Bezirksgericht Aarau

Kettenbrücke-Überfall: Täter muss ins Gefängnis – Genugtuung für Rahel K.

Auf der Kettenbrücke bemerkte die Frau, dass ihr ein Mann folgte. (Archiv)

Auf der Kettenbrücke bemerkte die Frau, dass ihr ein Mann folgte. (Archiv)

Vor dem Bezirksgericht Aarau sass am Mittwoch der Eritreer, der Rahel K. im Oktober bei der Kettenbrücke in Aarau überfallen hat. Das Urteil: Schuldig und 18 Monate Haft. Derweil erhält das Opfer eine Genugtuung.

Nachts um 1 Uhr war Rahel K. an einem Mittwochabend im Oktober von einem Geschäftsanlass unterwegs nach Hause gewesen, als sie von einem 25-jährigen, betrunkenen Asylbewerber aus Eritrea überfallen wurde. Der Fall sorgte für schweizweite Schlagzeilen (wir berichteten).

Der 25-jährige Täter versuchte ihr das Natel zu entreissen, schlug sie ins Gesicht und stiess sie zu Boden. Rahel K. befürchtete das Schlimmste als er ihr sagte: «You are a sexy woman.» Dann verscheuchte ein herannahendes Auto den Mann.

Entschuldigungsbrief geschrieben

Vor Bezirksgericht sagte der 25-Jährige ohne auf die erste Frage zu antworten, die Tat tue ihm leid. Einen Entschuldigungsbrief hatte er Rahel K. bereits geschrieben.

An die Tat an sich wollte oder konnte er sich jedoch nicht mehr erinnern. Er habe bloss nach dem Weg zurück ins Asylzentrum fragen wollen, behauptete er, daran, dass er der jungen Frau in die entgegengesetzte Richtung über die Kettenbrücke gefolgt war erinnere er sich nicht.

Er gab aber zu, sie gestossen zu haben. Dies sei wegen des hohen Alkoholkonsums passiert. Der Asylbewerber hatte seit 16 Uhr am Nachmittag mindestens vier Liter Bier getrunken, welche er im Coop am Bahnhof erstanden hatte.

Staatsanwalt: «Alkohol ist billige Ausrede»

Der Alkohol sei eine billige Ausrede, befand der Staatsanwalt, er habe vorsätzlich gehandelt und forderte deshalb eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Der Verteidiger machte geltend, dass sein Mandant zur Tat stehe und es nur zufällig zum Zusammentreffen gekommen sei. In der Untersuchungshaft habe er sich scheu und abgepasst verhalten.

Ausserdem habe er nicht gewusst, dass er auf eine solche Menge Alkohol gewalttätig reagiere, denn in Eritrea sei Alkohol vergleichsweise weniger leicht erschwinglich. Auch er plädierte auf schuldig aber mit einer Strafe von 12 Monaten bedingt.

Das Bezirksgericht anerkannte zwar, dass sich der Mann mehrfach beim Opfer entschuldigt hat. Doch die Gewaltanwendung sei mehr als für einen Raub üblich gewesen und 1,8 Promille im Blut reiche für eine Unzurechnungsfähigkeit nicht, auch wenn er ohne Alkohol «die Tat so nicht begangen hätte», wie der Richter sagte.

Das Bezirksgericht verurteilte ihn auf 18 Monate Haft, die Hälfte davon bedingt. Wird er während einer Probezeit von vier Jahren nicht wieder straffällig, muss er die übrigen neun Monate nicht antreten. Rahel K. erhält eine Genugtuung von 700 Franken und 382 Franken Schadenersatz.

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