Frick/Laufenburg
Katzenjammer im Fricktal und grosse Freude in Aarau

Die nationale Stromgesellschaft Swissgrid zügelt bis 2016 in einen Neubau drei Fussminuten vom Bahnhof Aarau entfernt. Dort freut man sich über den Zuzug. Im Fricktal jedoch ist die Enttäuschung gross.

Hans Lüthi
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Die Swissgrid kommt an die Bleichemattstrasse in Aarau.

Die Swissgrid kommt an die Bleichemattstrasse in Aarau.

Chris Iseli

Die nationale Stromgesellschaft Swissgrid verlegt ihren Firmensitz von Frick und Laufenburg nach Aarau. Das bedeutet eine Verlagerung aller 370 Arbeitsplätze, was für das Fricktal schmerzlich ist. «Für eine optimale Erfüllung der künftigen Aufgaben suchten wir einen zentralen Standort», bestätigt Swissgrid-Sprecher Thomas Hegglin einen Bericht der «Neuen Fricktaler Zeitung».

Gesucht habe man nicht nur im Aargau, sondern weit darüber hinaus, «aber Aarau hat sich für die Erreichbarkeit aus der ganzen Schweiz als bester Standort ergeben», betont Hegglin. Eine wichtige Rolle spielt der öffentliche Verkehr: Der neue Swissgrid-Firmensitz ist nur drei Fussminuten vom Bahnhof entfernt, an der Bleichemattstrasse. Hier befand sich der Hauptsitz der Electrolux, die nach Sursee gezogen ist.

Umzug bis 2016 in einen Neubau

Die Swissgrid muss die Schweizer Stromautobahnen (Höchstspannung) bis Anfang 2013 übernehmen. Seit der Gründung 2005 ist der nationale Netzbetreiber stark gewachsen. Deshalb befindet sich schon jetzt die Hälfte der 370 Arbeitsplätze nicht mehr in Laufenburg, sondern beim Bahnhof in Frick.

Dazu kommt ein weiterer Sitz in Vevey. «Das Ziel für einen einheitlichen Standort bestand schon längere Zeit, entschieden haben wir nach rein sachlichen Kriterien», so Hegglin. Das Gelände in Aarau gehöre der Credit-Suisse-Anlagestiftung, die auch den nötigen Neubau erstellen werde. Die Swissgrid will 2016 als Mieterin hier einziehen.

«Für Aarau eine tolle Sache»

«Für uns ist das eine tolle Sache, wir waren schon länger mit der Swissgrid-Leitung in Kontakt», freut sich der Aarauer Stadtammann Marcel Guignard. Absolut verständlich, denn es geht um 370 hochkarätige Arbeitsplätze in einer Branche mit Potenzial zum Wachstum. Die Stromnetze sind veraltet und müssen in den nächsten Jahren für viele Milliarden von Franken erneuert werden. «Die Zahl der Mitarbeitenden wird jetzt nicht mehr stark steigen», erklärt der Swissgrid-Sprecher.

Das Unternehmen habe zunehmend Mühe, genügend Fachleute im IT-Bereich und Netzspezialisten zu rekrutieren. Der Entscheid zeige, dass Aarau gute Karten habe, man könne aus der ganzen Schweiz hierher und am gleichen Tag nach Hause reisen, unterstreicht Guignard. Bei der Suche nach einem idealen Grundstück habe die Stadt unterstützend geholfen.

Laufenburg und Frick enttäuscht

Für Laufenburg ist der Entscheid besonders schlimm, weil sich hier seit Jahrzehnten die Zentrale für die Europäische Stromversorgung befindet. Schon 1957 wurde die Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg (EGL) gegründet, ein Jahr später kam es zum Zusammenschluss der Netze von Deutschland, Frankreichs und der Schweiz. Die EGL zog nach Dietikon, die Netze gingen erst an die Etrans, danach an die Swissgrid.

«Vor zwei Jahren wurde für mehrere Millionen Franken eine neue Kommandozentrale gebaut, die kaum für andere Zwecke nutzbar ist», bedauert der Laufenburger Stadtammann Rudolf Lüscher. «Für uns ist das schlimm, wir verlieren auch die Bedeutung als wichtiger Energiestandort», betont Lüscher. Gemeinsam mit Frick habe man gekämpft, «aber das Swissgrid-Management wollte nicht Fuss fassen und möglichst schnell weg». Grosses Bedauern auch in Frick, «aber wir sind guten Mutes, dass in Bahnhofnähe neue Arbeitsplätze entstehen», meint Ammann Anton Mösch.

Mit der Verlagerung der Leitzentrale verliert der «Stern von Laufenburg» viel Leuchtkraft und Aarau wird zur Stromdrehscheibe – obwohl die Leitungen am Rhein bleiben.

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