Wahlen 2011
Kein Witz: Küttigen verbietet Plakate der SP, SVP und BDP

Die Gemeinde Küttigen mischt nun auch mit im Gezänk um Wahl- und Werbeplakate im Aargau. Doch die Gemeinde erntet für ihren Entscheid von der BDP nur Hohn und Spott. Die Partei beweist damit immerhin: Politik kann auch lustig sein.

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Diese Plakate sind in Küttigen Reklame und wurden verboten
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Stein des Anstosses: Das Plakat der BDP
Stein des Anstosses: Das Plakat der SVP
Stein des Anstosses: das Plakat der SP

Diese Plakate sind in Küttigen Reklame und wurden verboten

Zur Verfügung gestellt

Die Gemeinde Küttigen teilt in einem Schreiben den drei Parteien SP, SVP und BDP mit, dass sie die Plakate bis am 9.9.2011 entfernen müssen. Die Begründung: Bei den Plakaten sei «kein direkter Zusammenhang mit Wahlen und Abstimmungen auszumachen», weshalb die Gemeinde die Plakate als Reklame einstuft. Sie seien wiederrechtlich und müssten entfernt werden.

Grund für das Vorgehen der Gemeinde sei auch, dass auf den Plakaten kein Wahldatum und keine Listennummer oder sonstige Hinweise auf die National- sowie Ständeratswahlen, sagte der Gemeindeschreiber Robert Rütimann der Nachrichtenagentur sda.

SP schiesst sich ins eigene Knie

Auslöser des Entscheides war die SP, die sich über die Plakate der SVP-Plakate gewehrt hatte. Mittlerweile hat die SVP die Plakate in Küttigen wieder abgehängt, doch muss nun selbst die SP auch ihre Plakate entfernen.

Die BDP nimmts mit Humor

Diese Vorkommnisse veranlasste Bernhard Guhl, Präsident der BDP Kanton Aargau zu «einer Art Medienmitteilung». Darin schreibt er, dass sie sich «weggeworfen hätten vor Lachen ob der Begründung». Mittlerweile mache das Schreiben innerhalb der Partei die Runde.

Einige Parteimitglieder würden Bemerkungen machen wie «Ist in Küttigen die politische Fasnacht erst im September?» Andere Mitglieder befassen sich mit den Behörden, die hinter dem Entscheid stehen: «5 Gemeinderäte à 15 Minuten: 100 Fr.; 1 Gemeindeschreiber à 2 h: 280 Fr., 1 Bauamtsmitarbeiter à 1⁄2 h: 60 Fr.; 3 Briefmarken à 85 Rp. Was gibt das? - Richtig! Eine Steuererhöhung.» Dritte wiederum spekulieren über die Wahrnehmung des Gemeinderates: «Hallo? Ist hier Wahlkampf? Hat uns keiner gesagt!» Oder: «219 Aargauer Gemeinden im Wahlkampf. Und Küttigen».

BDP zieht Konsequenzen

Die BDP zieht Konsequenzen aus dem Schreiben und wird in den nächsten Tagen auf all ihren Plakaten auf dem «Planet Küttigen» Kleber mit der Aufschrift «Nationalratswahlen» anbringen. Gleich reagiert auch die SP, die die Küttiger Posse erst heraufbeschworen hat: Sie klebt bei ihren Plakaten die Listennummer drauf.

«Das machen wir nur in Küttigen. Nur in Küttigen? Nur in Küttigen!» spöttelt BDP-Präsident Guhl weiter. «Wir glauben, dass wir damit dem wiehernden Amtsschimmel sein verdientes Futter gegeben haben.» Sie würden sich darüber freuen, dass die Gemeinde Küttigen «im Sinne des allgemeinen Wohls seiner Einwohner knallharte, sinnvolle Entscheide fällt. So muss wahre, lebendige Demokratie sein!» schreibt die BDP mit unübersehbarer Ironie weiter.

Grüsse nach Küttigen

Auch würden sie sich selbstverständlich freuen auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat Küttigen, so Guh. Und er verspricht: Sollte ein Kandidat der BDP in den Nationalrat gewählt werden, würde er seine erste Grusskarte nach Küttigen schicken. Für Küttiger vielleicht ein Grund, die BDP doch noch zu wählen. (dme)

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