«Ich mag Tiere; man braucht doch etwas zum Knuddeln und Liebhaben», sagt die 68-jährige Ingrid Homering aus Friedrichshafen am Bodensee. Seit sie allein lebt, züchtet sie Katzen. Maxi Huber, ihr elfjähriger Enkel aus München, ist an der internationalen Katzenausstellung in der Schachenhalle auf Schatzsuche – ein Suchspiel für die Kinder.

Wer glaubt, Katzenhaltung und Zucht, ja das Schmusen mit den Tieren, sei den Frauen vorbehalten, täuscht sich gewaltig. Und wer denkt, da würden Katzen ausgenützt, irrt abermals, denn auch die Katzen suchen die Nähe der Menschen, um sich schnurrend anzuschmiegen. Eine Win-Win-Situation quasi.

Auf der Hängematte

Es liegt ein feiner Geruch in der Hallenluft. Trockenfutter und ein dezenter Schuss Katzenpisse? Die Käfige sind recht komfortabel eingerichtet. Katzenklo, klar. Und Gefässe für Futter und Wasser. Einige geniessen gar einen Käfig mit Teppich. Ein Tiger fläzt sich auf der Hängematte. Nichts da von unzufriedenem Maunzen, und die Kinder, die miauend die Katzen dazu bewegen wollen, Laut zu geben, haben selten Erfolg. Die meisten Tiere dösen, liegen wie der Löwe im Zoo, andere spielen mit ihrer Fellmaus.

Daniela und Pascal Schneiter aus Schönenwerd gehen mit ihren Kindern Livia und Julia durch die Ausstellung. «Wir haben seit Kurzem eine Bauernhofkatze», sagt der Vater. Der Hintergedanke: Die Kinder sollen den Umgang mit Tieren lernen. Heute staunen sie ob der Vielfalt der Katzenwelt: nackt, zierlich, massig, langhaarig, fledermausohrig. Und erst die Farbenvielfalt!

Durchwegs Wohnungskatzen

«Maine Coon von Schattenburg», steht auf dem T-Shirt eines Züchters. «Maine Coon ist die Rasse», erklärt Rainer Gohm aus Feldkirch. Er hat zwei Stunden Fahrt auf sich genommen, um mit einer Katze nach Aarau zu reisen. Wie alle Katzen an der Ausstellung keine Freilaufkatze. «Die Katzen, die nichts anderes kennen, wären in Freiheit verloren», sagt er. Zudem: Einen potenten Kater frei wirken zu lassen, wäre Perlen vor die Säue geworfen. Oder so. «Ich wollte eine Bauernhofkatze aus dem Tierheim», sagt OK-Präsidentin Mandy Friedrich-Kahl. Doch da sie an einer Strasse wohnt, habe man ihr von einem «Freigänger» abgeraten. Sie züchtet nun Ragdolls: «Wir haben alle zwei Jahre einen Wurf.» Sie weiss: Hauskatzen sind Familienmitglieder; manche teilen sogar das Bett mit dem Menschen.

«Excellent», sagt Richter Stéphane Henry aus Frankreich. Er prüft das Tier, hebt es hoch, streicht übers Fell, beurteilt mit geübten Augen und erfahrener Hand die Proportionen: Schwanzlänge, Schnauze, Ohren, Augen, Hals, Beine, Pfoten, Körperfarbe, Reaktion auf Spielreize. «Etwas schwer, er isst gern», sagt der Besitzer. «He enjoys life», lacht der Richter. Eine internationale Jury: Man hört vorab englische und französische Kommentare. Wohlwollend zwar, doch es muss Sieger geben. «Very promising», meint Richterin Anna Paloluoma aus Finnland zu einem jungen Tier, das sich noch Richtung Idealbild, an dem die Katzen rassenspezifisch gemessen werden, entwickeln kann.

750 Euro für ein Baby

«Wir haben Devon Rex Kitten», ist auf einem Schild über einem Käfig zu lesen. Katzenzucht ist auch ein Geschäft. «Eine Katze ist mit Gold nicht aufzuwiegen», sagt Petra Schulz aus dem süddeutschen Teningen. Sie meint den Charakter einer Katze. Darum verkaufe sie ihre norwegischen Waldkatzen nur an Liebhaber. «Babies» kosten bei ihr 750 Euro, «alles inbegriffen: kastriert, entwurmt, gechipt». An den Ständen, für die Organisatoren auch Einnahmequelle, kann man alles haben, was Menschen Katzen gönnen: Kletterbaum, Futter, Spielsachen aller Art, Katzenstreu, aber auch Bilder, Behausungen und Essgeschirr, Staubsauger und Pflegebürsten. Und Katzenminze und Baldrianmäuse: Das rege den Spieltrieb an. Bei Helena Schmid aus Fischbach-Göslikon können sich Katzen für ihren Auftritt vor der Jury frisieren lassen. Alles für die Katz?