rock-Fans, die den Facebook-Eintrag online kommentieren. Hier steht nicht nur Harmloses wie «haha» oder «wa het er gno?». – «Bust this MoFo» («Lasst diesen Scheisskerl hochgehen»), schreibt R. «Söll ich ehn usneah!!! 7Johr Kickbox!!!», bietet J. an. «Händr rechtig gmacht! Wiiter so, Jungs!!», meint P. «Fantastisch!», findet T. Dutzende klickten beim Diebstahl-Eintrag auf «Gefällt mir».

Wenig Gefallen, aber «viel Verständnis für den Frust» der Ladeninhaber zeigt der Infochef des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, Kosmas Tsiraktsopoulos. Der Bundesbeamte warnt davor, Selbstjustiz auszuüben: «Sobald die Behörden eingeschritten sind, ist das ihr Job.» Studer verfolgte den Dieb durch die Altstadt, nachdem ihm aufgefallen war, dass Kleidungsstücke fehlten. Er stellte ihn und liess die Polizei kommen. Weil der Wert der gestohlenen Ware mehr als 300Franken beträgt, handelt es sich um ein Offizialdelikt, bei dem eine Strafanzeige obligatorisch ist.

Der Dieb könnte klagen

Unabhängig davon, ob der Verdächtige verurteilt wird, könnte dieser Zivilklage wegen Verletzung seiner Privatsphäre einreichen, sagt Tsiraktsopoulos. Auch die Anonymisierung mittels schwarzem Balken über den Augen des Täters sei «fragwürdig», die Erkennbarkeit durchaus möglich. Der Experte rät von solchen «Zurschaustellungen», zu denen das soziale Netzwerk Facebook geradezu einlade, dringend ab.

Die Rolling-Rock-Geschäftspartner stehen zu ihrer Aktion. «Wir wollen ein Zeichen setzen», sagt Patrick Studer und hofft auf eine abschreckende Wirkung. Sonst werde die Klauerei «irgendwann zu einem Fass ohne Boden».