Aarau
Keine Sonderrechte mehr für Aaraus langjährige Taxifahrer

Der Aarauer Einwohnerrat fordert mit dem neuen Taxireglement, dass unseriöse und ortsfremde Anbieter schärfer kontrolliert werden – im Sinne der Aarauer Taxifahrer. Besonders in der Nacht «wischen» auswärtige Chauffeure in der Stadt illegal Kunden.

Hubert Keller und Andreas Fahrländer
Drucken
Therese Häuptli vom Aarauer Piccolo Taxi begrüsst das neue Reglement.

Therese Häuptli vom Aarauer Piccolo Taxi begrüsst das neue Reglement.

Andreas Fahrländer

Viel ist nicht los am Taxistand. Am Dienstagnachmittag fahren immer wieder die drei selben Taxis unter das lange Vordach am Bahnhof Aarau. Die meisten der elf Standplätze sind verwaist. Das Bedürfnis nach Taxifahrten scheint tagsüber nicht besonders gross. Viele Fahrer konzentrieren sich auf die Abendstunden und das Wochenende. Dann brummt das Geschäft.

Bisher galt für die Taxifahrer in der Stadt Aarau das Anciennitätsprinzip. Dieses sah vor, dass die Bewilligungen jährlich bei gleichbleibenden Voraussetzungen stillschweigend erneuert wurden. Künftig werden die Betriebsbewilligungen, die vier Jahre gültig sind, jeweils neu ausgeschrieben. Dies hat der Einwohnerrat mit dem neuen Taxireglement so beschlossen.

Die Stadtpolizei geht davon aus, dass wie in Baden mehr Gesuche eingehen werden, als Standplätze verfügbar sind. Und man befürchtet auch, dass abgewiesene Gesuchsteller mittels Beschwerden versuchen werden, zu einem Standplatz zu kommen, und Verwaltung und Behörden beschäftigen.

Bundesgericht löste Revision aus

Auslöser für die vom Einwohnerrat beschlossene Revision des Taxireglements war ein Bundesgerichtsurteil. Ende Februar 2010 hatte das Bundesgericht entschieden, dass ein Taxifahrer mit zweifelhaftem Leumund nur abgewiesen werden kann, wenn das Reglement von der Legislative, also vom Einwohnerrat erlassen worden ist. Das Aarauer Taxireglement war jedoch vom Stadtrat verfügt worden.

Dieser Entscheid veranlasste den Stadtrat, das Reglement nach dem Badener Vorbild zu überarbeiten. Das Bundesgerichtsurteil und das Binnenmarktgesetz, das den Markzugang ortsfremder Taxiunternehmen regelt, haben zahlreiche andere Städte und Gemeinden auch dazu gebracht, ihre Reglemente auf Vordermann zu bringen.

Therese Häuptli fährt seit 30 Jahren Taxi. Sie ist Chauffeuse beim Aarauer Piccolo Taxi und kennt das Geschäft. Sie begrüsst es, dass das Reglement angepasst wird. «Besonders in der Nacht sind viele ‹Wilde› unterwegs», sagt Häuptli. «Da gibt es einige mit einem Tolggen im Reinheft. Wir sind froh, wenn die stärker kontrolliert werden.»

In der Stadt Aarau sind 14 Taxiunternehmen mit 26 Fahrzeugen gemeldet. Am Bahnhof beanspruchen die Taxiunternehmen mit Bewilligung A elf Standplätze. Mit Bewilligung B werden Taxifahrten ab privaten Standplätzen angeboten. Verboten ist es aber, dass Taxifahrer suchend durch die Strassen gondeln oder auf einem öffentlichen Parkplatz auf Kundschaft warten.

Diese Taxifahrer gaben im Einwohnerrat zu reden. Simon Burger (SVP) etwa begrüsst die «marktwirtschaftliche Ausrichtung» des Reglements, befürchtet aber, dass immer mehr unprofessionelle und ortsfremde Taxifahrer die seriösen, ansässigen Anbieter konkurrenzieren.

Kontrolle gefordert

Deshalb fordert Burger, dass die Regeln durchgesetzt und Missbräuche konsequent bekämpft werden. Christoph Waldmeier (EVP/EW) und Michel Meyer (FDP) stiessen ins gleiche Horn: Das «Wischen», wie das Einsammeln von Kunden im Jargon heisst, soll dem Stadtbauamt vorbehalten bleiben.

Taxifahrer mit umweltfreundlichen Fahrzeugen werden übrigens künftig belohnt. Ihre Gebühren werden reduziert. Der Einwohnerrat folgte einem Antrag der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) und ersetzte die unverbindliche «Kann-Formel» mit einem «Muss».

Carlo Jehle vom ABC-Taxi sieht die Veränderungen mit gemischten Gefühlen. Obwohl er eigentlich pensioniert ist, will er sich bei der Neuvergabe wieder um einen Standplatz bewerben. «Viel zu holen ist mit dem Taxigeschäft in Aarau nicht, aber ich fahre lieber Taxi, als zu Hause zu sitzen.» Ob die Förderung energiefreundlicher Fahrzeuge sinnvoll ist, sind sich die Chauffeure nicht einig. Zwei der Taxis am Bahnhof sind Hybridautos. Jehle dagegen setzt den Fokus auf den Komfort: «Die Förderung energiesparender Autos ist in meinen Augen überflüssig. Ich habe stets auf gepflegte Wagen geachtet, in denen sich die Passagiere wohlfühlen und genügend Platz für Gepäck ist. Sonst können die Leute ihren Koffer gleich zu Fuss zum Bahnhof tragen.»

Aktuelle Nachrichten