Region Aarau
Katholiken führen Jugend-Beratungsdienst vorläufig weiter

Nach dem Ausstieg der Reformierten finanziert die katholische Kreiskirchgemeinde den Regionalen Jugendberatungsdienst Aarau alleine weiter – jedoch nur vorläufig.

Pascal Meier
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Internetsucht ist eine der Probleme, warum Jugendliche beim RJD Hilfe suchen.

Internetsucht ist eine der Probleme, warum Jugendliche beim RJD Hilfe suchen.

KEYSTONE

Vor etwa einem Jahr konnte der Regionale Jugendberatungsdienst Aarau, kurz RJD, einen runden Geburtstag feiern. Seit 40 Jahren kümmert sich das Team der Beratungsstelle an der Aarauer Feerstrasse 4 um Kindern und Jugendliche mit Problemen. Bezahlt wird der kostenlose Dienst von der katholischen Kreiskirchgemeinde Aarau und den reformierten Kirchgemeinden des Dekanats Aarau, die dafür 1964 eine Partnerschaft eingegangen waren – in einer Zeit, als Ökumene in anderen Bereichen des kirchlichen Lebens noch undenkbar war. Die Zusammenarbeit hatte praktische Gründe: Jugendlichen beider Kirchen drückte der Schuhe an denselben Stellen. Und Beratungsstellen gab es noch wenige.

Ausgerechnet zum runden Geburtstag schlitterte der Regionale Jugendberatungsdienst Aarau in die Krise. Denn unter den Gratulanten waren auch Gäste, denen wenig zum Feiern zumute war: Vertreter der reformierten Kirchgemeinden bezweifelten, dass es die Beratungsstelle noch braucht. Denn anders als in den 1970er-Jahren, als der Dienst eine Pionierleistung war, führen heute Gemeinden soziale Dienste, an den Schulen wirken Sozialarbeiter und viele weitere Institutionen bieten Rat. Auch diverse Kirchgemeinden hatten in der Zwischenzeit eigene Angebote für Jugendliche aufgebaut.

Die zehn reformierten Kirchgemeinden zogen sich deshalb per Ende 2014 geschlossen vom Jugendberatungsdienst zurück. Der Trägerverein auf reformierter Seite wurde aufgelöst und den Katholiken ein Restbetrag überwiesen, um den Betrieb bis Ende 2015 aufrechterhalten zu können.

Die katholische Seite erhielt dadurch Zeit, um eine Lösung zu finden. «Wir sind nach wie vor überzeugt, dass der Jugendberatungsdienst absolut notwendig ist», sagte Anita Panzer, Medienverantwortliche des Pastoralraums Region Aarau, nach dem Entscheid der reformierten Kirchgemeinden. Der Dienst sei niederschwellig, unbürokratisch und die Beratungen anonym und kostenlos.

Was passiert nach 2017?

Eine Lösung hat die Katholische Kreiskirchgemeinde in der Zwischenzeit noch nicht gefunden, jedoch sind erste Entscheide gefallen: Wie die Kreiskirchenpflege auf Anfrage mitteilt, wird der Regionale Jugendberatungsdienst über das Jahr 2015 hinaus weitergeführt. Die Kreiskirchgemeinde werde dazu für die Jahre 2016 und 2017 wie bisher 160 000 Franken ins Budget aufnehmen. Die reformierte Kirchgemeinden haben zudem nochmals eine Geldspritze von 33 000 Franken für das Jahr 2016 gesprochen. Bis zum Ausstieg hatten sich die Reformierten ebenfalls mit jährlich rund 160 000 Franken an der Beratungsstelle beteiligt. «Damit kann Beratungsdienst vorläufig in reduzierter Form weitergeführt werden», sagt Rita Walker, Präsidentin der Kreiskirchenpflege. Für das Jahr 2017 werde man erneut ein Gesuch an die reformierten Kirchgemeinden für eine Beteiligung stellen. Gibt es kein oder nur wenig Geld, muss das Angebot des Jugendberatungsdienstes nochmals reduziert werden.

Wie es nach 2017 weitergeht, ist unklar. Laut Kreiskirchenpflege prüft eine Kommission Möglichkeiten, wie der Dienst, der pro Jahr rund 100 Jugendliche aller Konfessionen und deren Familien berät, langfristig weitergeführt werden könnte.

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