Vor dem Gemeinschaftszentrum Telli in Aarau herrscht an diesem Morgen ein grosses Gedränge: Mütter, Väter, Grosseltern, Kinder, Neugierige. Mit leeren Einkaufstaschen bepackt, warten sie vor dem Eingang. In wenigen Minuten öffnet die diesjährige Herbstkinderkleiderbörse des Elternvereins Aarau.

Die Tür geht auf. Die Masse strömt hinein und drängt sich zwischen den zahlreichen Kleiderständern und Tischen hindurch. Mittendrin steht Marianne Peter. Gemeinsam mit vier weiteren Verantwortlichen sowie über 50 Helferinnen des Elternvereins und des gemeinnützigen Frauenvereins kümmert sie sich um einen reibungslosen Ablauf.

«Noch nie haben die Leute so viele Kleider gebracht», sagt Peter. Während der Annahme, die am Tag zuvor stattgefunden hat, sei man regelrecht mit Kleidern «überhäuft worden». Obwohl nur einwandfreie und saubere Waren angenommen wurden, ist das Angebot an Kinderkleider grösser denn je.

Auch die Nachfrage ist gross, wie der Blick auf die Menschenmenge zeigt. «Winterjacken», «Gilets», «Regenkleider», «Hemden», «Jäggli» steht auf verschiedenen Schildchen an den Kleiderständern geschrieben. Junge, Ältere, Einheimische und ausländische Mitbürger wühlen sich durch die Waren. Akribisch werden die Kleider betrachtet, wieder zurück oder in die Einkaufstasche gelegt. Die Luft im Raum des GZ wird stickig.

Ein Umdenken findet statt

Die Zeiten, in denen Kinderkleiderbörsen als schmuddelig galten und nur von bedürftigen Menschen aufgesucht wurden, sind vorbei. Davon ist Marianne Peter überzeugt. «In den letzten Jahren hat ein Umdenken stattgefunden», sagt die Verantwortliche.

Nebst dem finanziellen Aspekt rücke in der Gesellschaft zunehmend der ökologische Fussabdruck in den Vordergrund. Statt billiger Ramschware, die in wenigen Monaten ausleiert und ersetzt werden muss, wird auf Kleidung aus zweiter Hand gesetzt, die kostengünstig und doch von Qualität ist.

Dass die Kinderkleiderbörse sichtbar Anklang findet, führt Marianne Peter auch auf ihre Werbung zurück. Im Gegensatz zu früher werde vermehrt mit Flugblättern auf die Börse aufmerksam gemacht und versucht, alle Aarauer Quartiere anzuschreiben.

Auch die Tatsache, dass 80 Prozent des Verkaufspreises zurück an die Person fliessen, die Kleidung oder Spielwaren zur Annahme gebracht hat, habe einen Einfluss auf die Beliebtheit der Börse. «Mit den restlichen 20 Prozent decken wir die Unkosten, die Miete für das Gemeinschaftszentrum beispielsweise», sagt die Mutter zweier Kinder. Was übrig bleibt, wird gespendet.

Weniger hektisch geht es an diesem Morgen in der Kaffeestube der Kinderkleiderbörse zu und her. Kundin Katrin Walker setzt sich an einen Tisch. «Ich musste kurz eine Pause einlegen. Das war mir zu anstrengend vorhin», sagt sie, während das acht Tage alte Söhnchen im Tragetuch friedlich schläft. Für weniger als 50 Franken hat sie Bücher, Spielsachen und CDs eingekauft.

Walker besucht regelmässig Kinderkleiderbörsen und kauft mit Überzeugung ein. Dass vorhandene Kleidungsstücke umverteilt und dabei keine neuen Ressourcen verbraucht werden, ist ihr besonders wichtig. «Neue Kleider kaufe ich prinzipiell keine», sagt sie.

Zudem, so die dreifache Mutter, würde bereits mehrmals gewaschene Kleidung im Gegensatz zu neuer keine Giftstoffe mehr enthalten. Kinderkleider über Internetplattformen zu beziehen, sei für sie keine Option. «Mich stört es, dass ich die Waren nicht anfassen kann», sagt Katrin Walker.

Nach rund einer Stunde hat sich der Ansturm in der Kleiderabteilung gelegt. Die Kundin macht sich auf die Suche nach einer Winterjacke für ihr Neugeborenes. Bei der Börse im Frühling hat der Elternverein für rund 7500 Franken Kinderkleider und Spielsachen verkauft, diesmal waren es rund 9000.