Aarau
Kaum noch Trauungen: Stadtkirche kämpft um Mitglieder

Mit Romantik hat die aktuelle Statistik der reformierten Kirchgemeinde nicht viel zu tun: Letztes Jahr haben sich gerade mal acht Paare kirchlich trauen lassen. Mit neuen Angeboten möchte die Kirche die Zahl der Austritte vermindern.

Katja Schlegel
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Früher führte für Brautpaare kein Weg an der Stadtkirche vorbei. Chris Iseli/az-Archiv

Früher führte für Brautpaare kein Weg an der Stadtkirche vorbei. Chris Iseli/az-Archiv

Chris Iseli/AZ

Früher führte für Brautpaare kein Weg an der Stadtkirche Aarau vorbei. 31 Paare gaben sich noch vor 50 Jahren im stattlichen Gotteshaus das Ja-Wort. Letztes Jahr waren es noch acht. Kein Ausreisser, wie der Blick in die Jahrbücher zeigt, sondern sogar eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr: 2015 waren es nur gerade sieben Paare.

Für Andreas Urech, Geschäftsleiter der reformierten Kirchgemeinde Aarau, ist diese Entwicklung nur logisch: «Je weniger Leute in der Kirche sind, desto weniger wird auch kirchlich geheiratet.» Doch die schwindenden Mitgliederzahlen allein erklären die tiefe Zahl noch nicht. Und auch an der Schönheit des Gebäudes könne es nicht liegen, meint Urech. «Vereinzelt kommen auch Paare aus anderen Gemeinden, weil ihnen die Stadtkirche besonders gut gefallen hat.»

Vorfahrt unmöglich

Ein Problem ist die verkehrsfreie Altstadt. «Dass man bei der Stadtkirche nicht vorfahren kann, ist tatsächlich ein gewisses Hindernis», sagt Urech. Nicht in erster Linie in Bezug auf das Vorfahren der Braut, sondern auf die Gäste, die ausserhalb der Stadt parkieren müssen. Ausserdem sind in Aarau die grossen Locations Mangelware, in denen Hochzeitsgesellschaften feiern könnten.

Mehr Werbung für die Räume

Doch das soll sich jetzt alles ändern: Laut Urech wird das Benützungsreglement für die Räumlichkeiten der Kirchgemeinde überarbeitet. «Im Zuge dessen wollen wir auch die Räume stärker bewerben.» Dazu gehören nicht nur die Seminarräume, sondern eben auch die Stadtkirche. «Es wäre schön, wenn wieder mehr Paare ihren wichtigsten Tag bei uns in der Stadtkirche feiern würden», sagt Urech. Potenzial wäre vorhanden: Das Regionale Zivilstandsamt Aarau hat im vergangenen Jahr 325 Trauungen durchgeführt.

Handlungsbedarf besteht nicht nur bei der Vermietung der Räume, sondern auch beim Halten der Mitglieder: 2016 sank der Stand um 113 Mitglieder auf 5259. So wenige wie noch nie. 100 Mitglieder verstarben, 87 Personen traten aus der Kirche aus. «Die Austritte machen uns grosse Sorgen», sagt Urech. Man wolle die Entwicklung auch nicht mehr länger hinnehmen, sondern handeln. «Es sind vor allem jüngere Personen, die aus der Landeskirche austreten. Hier müssen wir den Hebel ansetzen und neue Angebote schaffen, um diese Altersgruppe zu halten.» Laut Urech könnten das beispielsweise speziell auf Jüngere zugeschnittene Gottesdienste mit anderen Anfangszeiten oder auch neue, musikalische Angebote sein. Vorschläge dazu würden zur Zeit innerhalb der Kirchgemeinde erarbeitet.