Aarau
Keine weiteren «Villen für Asylanten» im Aarauer Gönhard-Quartier

Diesen Frühling standen im Gönhard-Quartier gleich vier stattliche Wohnhäuser leer, die dem Kanton gehören. Anwohner befürchteten, dass diese bald als Unterkunft für Asylbewerber dienen könnten. Doch der Kanton hat andere Pläne.

Thomas Röthlin
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Die Neugutstrasse 10 und 12, die Tellstrasse 7 und diese unbebaute Parzelle will der Kanton loswerden.kus

Die Neugutstrasse 10 und 12, die Tellstrasse 7 und diese unbebaute Parzelle will der Kanton loswerden.kus

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Sein Postulat «betreffend Zurverfügungstellung von Villen und anderen Luxusbauten für Asylanten» hat der Grosse Rat am Dienstag zwar abgelehnt, doch René Kunz (Schweizer Demokraten) kann beruhigt sein: zumindest im Aarauer Gönhard-Quartier bleibt die Weltistrasse 25 die einzige «Villa» in kantonalem Eigentum, in der Asylbewerber wohnen.

Den parlamentarischen Vorstoss ausgelöst hatte ein Artikel im «Sonntag». Ein Quartierbewohner regte sich darüber auf, dass der kantonale Sozialdienst Anfang März Flüchtlingsfamilien in einer «Millionenvilla» einquartierte. Dieses Objekt sei «weit davon entfernt, sich durch irgendwelchen Komfort auszuzeichnen», konterte der Regierungsrat in seinem Antrag, das Postulat Kunz abzulehnen. Zudem: «Unterbringungen in äusserlich repräsentativen Bauten» seien nur «temporäre Zwischennutzungen».

Diesen Frühling standen im Gönhard-Quartier gleich vier stattliche Wohnhäuser leer, die dem Kanton gehören. Der Anwohner und der Grossrat befürchteten deshalb, dass auch diese angesichts des Asyldrucks entsprechend gefüllt werden könnten. Die Leerstände sind auf die Eigentumsübertragung der Spitalliegenschaften an die Kantonsspital Aargau AG (KSA) Anfang Jahr zurückzuführen: Die Wohnhäuser verblieben mangels Interesse des KSA im Eigentum des Kantons, der sie nun neu beleben muss.

Büros für die Kantonsverwaltung

Die Westallee 2 ist laut Patricia Kettner, Sprecherin des Departements Finanzen und Ressourcen, zwar nach wie vor ungenutzt. Ein Umbauprojekt liege aber vor und werde noch dieses Jahr dem Regierungsrat unterbreitet. Hier werden für die Kantonsverwaltung Büros eingerichtet. Die Westallee 12 konnte inzwischen ans Kantonsspital Aarau (KSA) als Personalhaus vermietet werden.

Die Neugutstrasse 10 und 12, die Tellstrasse 7 sowie eine unbebaute Parzelle liegen unmittelbar nebeneinander. Sie sollen laut Patricia Kettner «umgehend» verkauft werden, wobei der Regierungsratsbeschluss aussteht. Deshalb halte man die drei Häuser «bewusst im Leerstand, damit sie für allfällige Käufer sofort verfügbar wären».

Husch, husch geht es unter Umständen aber nicht. Die Häuser mit ihrer Spital-Vergangenheit gehören noch zum Verwaltungsvermögen des Kanton, das für die Erfüllung staatlicher Aufgaben gebunden ist. Eine sogenannte Umwidmung ins Finanzvermögen benötigt ab einem gewissen Umfang des Portefeuilles einen Grossratsbeschluss. Momentan wird laut Kettner abgeklärt, ob Einzelverkäufe ohne Zustimmung des Parlaments erfolgen können.