Aarau
Kein Wahlgag: Auto eines Grossrats-Kandidaten wurde gestohlen

Christoph Waldmeier von der EVP hat seinen alten Opel nicht mehr. Diesen haben Unbekannte gestohlen. Doch damit nicht genug: Im Wagen lagen alle Werbeflyer, mit denen der 26-Jährige für sich weibeln wollte.

Toni Widmer
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Jetzt halt Flyer von Hand: Christoph Waldmeier auf dem parkplatz, ab dem sein Opel geklaut wurde.

Jetzt halt Flyer von Hand: Christoph Waldmeier auf dem parkplatz, ab dem sein Opel geklaut wurde.

Toni Widmer

Die Schweizer Geschichte beweist es: Pfarrerssöhnen mangelt es selten an politischem Instinkt, und sie besitzen meist auch die Fähigkeit, noch aus fast hoffnungslos scheinenden Situationen Kapital zu schlagen. Christoph Waldmeier, 26, gelernter Schreiner, seit einer vor drei Jahren abgeschlossenen Weiterbildung Lehrer an der Oberstufe im Aarauer Schachen, EVP-Politiker, am 1. September in den Aarauer Einwohnerrat nachgerutscht, Grossratskandidat, ist Pfarrerssohn.

Und zurzeit ohne Auto. «Mir wurde am Abend mein betagter Opel gestohlen. Den Verlust des 21-jährigen Kadett kann ich verschmerzen, aber mit dem Auto sind auch alle meine Werbeflyer weg. Und dabei wollte ich in diesen Tagen meinen Wahlkampf so richtig lancieren», mailte Waldmeier der Aargauer Zeitung. Das selbstredend in der Hoffnung, den Verlust des Werbematerials mit einem Artikel in der Aargauer Zeitung zumindest einigermassen kompensieren zu können.

Schlauer Fuchs, der Sohn von Stadtpfarrer Ursus Waldmeier, der - damals noch Pfarrer von Auenstein - einst selber Grossrat war.

An Öffentlichkeit gelangen

Wer klaut ein so altes Auto? «Es ist kein Wahlgag, das Auto ist wirklich weg, gestohlen am Montagabend vom Parkplatz hinter dem Oberstufenschulhaus. Um 17.50 Uhr hat es der Hauswart noch gesehen. Als ich um 18.30 Uhr Feierabend machte, war es nicht mehr da.» Aber klar, er sei keineswegs unglücklich, wenn jetzt darüber berichtet werde, gibt der Grossratskandidat zu. «Irgendwie muss ich an die Öffentlichkeit gelangen, wenn all meine Flyer weg sind.»

Er wollte sie in diesen Tagen in der Region an Briefkästen und Türfallen heften. Mit speziellen Kugelmagneten: «Auf meinen Flyern ist eine Zielscheibe aufgemalt als Symbol meiner zielgerichteten Politik, genau da wollte ich den Magneten platzieren.» Drucken lassen kann Waldmeier auf die Schnelle keine Flyer mehr: «Ich werde so viele wie möglich mit dem Laserprinter herstellen.»

Der Wert des Autos wurde von der Polizei auf noch 100 Franken geschätzt. Die verschwundenen Flyer haben zehnmal mehr gekostet. Dazu kommt eine Busse von 60 Franken. Der betagte Opel war unverschlossen und den Zündschlüssel hatte sein Besitzer darin liegen lassen.