Aarau
Keine Konkurrenz zu Keller (28) in Sicht: Er wird wohl der jüngste Einwohnerratspräsident

Der bisherige Aarauer Einwohnerrats-Vize Matthias Keller (28, EVP) dürfte Lelia Hunziker an der Spitze des Parlaments ablösen. Damit würde er zum bisher jüngsten Einwohnerratspräsidenten.

Nadja Rohner
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Planmässiger Schritt nach vorn ins erste Glied: Vizepräsident Matthias Keller wird wohl auf Einwohnerratspräsidentin Lelia Hunziker folgen.

Planmässiger Schritt nach vorn ins erste Glied: Vizepräsident Matthias Keller wird wohl auf Einwohnerratspräsidentin Lelia Hunziker folgen.

Ueli Wild

Am 22. Januar kommt der neue Aarauer Einwohnerrat für seine konstituierende Sitzung zusammen. Die Amtszeit von Einwohnerratspräsidentin Lelia Hunziker (SP) ist dann bereits zu Ende. Es stellt sich die Frage. Wer leitet die Sitzung, wer vereidigt die Einwohnerräte? Diese Ehre hat nicht etwa das amtsälteste Mitglied des Einwohnerrats (Ueli Hertig, seit 2002 dabei), wie es beispielsweise im Europarat praktiziert wird. Auch nicht das altersmässig fortgeschrittenste Ratsmitglied, (Ulrich Fischer oder Urs Winzenried, beide Jahrgang 1950), wie es im Nationalrat der Fall wäre. Die Gemeindeordnung gibt klar vor, wer an der ersten Sitzung das Sagen hat: der Stadtpräsident – Hanspeter Hilfiker.

Neuer Einwohnerratspräsident wird wahrscheinlich Matthias Keller (EVP), der bisherige Vize. Der 28-Jährige dürfte damit der jüngste Einwohnerratspräsident in der Geschichte Aaraus werden. Eine Gegenkandidatur wäre theoretisch möglich, zeichnet sich aber nicht ab.

Hilfiker leitet die erste Sitzung

Apropos Vize: Traditionsgemäss werden die Präsidiums-Ämter immer so vergeben: Dreimal ist eine grosse Fraktion an der Reihe, dann eine kleine. In den letzten 12 Jahren gehörte das Präsidium der FDP (Doris Mayr, 2006/07), der SP (Lotty Fehlmann Stark, 08/09), Pro Aarau (Angelica Cavegn Leitner, 10/11), SVP (Marc Dübendorfer, 12/13), FDP (Danièle Zatti Kuhn, 14/15), und der SP (Lelia Hunziker, 16/17). Voraussichtlich rückt die EVP mit Mattias Keller ins Präsidium vor. Also wäre theoretisch die SVP wieder an der Reihe, den Vizepräsidiumssitz zu besetzen.

Die Regelung ist allerdings nicht in Stein gemeisselt, sprich: nicht in der Gemeindeordnung festgehalten. Es wäre durchaus denkbar, dass eine andere Fraktion mitmischen will. Zum Beispiel die Grünen, die immerhin fünf Personen im Einwohnerrat haben. Sie unterlagen im Kampf ums Vizepräsidium 06/07 mit Regula Fiechter gegen Lotty Fehlmann. Doch auf Anfrage der AZ sagt Parteipräsidentin Mirjam Kosch, die Grünen planten keine Kandidatur.

Möglich wäre theoretisch auch eine Kandidatur der CVP. Die Partei, die aktuell wie in der nächsten Amtsperiode drei Sitze im Einwohnerrat hat, versuchte in den letzten Jahren zweimal, einen Fuss ins Ratspräsidium zu bekommen. Für die Amtsperiode 08/09 schickte die CVP Susan Dober Spielmann gegen Angelica Cavegn ins Rennen um das Vizepräsidium – vergeblich. Und auch bei der Vizepräsidentenwahl für 16/17 stellte die CVP Peter Roschi gegen EVP-Kandidat Matthias Keller auf.

Doch dieses Mal wird von der CVP kein eigener Wahlvorschlag kommen. «Der Sitz der SVP ist aus unserer Sicht unbestritten», sagt Fraktionspräsident Lukas Häusermann. «Wir sind damals gegen die Pro Aarau/GLP/EVP-Fraktion angetreten. Das war eine andere Ausgangslage.» Die CVP werde Matthias Keller als Präsidenten unterstützen. «Er hat in den letzten zwei Jahren meines Erachtens gezeigt, dass er dem Amt gewachsen ist.»

Linke wollen der SVP dreinreden

Bleibt die Frage, wen die SVP ins Rennen ums Vizepräsidium schickt. «Unser Nominationsverfahren ist aktuell noch im Gang», sagt Fraktionspräsidentin Susanne Heuberger. Und dabei scheinen auch Fraktionsfremde mitreden zu wollen: «Bereits kurz nach Vorliegen der Einwohnerrats-Wahlresultate erhielten wir aus dem linken Parteispektrum konkrete Namensvorgaben für allfällige Kandidaturen», so Heuberger. «Es wurde uns klar mitgeteilt, welche Personen der SVP für dieses Amt genehm wären.»

Es sei eine Tatsache, dass Nominierungen im Einwohnerrat kritisch hinterfragt würden und allenfalls Gegenkandidaturen hervorriefen. «Wenn aber Aussenstehende oder politische Gegner bewusst versuchen, Nominationsprozesse frühzeitig zu beeinflussen, läuft etwas komplett falsch. Derartige Interventionen entsprechen in keiner Art und Weise unserer Vorstellung von Fairness und Kollegialität unter den Einwohnerrats-Parteien.»