Aarau
Kaufvertrag, Baugesuch, Abstimmung: So geht es jetzt weiter im Stadion-Krimi

Jetzt ist endlich klar, wie es in der Aarauer Stadionfrage konkret weitergeht. Läuft alles nach Plan und Wunsch der Beteiligten, kommt der nächste Schritt schon im April und Ende 2021 kann gebaut werden.

Nadja Rohner
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Der Plan B Stadion mit Hochhäusern soll umgesetzt werden.

Der Plan B Stadion mit Hochhäusern soll umgesetzt werden.

© 2014 nightnurse images, Zürich

«Das ist kein Grund zum Jubeln», machte Stadtrat Hanspeter Thür schon in den ersten zwei Minuten der Pressekonferenz klar. Zwar haben sich in den letzten zwei Wochen die Akteure rund ums neue Stadion (Stadt, Bauherrin HRS, FC Aarau und «meinstadion.ch») endlich zusammengerauft und einen gemeinsamen «Letter of intent» unterzeichnet. Dieser besagt, dass nun alle hinter dem «Plan B» stehen – also ein Stadion, querfinanziert durch vier Hochhäuser statt wie ursprünglich geplant durch eine Mantelnutzung mit Einkaufszentrum. Thür: «Wir haben nur eine Chance, den ‹Plan B› umzusetzen, wenn er von allen Beteiligten unterstützt wird.» Aber ob die neu vereinte Schicksalsgemeinschaft es schaffen wird, das Steuer herumzureissen, wird sich erst noch zeigen. «Es gibt noch einige Hürden – und die höchste ist das Stimmvolk», so Thür.

Der Grobterminplan des Stadtrats geht vom «Worst Case»-Szenario aus: dass alle politischen und baurechtlichen Möglichkeiten, das Projekt zu torpedieren, ausgeschöpft werden. Falls dies geschieht – und die Stadionbefürworter gleichwohl obsiegen – könnte die neue Arena im Jahr 2023 bezugsbereit sein.

Viele Meilensteine, viele Risiken

Wie geht es weiter? «Der Prozess läuft auf zwei Schienen», erklärt Stadtrat
Daniel Siegenthaler. «Und bei jedem Meilenstein besteht das Risiko, dass das Projekt scheitern kann.» Der Stadtrat wird am 3. April die Teilrevision der Nutzungsplanung behandeln. Sie ist für den Bau der Hochhäuser nötig. Sobald der Stadtrat das Dossier verabschiedet hat, wird es öffentlich aufgelegt. Dann sind auch Einsprachen möglich. Die Nutzungsplanungsrevision braucht einen politischen Entscheid: zuerst vom Einwohnerrat (im Herbst) und dann wohl vom Volk. Denn der Stadtrat will den Beschluss dem obligatorischen Referendum unterstellen. «Erstens, um die demokratische Legitimation des Projekts zu erhalten», so Hanspeter Thür. «Zweitens gewinnen wir so drei Monate auf der sehr knappen Zeitachse.» Die Urnenabstimmung wird Ende 2018 oder Anfang 2019 stattfinden.

Parallel zur politischen Diskussion laufen baurechtliche Verfahren. Für den Bau der Hochhäuser braucht es eine Anpassung des Gestaltungsplans «Torfeld Süd». Diesen will der Stadtrat voraussichtlich im kommenden Juni in die kantonale Vorprüfung geben und gleichzeitig das Mitwirkungsverfahren starten. Bis Ende Jahr soll der bereinigte Gestaltungsplan abschliessend vorliegen.

Es braucht ausserdem zwei Baugesuche – eines für die vier Hochhäuser und eines für das leicht geänderte Stadion. Letzteres muss die Bauherrin HRS bis im September einreichen, dasjenige für die Hochhäuser bis im Frühling 2019.

Die HRS baut das Stadion und verkauft es dann der Stadt. Bisher besteht aber nur ein Vor-Verkaufsvertrag. Der Stadtrat besteht darauf, dass der definitive Vertrag spätestens im August rechtsgültig unterzeichnet wird. Vorher steht ein anderer Termin an: Bis spätestens 17. Mai muss die HRS mit den Abbrucharbeiten im Torfeld Süd beginnen – sonst verfällt die alte, aber noch rechtskräftige Stadion-Baubewilligung, was zu weiteren Verzögerungen führen würde.

Die nächsten Schritte:

- Der Stadtrat behandelt am 3. April 2018 die öffentliche Auflage der Teilrevision Nutzungsplanung Stadion.

- Die HRS verpflichtet sich, bis spätestens 17. Mai 2018 mit den Abbrucharbeiten zu beginnen. So kommt es nicht zu einem Verfall der bestehenden Baubewilligung.

- Der Stadtrat gibt spätestens einen Monat nach Vorliegen des Gestaltungsplanentwurfs (voraussichtlich Juni 2018) den angepassten Gestaltungsplan «Torfeld Süd» in die kantonale Vorprüfung und startet das Mitwirkungsverfahren.

- Der definitive Kaufvertrag zwischen der Stadt Aarau und der HRS für das Stadion wird spätestens im August 2018 rechtgültig unterzeichnet. Ein Entwurf liegt vor der Sommerpause vor.

- Die HRS reicht das revidierte Baugesuch für das Stadion spätestens im September 2018 bei der Baubewilligungsbehörde ein.

- Die Bereinigung des angepassten Gestaltungsplans Torfeld Süd nach der öffentlichen Auflage ist bis Ende Dezember 2018 abgeschlossen.

- Die Volksabstimmung die Teilrevision Nutzungsplanung als Voraussetzung für den Stadion- und Hochhausbau findet Ende 2018/Anfang 2019 statt.

- Die HRS reicht das komplette Baugesuch für die vier Hochhäuser spätestens im Frühjahr 2019 bei der Baubewilligungsbehörde ein.

- Sollte die HRS, obwohl Stadion und Hochhäuser bis spätestens Ende 2021 rechtskräftig bewilligt sind, nicht innert drei Monaten mit dem Bau des Stadions beginnen, so entschädigt die HRS die Stadt Aarau mit einem Pauschalbetrag von 2 Mio. Franken für angefallene Planungskosten. Die Entschädigung wird fällig, sobald die planungsrechtlichen Grundlagen eine Neubebauung ohne Stadion zulassen. (roc)

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