Aarau

Kiff-Chef Oliver Dredge zuversichtlich: «Es reicht, um bis Ende Jahr durchzuhalten»

Das Kiff ist zu. Oliver Dredge arbeitet im Homeoffice.

Das Kiff ist zu. Oliver Dredge arbeitet im Homeoffice.

Der Co-Geschäftsführer des Kiff, Oliver Dredge, windet Bund und Kanton ein Kränzchen – trotz Planungsunsicherheit. Über die Auswirkungen der Coronakrise will er nicht spekulieren.

«Klar ist einzig: Es ist nichts klar.» Oliver Dredge lacht, was bleibt auch anderes. Die Ungewissheit ist aktuell seine ständige Begleiterin. Am 13. März musste das Kiff schliessen, alle Konzerte und Partys der laufenden Saison wurden abgesagt oder verschoben, 14 Festangestellten ins Homeoffice geschickt. Das Veranstaltungsverbot gilt aktuell bis zum 8.Juni. Wann es weitergehen wird, weiss Oliver Dredge nicht. Vielleicht nach der Sommerpause im September? Vielleicht im neuen Jahr? Vielleicht noch später? Mit der Ungewissheit bezüglich Kiff kann Oliver Dredge leben. Nicht gern, aber es geht. Der Eigenfinanzierungsgrad des Kiff liegt bei rund 70 Prozent, das sind Einnahmen aus Ticketverkäufen und Barbetrieb. 30 Prozent zahlen Kanton und Stadt, als Subventionen. «Das reicht, um bis Ende Jahr unter Kurzarbeit und einer allfälligen Ausfallentschädigung durchzuhalten», sagt Oliver Dredge. Sollte es früher möglich sein, Konzerte zu veranstalten, wäre auch das Kiff zeitnah parat. «Wir können relativ rasch reagieren.»

Deutschlands Entscheid lässt Musiker absagen

Viel schlechter erträgt er aber die Ungewissheit bezüglich der Festivals. Dredge ist nicht nur Geschäftsleiter im Kiff, er ist auch Co-Präsident von Petzi, dem Verband Schweizer Musikclubs und Festivals. «Für die Organisatoren all der vielen Festivals wäre eine klare Ansage des Bundesrates so dringend nötig.» Zwar sage der gesunde Menschenverstand klar, dass Festivals diesen Sommer nicht möglich sein werden. «Aber die Veranstalter brauchen Planungs- sicherheit – und einen Entscheid, damit sie rechtlich auf der sicheren Seite sind.» Diese fehlende Planungssicherheit war denn auch der Grund, weshalb Oliver Dredge und seine OK-Kollegen vom Aarauer Festival «Musig i de Altstadt» sich entschieden haben, den Anlass mit rund 13'000 Besuchern abzusagen. Das und die Bestimmungen der Nachbarländer. Denn die Schwierigkeiten in der Musikszene sind international; weil Deutschland Grossveranstaltungen bis Ende August verboten hat, haben viele Musiker ihre Tourpläne für Europa bereits gecancelt. «Dass ein grosser Act für ein einziges Konzert in die Schweiz reist, ist unwahrscheinlich.»

Was die Coronakrise für Auswirkungen auf die Musikbranche haben wird, darüber will Oliver Dredge nicht spekulieren. «Fakt ist, dass der ganzen Branche von einem Moment auf den anderen der finanzielle Boden unter den Füssen weggerissen wurde.» Allen voran den Kulturschaffenden, den Künstlern selbst, die oft von der Hand in den Mund leben. «Aber hier hat sich was getan, und das unbürokratisch und rasch», sagt er und nennt die Soforthilfe und den Ausfallentschädigungsfonds, mit der die Behörden auf die Situation reagiert haben, dass Kulturschaffende bei der Arbeitslosenkasse durch alle Raster fallen. «Dafür muss man Bund und Kantonen ein Kränzchen winden.»

Sowieso freut sich Dredge darüber, wie konstruktiv aktuell die Gespräche sowohl auf Verbandsebene als auch mit Bund und Kantonen laufen. «All die verschiedenen Interessensgruppen haben sich zusammengetan und sind nun zu einer Stimme geworden. Das ist enorm wertvoll – und wäre ohne Corona nie passiert.»

Kiff-Livestream Unter dem Namen #Socialtischdancing gibt es auf Twitch regelmässig Konzerte und DJ-Sets.

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