Die IBAarau zündet eine neue Stufe ihres 100 Millionen Franken teuren Fernwärmeprojektes, welches in wenigen Jahren rund einen Viertel des städtischen Wärmeverbrauchs auf erneuerbare und CO2-freie Energie umstellen soll. Auf der Stadtverwaltung Aarau liegt das Baugesuch für die «Energiezentrale Wärme-/Kälteverbund Telli» auf.

Die voll ausgebaut rund 20 Millionen Franken teure Anlage wird auf eine Parzelle an der Neumattstrasse in unmittelbarer Nachbarschaft der Kläranlage (ARA) zu stehen kommen. Auf ein Grundstück, auf dem im Moment Kies zwischengelagert wird. In der Energiezentrale Telli soll später auch das in der ARA anfallende Biogas so aufbereitet werden, dass es ins Gasnetz eingespeist werden kann.

Ähnlich, wie das die IBAarau bereits heute in Reinach tut. Zurzeit wird mit dem Aarauer Biogas noch Strom hergestellt. Doch das wird nicht mehr unendlich lange möglich sein, weil die entsprechenden Subventionsverträge auslaufen und danach voraussichtlich nicht erneuert werden können.

«In der Energiezentrale Telli werden wir hohe Synergien mit der Kläranlage haben», erklärt IBAarau-CEO Hans-Kaspar Scherrer. Nicht nur wegen der Biogas-Veredlung, sondern auch wegen der Wärmequelle: Die Wärme wird nicht dem Grundwasser sondern dem gereinigten, im Winter leicht wärmeren ARA-Abwasser entzogen.

Für die Kälteversorgung wird eine neue Leitung von der Energiezentrale Torfeld ins Telli-Quartier gelegt und bei Bedarf weitere Grundwasser-Wärmepumpen in der Energiezentrale Telli installiert. Die Fernkälte wird aus Aare-Grundwasser erzeugt.

Fernwärme hat in der Schweiz einen eher schwierigen Stand. Nicht so in Aarau. Die Stimmbürger haben an der Urne beschlossen, zur Erreichung des Fernziels 2000-Watt-Gesellschaft ein Fernwärmenetz basierend auf Grundwasser– und Abwärmenutzung aufzubauen.

Die ursprünglichen Pläne haben einige Modifikationen erfahren: Im Schachen ist neu keine Energiezentrale mehr notwendig. Das hängt damit zusammen, dass die IBAarau im Dezember die Wärmeversorgung des Kantonsspitals (KSA) übernommen hat (die az berichtete). Neu kann auch Fernwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage Buchs (KVA) ins Aarauer Netz eingespeist werden. Es genügt deshalb die Leitung aus dem Verbund Torfeld in den Schachen zu verlängern.

Der angedachte, auf Holzverbrennung basierende Wärmeverbund Goldern war wirtschaftlich nicht tragbar und hätte zu nicht marktfähigen Wärmepreisen geführt. Das Projekt wurde deshalb abgeändert. Die Quartiere Goldern und Binzenhof werden nun von der Energiezentrale des KSA aus mit Fernwärme von der KVA Buchs oder der Energiezentrale Torfeld redundant versorgt.

Auf Stadtgebiet wird die IBAarau also künftig drei Energiezentralen betreiben: Kasinopark (unteririsch, realisiert), Torfeld Nord (realisiert) und Telli (im Bewilligungsverfahren). Die IBAarau hat jetzt bereits 60 der geplanten 100 Millionen Franken verbaut. Der Kasino-Verbund ist seit Ende 2014 in Betrieb. «In diesem Perimeter haben wir bereits zwei Drittel der vollen Auslastung erreicht», erklärt CEO Scherrer.

Mit Wärme und Kälte beliefert werden etwa der City-Märt, das Hotel Kettenbrücke, die Alte Kantonsschule, die Banken UBS und NAB. Auf Letztere ist Scherrer besonders stolz, weil sie im Ruf stehen, bei der Immobilien-Bewirtschaftung ganz speziell auf Effizienz und Umweltaspekte zu achten.

In den Wärme-/Kälteverbund Torfeld, ihren grössten, hat die IBAarau bisher gut 30 Millionen Franken investiert. «Wir sind auch hier erfolgreich unterwegs», erklärt Hans-Kaspar Scherrer. So gibt es erste Bezüger: Etwa Gastro Social (das neue Hochhaus), das Spital (benötigt speziell viel Kälte), das Aeschbachareal. Gesichert sind zudem der Anschluss des Swissgrid-Komplexes (Büros und Wohnen), der neue und der bestehende Bau des Bahnhofs Aarau sowie der Neubau der IBAarau an der Unteren Torfeldstrasse.

Für Scherrer ist klar: «Es braucht etwas Geduld. Es wird um die zehn Jahre dauern, bis die ganze Kapazität ausgeschöpft ist. Viele Immobilienbesitzer können nicht einfach von heute auf morgen auf Fernwärme umstellen. Zudem benötigt der Neubau der Quartiere Torfeld Süd mit dem Fussballstadion wie auch die Entwicklung Torfeld Nord noch etwas Zeit.»