Der Knirps reckt den Kopf und schaut zum Gebäude. «Hat es überhaupt Handwerker auf der Baustelle?», fragt er argwöhnisch und schiebt die in die Augen gerutschte Kappe nach hinten. «Ich höre ja gar keinen Lärm.»

Natürlich wird hier auf der Baustelle des neuen Kindergartens Aare Nord gearbeitet. Und wie. Der Innenausbau ist in vollem Gang, noch vor den Sommerferien wird der Bau fertig sein. Am Donnerstag durften die drei Kindergartenklassen aus dem Scheibenschachen-Quartier nacheinander den neuen Kindergarten besichtigen und Urs Rölli vom Luzerner Architekturbüro ARGE MAI/enorm32 mit Fragen löchern.

Gefragt sind Lärm und ein Bagger

Noch gibt es auf der Baustelle hohe Schwellen und Gerüststangen, am Boden liegen Kabel, Leisten, Rohre, Farbkübel und Leitern im Weg. Da kann man nicht einfach herumstaunen, da muss man auch vor die Füsse gucken. «Isch das es Puff», sagt ein Mädchen fassungslos und staunt dem Maler hinterher, der mit einer Rolle Kork vorbeimarschiert.

Urs Rölli führt die Kinder durch ihr neues Reich – und wird mit einer musikalischen Einlage belohnt.

Urs Rölli führt die Kinder durch ihr neues Reich – und wird mit einer musikalischen Einlage belohnt.

«Er klebt den Kork an die Wand, damit ihr da später eure Zeichnungen oder den Stundenplan mit Nadeln aufhängen könnt», erklärt Rölli und zeigt durch die grossen Fenster, wo der asphaltierte Pausenplatzbereich sein wird und wo der Spielplatz mit Rutschbahn, Schaukel, Brunnen und Sandkasten hinkommt. Aber das interessiert die Kinder mässig. Sie wollen Lärm und einen Bagger.

«Ich will eine Maschine, die ganz laut ist», sagt ein Bub und kaut auf seinem Jackenärmel. Als sich im Hintergrund eine Säge kreischend durchs Metall frisst, fliegen die Funken und die Augen der Kinder glänzen. Aber laut genug ist es dem Kleinen noch nicht. «Es muss so laut sein, dass die Ohren kaputt gehen.»

Keine Scheu

Die Kinder kennen keine Scheu in der fremden Umgebung, singen den Bauarbeitern sogar ein eigens einstudiertes Baustellenlied. Und schon gar nicht zögern sie, Fragen zu stellen: Was denn das für blaue Schläuche seien, will einer der Buben wissen. Das seien die Röhren für die Stromkabel, sagt Rölli. «So viele? Das sind ja mehr als tausend!». Und die silbrigen Rohre daneben? «Die bringen frische Luft in die Räume.»

Und wozu ist das grosse Dachfenster? «Damit ihr in den Himmel schauen könnt», sagt Rölli. Ein Bub schüttelt verständnislos den Kopf und murmelt: «Der Himmel ist ja schon schön, aber langweilig.» Ja, Kinder können schonungslos ehrlich sein. So, wie das Mädchen, das kaum im Raum steht und sagt: «Hier sieht es aus wie im alten Kindsgi.» Rölli geht in die Offensive: «Jetzt habe ich mir doch solche Mühe gegeben, dass der neue Kindergarten besser aussieht als der Alte.»

Kuchen für die Arbeiter

Wieder draussen im Schneetreiben finden die Kinder dann doch, dass die Männer es gut gemacht haben. Es gefällt ihnen, sagen sie. Die grossen Kindergärtler finden es ein bisschen schade, dass sie hier nicht mehr in den Kindsgi gehen dürfen. Aber nur ein bisschen, denn Schule sei toll. Dann marschieren sie los. Und für die Bauarbeiter gibt es Kuchen, den die zweite Kindergartenklasse gebacken hat – in der Form von Fernsehfigur «Bob der Baumeister».

Beim Kindergarten-Ersatzbau Aare Nord laufen die Arbeiten für den Innenausbau. Die Gebäudehülle, grösstenteils aus Sichtbeton, wird im Eingangsbereich noch mit einer Holzfassade ergänzt. Ebenso wird der Pausenplatzbereich entlang des Gebäudes noch gedeckt. Laut Architekt Urs Rölli hat man hier bewusst den Pavillon-Look der benachbarten Schulhausanlage aufgegriffen. Die Bauarbeiten liegen laut Sebastian Busse, Leiter der Sektion Hochbau der Stadt, genau im Zeitplan. «Der Neubau kann noch vor den Sommerferien bezogen werden.» Auch der Baukredit von 3,9 Millionen Franken könne eingehalten werden, so Busse. Gegen den Kredit-Beschluss des Einwohnerrates war im Februar 2015 das Referendum ergriffen worden, das mangels Unterschriften aber scheiterte.