Aarau

Kaum ein Aarauer Geschäft informiert Kunden mit QR-Codes

Ein QR-Code im Schaufenster des Uhren- und Schmuckgeschäftes Rent-a-box am Graben wird mit dem iPhone dechiffriert. Kus

Ein QR-Code im Schaufenster des Uhren- und Schmuckgeschäftes Rent-a-box am Graben wird mit dem iPhone dechiffriert. Kus

Was in Japan an fast jeder Strassenecke zu finden ist, hat hierzulande noch kaum Einzug gehalten. Die Rede ist von QR-Codes. Auch Aaraus Geschäfte nutzen diesen Informationskanal kaum.

Dabei würden von QR-Codes, die mit dem Smartphone gelesen werden können, wohl die Hälfte der Aarauerinnen und Aarauer profitieren: Laut einer im März 2012 erschienenen Studie von Comparis.ch besitzen 48 Prozent ein iPhone oder ein anderes Smartphone.

Uhrengeschäft mit QR-Code

Zu den wenigen, die QR-Codes im Schaufenster zeigen, zählt das Schmuck- und Uhrengeschäft Rent-a-box am Graben. Die Codes sind klein: gerade mal einige Zentimeter im Quadrat. Man muss sie fast suchen. Aber hier gibt es sie zumindest. Beim Hauptsitz des Uhrengeschäftes in Luzern heisst es, man wolle in erster Linie einen weiteren Informationskanal nutzen. Der Code enthalte Angaben zu Ladenöffnungszeiten und Homepage. Die junge Geschäftsleitung habe die QR-Codes in den Filialen vor rund neun Monaten eingerichtet, um «jung, modern und aktuell» daherzukommen.

Erfahrungen mit einem QR-Code hat auch Rolling-Rock in der Rathausgasse bereits vor zwei Jahren gemacht. «Wir lancierten einen Event via einen QR-Code», sagt Geschäftsführer Patrick Studer. Der Rücklauf sei jedoch mässig gewesen. Sie hätten damals feststellen müssen: «Die Leute sind noch nicht bereit.»

Als man den Code Anfang Jahr in die Neugestaltung des Schaufensters integrieren wollte, habe sich die Umsetzung jedoch als unbefriedigend erwiesen. Es sei zwar sehr einfach, die Matrix für solch einen Code zu generieren, sagt Studer. «Spannend wird es aber erst, wenn die Informationen zu einem Link führen, der den Benutzern mehr bringt als reine Information.» Mit der Kampagne «Scan, like and win» verlost Rolling-Rock mittels QR-Code ab 1. Juni monatlich ein Produkt aus seinem Shop.

Wichtiger ist Kundenfrequenz

Zurückhaltend äussert sich Marcel Suter über die Codes. Er vertritt als Präsident des Vereins Zentrum Aarau die Aarauer Fachgeschäfte. In Bezug auf QR-Codes sei «Aarau weit weg von der absoluten Moderne.» Allerdings hätten die Codes seines Erachtens in Aarau auch keine Priorität. Der Detailhandel müsse sich vielmehr darum kümmern, wie man in der Altstadt etwa die Kundenfrequenz erhöhen könne. Für manche kleine Geschäfte mit einer Verkaufsfläche zwischen 60 und 90 Quadratmetern gehe es schlicht darum, zu überleben.

Als Zentrumspräsident sieht Suter den grössten Nutzen von neuzeitlichen Informationskanälen in Aarau jedoch, wenn der Auftritt ganzheitlich geschieht: «Der QR-Code müsste nicht nur zu Informationen über Geschäfte, sondern auch über Restaurants oder das Kunsthaus führen.» Das wiederum benötige Ressourcen. Ressourcen, die der Verein mit einem Budget von 60000 Franken nicht einfach aufbringen kann. Marcel Suter ist überzeugt: «Informationen in QR-Codes müssen nicht nur gut gemacht, sie müssen auch regelmässig aktualisiert werden.»

Ein Schritt Richtung Zukunft

Peter Kotz, Inhaber der Interurban AG in Zürich und Stadtentwickler mit Kernkompetenz Nutzung und Identität, kennt die Situation in Aarau aufgrund verschiedener Beratungsmandate für die Stadt und auch für den Verein Zentrum. «Mit QRCodes in den Schaufenstern», sagt er, «informiert man Leute, die sowieso schon vor Ort sind.»

Viel wichtiger sei es für Aarau aber, das ganze Einzugsgebiet zu erreichen, – also rund 130000 Menschen, die das städtische Angebot nutzen. Und damit kommt er zum gleichen Schluss wie Marcel Suter: «Die Informationen müssen online in einer Plattform zusammengefasst werden.» Ein einziger QR-Code für diese Plattform der gesamten Stadt würde mehr Sinn machen.

QR-Codes in den Schaufenstern gesteht er immerhin zu, ein Schritt auf dem Weg in die Zukunft zu sein – auch weil es sich dabei um einen Informationskanal handle, der junge Leute anspreche.

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