Sithun weiss nun, wie man eine Schere richtig hält und ist darüber ganz schön stolz. Der vierjährige Bub hat vergangene Woche mit seinem Vater den Kurs «Bereit für den Kindergarten» abgeschlossen. Mit dem Pilotprojekt geht das Gemeinschaftszentrum Telli in der Frühförderung neue Wege. Kinder, die im August neu in den Telli-Kindergarten eintreten, können sich erstmals in einem speziellen Kurs darauf vorbereiten.

Mit dieser Massnahme will das Gemeinschaftszentrum ein Problem lösen: Viele Buben und Mädchen in der Telli haben bereits im Kindergarten Mühe mitzuhalten. Das berichten Lehrpersonen. Grund sind vor allem Sprachprobleme, denn 70 bis 90 Prozent der Telli-Kinder haben ausländische Eltern.

Im Kindergarten mangelt es vielen Kindern an Sozialkompetenz, sich in der Gruppe zu integrieren. Oft wissen neue Kindergärtler zudem nicht, wie man eine Schere richtig hält. Oder sie haben Schwierigkeiten, sich länger Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren. In mühsamer Arbeit muss so im Kindergarten Verpasstes aufgeholt werden, um die Kinder für den Übertritt in die erste Klasse fit zu machen.

Kinder lernen Regeln kennen

Der Vorbereitungskurs soll nun den Einstieg in den Kindergarten erleichtern und bestehende schulische Unterstützung sowie Angebote des Gemeinschaftszentrums ergänzen. In 15 Kursteilen lernen die drei- bis vierjährigen Mädchen und Buben neue Regeln, sie kneten Figuren, malen mit Stiften und übernehmen in der Gruppe einfache Aufgaben.

«Es ist nicht Ziel, alles perfekt zu können», erklärt Nadja Kistler, die mit Hans Bischofberger vom Telli-Gemeinschaftszentrum das Projekt leitet. Es gehe ums Spielen und das Experimentieren mit Materialien. «Der Kurs ist eine spielerische Vorbereitung auf den Kindergarten.»

Unterstützung erhalten im Kurs auch die Eltern. Diese werden eng ins Projekt eingebunden, um ihr Kind optimal begleiten zu können. Jedes Kind erhält dazu einen «Bildungskoffer» mit Spiel- und Bastelmaterial, das Zuhause zum Üben verwendet werden soll.

Darin enthalten sind auch Informationen für Eltern. Diese nehmen zudem ebenfalls an den Kursen teil. Während die Kinder spielen, diskutieren Papi und Mami mit Nadja Kistler Erfahrungen und Fragen. Kistler und die Eltern beobachtet dabei, wie sich die Kinder verhalten. Zeigen sich Schwierigkeiten, werden diese besprochen. So kann bei Bedarf vor dem Kindergarten-Eintritt rechtzeitig Unterstützung geholt werden.

Mami und Papi sind oft mit dabei

Die Eltern sind vom Angebot begeistert. «Wir haben viel gelernt», sagt Silva Upul, der Vater von Sithun. «Mein Sohn und ich wussten zum Beispiel nicht, dass es für Rechts- und Linkshänder andere Scheren gibt.» Zudem sei der Austausch unter den Eltern wertvoll. Eine Mutter, die am letzten Kurstag neben Upul am Tisch sitzt, nickt. «Nebst Tipps erhielten wir die wichtige Bestätigung, dass mein Mann und ich vieles richtig machen.» Ihre Tochter habe dank dem Kurs nun auch mehr Ausdauer, über längere Zeit an etwas zu arbeiten.

Auch Co-Projektleiterin Nadja Kistler zieht ein positives erstes Fazit. «Am meisten freut mich, dass 20 der 37 Kinder, die neu in den Kindergarten kommen, mitgemacht haben.» Es sei nicht einfach, Eltern von solchen Projekten zu überzeugen. Für Co-Projektleiter Hans Bischofberger hängt dieser Erfolg stark mit der Person von Nadja Kistler zusammen, die in der Telli seit drei Jahren mit Kindern arbeitet. «Viele Kinder und Eltern schätzen Nadja Kistler und vertrauen ihr», sagt Bischofberger. «Dieses Vertrauen ist für den Erfolg des Kindergarten-Kurses entscheidend.»