Aarau
Keine Verschnaufpause zwischen Schrecksekunde und Lachen

Zum zehnten Mal fand das One Minute Film & Video Festival statt. Die Wettbewerbsfilme und das Jubiläumsprogramm zogen viele Besucher an.

Sibylle Haltiner
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Vom norwegischen Filmproduzenten Rune Eriksson (rechts) wurden mehrere Kurzfilme gezeigt
7 Bilder
Lorenz Suter (links) hielt ein Referat zum Thema Regie
Nicht für alle gab es einen bequemen Kinosessel
Für Kinder boten die Veranstalter ein spezielles Programm an
Evelyne Baumberger moderierte die Vorführungsblöcke an
Eva, Irina und Mailine besuchten das Kinderprogramm des Festivals
One Minute Film & Video Festival in Aarau

Vom norwegischen Filmproduzenten Rune Eriksson (rechts) wurden mehrere Kurzfilme gezeigt

Sibylle Haltiner

Die Leute standen am Samstagabend Schlange im Kino Ideal. Kein aussergewöhnliches Ereignis, allerdings lief nicht der neuste Hollywoodstreifen, sondern Kürzestfilme. Eine Minute bloss dauerte jede Vorführung – beim One Minute Film & Video Festival ist der Name Programm. Was besonders viele Besucher anzog, war der Wettbewerbsteil 1, 40 Spiel- und Dokumentarfilme aus 17 Ländern.

«So viele Besucher hatten wir noch nie», meinte Stephan Filati, Gründungsmitglied des Festivals. Auf das Wetter und das Jubiläum führte er den erfreulich grossen Publikumsaufmarsch zurück. Derweil drängten sich die Besucher im Saal 3, die 141 Sitzplätze reichten bei Weitem nicht, bis in den Gang hinaus standen die Zuschauer.

In verschiedenen Kategorien traten die Filmemacher zum Wettbewerb an und auch das Publikum konnte seine Lieblinge wählen. Doch wer Ein-Minuten-Filme schaut, lässt sich auf ein anspruchsvolles Kinovergnügen ein. Es bleiben nur ein paar Sekunden, um das Gesehene zu überdenken, schon beginnt wieder der nächste Streifen. Für Popcorn ist überhaupt keine Zeit.

Einige Filme enthüllten ihren Hintergrund problemlos, manchmal gab es eine Schrecksekunde oder man hielt betroffen den Atem an. Erstaunlich, wie viel Botschaft in einem einminütigen Film vermittelt werden kann. Bei anderen Streifen schien der ganze Saal über den Sinn zu rätseln. Doch Zeit, um ihn zu erkunden oder sogar zu diskutierten, blieb keine. Bereits flimmerte der nächste Beitrag über die Leinwand.

Auch der schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Filmarten musste verdaut werden. Animationsfilme liefen neben Spielfilmen mit Dialog, auf ruhige Betrachtungen ohne Schnitt folgten Kunstfilme mit rasch wechselnden Sequenzen. Glücklicherweise konnte man die Filme im Programmheft nachschlagen und sich in Ruhe die drei Favoriten aussuchen.

Zum Jubiläum wurden neben den Wettbewerbsbeiträgen auch Geschenke von andern Festivals gezeigt. Ausserdem konnte man in mehreren Workshops erfahren, wie Kurzfilme gemacht werden.

Das Festival wie auch die Filme haben sich in den letzten zehn Jahren verändert. Um die steigende Anzahl von eingereichten Beiträgen und Zuschauern bewältigen zu können, dürfen seit drei Jahren die Säle des Kinos Ideal benutzt werden. Ausserdem habe sich die Qualität der Filme deutlich gesteigert, erklärte Kurt Dettling, auch er ist seit der ersten Austragung des Festivals dabei. «Kameras, Schnittprogramme und die Software für Animationsfilme sind günstiger geworden. Diese können sich nun auch Laien leisten.» Verändert habe sich die Szene auch durch You Tube. «Künstler zeigen ihre Filme eher im Internet, dort haben sie schneller eine Reaktion», meinte Dettling. Einen Vorteil hat das Festival allerdings: Auf der Grossleinwand sind die Filme viel eindrücklicher als auf dem Bildschirm.

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