Kurz nach 17 Uhr in der Aarauer Bäckerei Maier. Verkäuferin Joana Mangold reicht der Kundin Lorena Zovkic Sandwiches und Gipfeli, ein grosses Tessinerbrot und Patisserie. Eigentlich müsste die Kundin nun rund 20 Franken bezahlen. Fällig werden aber nur 4.90 Franken – denn Zovkic hat gerade Lebensmittel gerettet, die ohne sie im Müll gelandet wären.

Möglich macht das die App «Too good to go» deren Gründer Foodwaste bekämpfen. So funktionierts: Produzent und Käufer müssen sich registrieren. Dann wird dem Käufer angezeigt, bei welchen Lokalen es noch übrig gebliebene Essenspakete zu holen gibt. Der Käufer kann diese stark reduzierten Pakete via App bestellen und bezahlen und zur vorgegebenen Zeit, meist nach Betriebsschluss, abholen. So wurden im April schweizweit 150 000 Mahlzeiten vor dem Abfalleimer gerettet.

In Aarau machen fünf Betriebe mit: das Hotel Kettenbrücke, Cupcake Affair und die Bäckereien Wälchli, Landbeck und Maier. Die Bäckerei Maier ist seit über zwei Jahren bei «Too good to go» registriert. «Am Anfang lief es nicht so gut», sagt Geschäftsführer Roman Maier. Inzwischen habe sich die App aber etabliert: «Täglich gehen sechs bis acht gerettete Pakete über die Theke.» Reich wird Maier damit nicht. Die Hälfte des Erlöses von knapp fünf Franken bekommt die App. Aber Maier geht es nicht ums Geld. Es freue ihn, dass die Lebensmittel nicht mehr in der Tonne oder als Futter im Trog landen. Maier rechnet: «In unseren neun Filialen bleiben pro Tag zwischen zwei und acht Kilogramm Ware übrig. Pro Jahr sind das zwischen 700 und 3000 Kilogramm, die wir wegschmeissen müssten.»

Brunch, Cupcakes, Fleisch

Auch die Konditorei Cupcake Affair ist schon länger auf «Too good to go» registriert. Man machte ähnliche Erfahrungen wie in der Bäckerei Maier. Adriana Suter, stellvertretende Filialleiterin, sagt: «Am Anfang haben wir die übrigen Cupcakes noch selbst gegessen oder an Freunde verschenkt. Mit der Zeit hatten wir aber genug davon.» Inzwischen laufe das Geschäft besser. Via App werden für 7.50 Franken Boxen à vier Cupcakes vergeben. Normalerweise bezahlt man für nur einen Cupcake fast genauso viel.

Laut Roman Maier und den Erfahrungen der anderen Geschäftsführer nutzen wegen der tiefen Preise vor allem Studenten das Angebot. Doch inzwischen kommen auch ältere Personen und Familien in ihre Geschäfte. «Vielleicht liegt das daran, dass immer mehr Betriebe mitmachen», mutmasst Maier.

Erst vor vier Tagen hat sich das Suhrer Restaurant Kuh, das zur Metzgerei Strässle gehört, neu bei «Too good to go» angemeldet. Die Aarauer Bäckereien Landbeck und Wälchli haben vor einem Monat angefangen, ihre Reste über «Too good to go» zu vermarkten. Neu ist auch das Hotel Kettenbrücke dabei. Dort kann man künftig immer am Sonntagnachmittag die Reste des Brunchs über die App bestellen.