Dass man gegen Etoile Carouge gewinnt, war für viele im Umfeld des FC Aarau nicht die Frage. Sondern bloss wie hoch. Genau diese Erwartungshaltung kann die Mannschaft von René Weiler nicht kaschieren. Wer will es ihr verdenken. Schliesslich ist der FC Aarau die zweitjüngste Mannschaft der Challenge League und für viele Spieler ist es das erste Mal, dass sie so etwas wie Erfolgsdruck verspüren. Verständlich deshalb, dass in der Startphase Geduld und Präzision fehlen.

Die Zuschauer sind gleichwohl euphorisch. Doch plötzlich senkt sich der Geräuschpegel. Bellinzona ist gegen Wohlen durch Marchesano 1:0 in Führung gegangen.

Aarau zuerst unter Druck

Aarau braucht eine gelungene Offensivaktion, um den Ballast abzuwerfen. Schultz fängt einen Pass von Dijoux ab und lanciert Staubli, der das Tor verfehlt. Doch es ist diese Aktion, die dem FC Aarau Selbstsicherheit vermittelt. Nur eine Minute später verwertet Schultz eine Flanke von Stojkov zum 1:0. Gleichzeitig trifft im Brügglifeld die Nachricht von Bellinzonas 2:0 durch Ciarrocchi ein. Aarau bleibt unter Zugzwang, weil es mindestens gleich hoch gewinnen muss wie Bellinzona, um die Barrage zu erreichen.

Doch Aarau entfesselt sich mit Champagner-Fussball und spielt sich in einen veritablen Rausch. Ionita erkämpft sich im Mittelfeld den Ball, spielt auf Burki, sprintet in Position und bekommt den Ball von seinem Captain perfekt in den Lauf serviert. Den Rest erledigt er mit einer beeindruckenden Souveränität - 2:0. Dass sich Ionita mit diesem Treffer belohnt, entbehrt nicht einer gewissen Logik. Der Moldawier spielte eine überragende Saison und in der Rückrunde gar permanent auf einem höheren Level. Für Aarau ist zu hoffen, dass noch eine Chance besteht, den auslaufenden Vertrag mit Ionita zu verlängern.

Was danach folgt, ist einfach nur noch grosser Fussballgenuss. Staubli trifft nach Vorarbeit von Stojkov zum 3:0 und verwertet in der 40. Minute eine Flanke von Gashi mit einem kraftvollen Kopfball zum 4:0.

In Bellinzona stets zur Pause 2:0. In Winterthur, wo Nyon gewinnen muss, um Wohlen im Kampf gegen den Abstieg zu überholen, stehts 0:0.

Mit Aco Stojkov, dem mazedonischen Mysterium, werden die 5000 Zuschauer in Aarau erst warm, als er in der 59. Minute das 5:0 erzielt. Natürlich hat Stojkov in seinen drei Jahren beim FC Aarau selten sein Potenzial ausgeschöpft. Häufig hinterliess er den Eindruck, bei einer zu kleinen Nummer gelandet zu sein. Bald stand er im Ruf, eine Diva zu sein. Doch gegen Carouge demonstriert der Stürmer mit zwei Torvorlagen und einem Treffer, welchen Wert er haben könnte, wenn die Einstellung stimmt.

Der Kampf um die Barrage scheint entschieden. Denn aus Bellinzona werden keine weiteren Treffer gemeldet. Und die Aarauer lassen nicht locker. Es ist die pure Spielfreude, die Euphorie und der intakte Teamgeist, mit der diese Mannschaft das Publikum entzückt. Gashi, der überragende Individualist dieser Saison, kommt auch noch zu seinem persönlichen Erfolgserlebnis. Er verwertet einen an ihm verschuldeten Penalty zum 6:0.

Die Rettung, die Freiämter jubeln

Die Situation für Wohlen ist ungemütlich. Ein Erfolgserlebnis gegen Bellinzona ist bloss noch Illusion und in Winterthur stehts immer noch 0:0. Ein Tor von Nyon, und Wohlen steigt nach 10 Jahren Challenge League ab. Die Aargauer sind quasi fremdbestimmt. In der 84. Minute trifft Antic zum 1:0 für Winterthur. Die Rettung?

Nein. Nyon-Topskorer Besseyre gleicht aus. Und im Tessin wird Wohlen in der Schlussphase überrollt. Marchesano und Yakin erhöhen auf 5:0. Trotz der Kanterniederlage können die Freiämter jubeln. Denn Winterthur erzielt in der Nachspielzeit noch das 2:1.

Der Jubel der Aarauer Spieler ist nach dem Schlusspfiff etwas verhalten. Doch er ist auch nicht ausgelassen, als die Meldung vom 5:0-Endstand aus Bellinzona eintrifft. Das zeugt einerseits von Demut, andererseits vom noch nicht gestillten Erfolgshunger. Derweil wird in Sion darüber spekuliert, dass Servette keine Lizenz für die Super League erhält. Bedeutet die gestrige Gala des FC Aarau also bereits die sofortige Rückkehr in die Super League? Fortsetzung folgt.