Aarau
Kein Baulandverkauf mehr in der «Aarenau»

Aarau Winter-Gmeind der Aarauer Ortsbürger fällt Grunsatzentscheid: Die Aarauer Ortsbürger wollen im Scheibenschachen kein weiteres Bauland mehr verkaufen, sondern nur noch im Baurecht abgeben und selber investieren.

Hermann Rauber
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Abbruch der alten Zementfabrik schaffte im Scheibenschachen Platz für Überbauung Aarenau. Markus Zuber

Abbruch der alten Zementfabrik schaffte im Scheibenschachen Platz für Überbauung Aarenau. Markus Zuber

Die Winter-Gmeind der Aarauer Ortsbürger stellte die Weichen für die zweite Etappe der Überbauung der Aarenau im Scheibenschachen. 272 (von insgesamt 1909) Stimmberechtigte hatten im Saal des Kultur- und Kongresshauses die Wahl zwischen insgesamt vier Varianten, die am Ende zur Auswahl standen. Der Stadtrat stellte in seiner Botschaft den Antrag, zwei weitere Grundstücke zu verkaufen und drei im nördlichen Bereich im Eigentum zu behalten und aus eigener Kraft zu überbauen, also selber zu reinvestieren. Eine Nutzungsstudie hatte klar gezeigt, dass der Ertrag langfristig bei der Vermietung von ortsbürgerlichen Wohnungen grösser ist als bei der Abgabe im Baurecht oder beim Verkauf.

Gestaffeltes vorgehen

Lanciert wurde die Diskussion durch Franziska Graf, die eine Mehrheit der Finanzkommission (OFK) vertrat. Diese wollte ein gestaffeltes Vorgehen, und zwar mit einem vorläufigen Verzicht auf die Verwertung der beiden Felder ganz im Osten. Dabei seien zwei Parzellen eigenhändig zu überbauen und zur Refinanzierung eine Parzelle - wie vom Stadtrat beantragt - zu verkaufen. Eine Minderheit hingegen vertrat laut OFK-Mitglied Edi Boos die Meinung, die Überbauung des gesamten Planungsgebietes wie ursprünglich beabsichtigt in absehbarer Zeit durchzuziehen und die Entstehung dieses neuen Aarauer Siedlungsraumes „nicht in die Länge zu ziehen".

Aus der Versammlung kam von Gustav Werder der Vorschlag, den Entscheid zu vertagen und vom Stadtrat ein neues Begehren für eine Reinvestition auf allen fünf noch zur Verfügung stehenden Parzellen zu verlangen. Dies wurde von Stadtammann Marcel Guignard als „Antrag auf Rückweisung" verstanden und von der Versammlung mit grosser Mehrheit abgelehnt. Mehr Erfolg hatte Andres Basler, der für den Verzicht auf weitere Landverkäufe in der Aarenau plädierte und stattdessen vorschlug, drei Felder selber zu überbauen und die restlichen zwei lediglich im Baurecht abzugeben.

186 gegen 65 Stimmen

Basler schilderte die Finanzlage der Aarauer Ortsbürgergemeinde (die schuldenfrei ist) in den schönsten Farben, das für die Investition in den Wohnungsbau benötigte Fremdkapital von rund 35 Millionen Franken könne innert kurzer Zeit amortisiert werden, rechnete der ehemalige SP-Stadtrat vor. Die Versammlung folgte ihm und zog den Antrag Basler jenem des Stadtrates mit 186 gegen 65 Stimmen vor. In der Schlussabstimmung passierte dieses Vorgehen mit grossem Mehr bei 14 Nein und 10 Enthaltungen deutlich.

Weil für die Umsetzung konkrete Berechnungen fehlten und deshalb kein Kredit gesprochen werden konnte, wird sich die nächste Sommer-Gmeind am 10. Juni des kommenden Jahres erneut mit dem Traktandum Aarenau zu beschäftigen haben.

Den übrigen Geschäften, namentlich dem Voranschlag 2013 mit einem Überschuss von rund 340 000 Franken, stimmten die Ortsbürger diskussionslos zu. Weil das Quorum von 383 mit 272 Anwesenden nicht erreicht wurde, unterstehen sämtliche Beschlüsse dem fakultativen Referendum.