Aarau
Kasernenareal: So stellen sich Stadt- und Regierungsrat das «Filetstück» vor

Es tut sich was in Sachen Kasernenareal: Stadtrat und Regierungsrat haben sich auf gemeinsame Leitsätze geeinigt. Nun braucht es Geld.

Nadja Rohner
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Das Kasernenareal im Herzen Aaraus soll für die Bevölkerung auch ein Ort der Begegnung werden. (Archiv)
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So sieht das Kasernenareal in Aarau aus.
Das Kasernenareal ist fast so gross wie die Altstadt.
Leitbild

Das Kasernenareal im Herzen Aaraus soll für die Bevölkerung auch ein Ort der Begegnung werden. (Archiv)

Jiri Vurma

Ein gutes Rindsfilet nimmt man nicht einfach aus der Gefriertruhe und knallt es halbaufgetaut in eine alte Bratpfanne mit kaltem Öl. Wer so ein edles Stück Fleisch hat, tut gut daran, es optimal zuzubereiten. Mit dem «Filetstück» der Stadt Aarau, dem Kasernenareal, ist das nicht anders. Obwohl es eigentlich gar nicht der Stadt gehört, sondern grösstenteils dem Kanton. Er hat es an die Armasuisse vermietet.

Ab 2030 steht hier die militärische Nutzung «nicht mehr im Vordergrund», wie sich die Verantwortlichen am liebsten zitieren lassen. Will heissen: Ob das Militär dann ganz abzieht, steht in den Sternen. Aber sicher ist: Das Kasernenareal soll spätestens ab dann für die Bevölkerung offen sein. Stadt und Kanton planen schon heute die Zukunft des Kasernenareals gemeinsam – und zwar so sorgfältig, wie es sich für ein Filetstück gebührt.

Soeben ist die Phase 2 dieses Prozesses abgeschlossen worden. Das Produkt: Ein gemeinsames Leitbild zur Arealentwicklung mit elf Leitsätzen (siehe Text links). Dafür hatte der Einwohnerrat vor über einem Jahr 50 000 Franken gesprochen. Erarbeitet wurde das Leitbild im Rahmen von zwei öffentlichen Forumsveranstaltungen – also «bottom up» vom Volk.

Quo Vadis, Kasernenareal? - Das ist das Leitbild

Die künftige Entwicklung des Kasernenareals stellt sich auf ein Leitbild mit elf Leitsätzen ab. Es wurde im Rahmen von zwei öffentlichen Workshopveranstaltungen erarbeitet. Das Kasernenareal soll ein einzigartiger Baustein des Stadtzentrums und des Kantonshauptortes sein. Gewünscht wird ein gemischtes und vielfältiges Quartier mit starker Identität. Im Zentrum des Kasernenenareals befindet sich heute der Exerzierplatz. An seiner Stelle soll eine städtische Piazza als «Genius Loci» entstehen. Es wird Wert gelegt auf eine hochwertige städtebauliche und architektonische Umsetzung. Dabei soll historische Bausubstanz erhalten bleiben, damit eine Kombination von Alt und Neu entsteht. Angestrebt wird eine Verdichtung mit Raum für vielfältige, auch nicht-kommerzielle Nutzungen. Die momentan heiss diskutierte Reithalle mit Theater und Konzertsaal soll als als wichtige Chance genutzt werden. Das Kasernenareal soll nicht «auf einen Chlapf», sondern sukzessive für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, im Sinne einer schrittweises Aufwertung und Öffnung durch Aktivitäten und Pionierprojekte. Für die Erschliessung ist ein urbanes Mobilitätskonzept vorgesehen. Die Umsetzung und Entwicklung passiert in Zusammenarbeit von Stadt und Kanton, wichtig dabei ist die Partizipation und ein transparenter Planungsprozess. (NRO)

300 000 Franken beantragt

Das Leitbild bildet die Grundlage für die nächsten Phasen 3 (Testplanung und Masterplan) und 4 (Anpassung der Planungsgrundlagen). «Die städtebauliche Untersuchung soll unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten, deren Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und weitere Umsetzung klären», heisst es in einer ebenfalls gestern publizierten Mitteilung des kantonalen Departements Finanzen und Ressourcen. Für die nächsten Phasen beantragt der Stadtrat beim Einwohnerrat wieder einen Kredit. 300 000 Franken sollen es sein. Ebenso viel zahlt der Kanton. «Die komplexe Ausgangssituation, die anspruchsvolle Planungsaufgabe und die Einbindung der Interessenträger» erfordern diesen finanziellen Aufwand, teilte der Stadtrat gestern mit. Und er betont: «Die Arealentwicklung schafft vielfältige Mehrwerte im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und städtebaulichen Sinn.»

Es seien bereits Nutzungspotenziale ermittelt worden, die aufgezeigt hätten, dass «eine Verdoppelung der heutigen Nutzflächen möglich ist, ohne die historische Substanz und den grosszügigen Platz übermässig zu beeinträchtigen». Da die Wertschöpfung mit dem Flächenangebot korreliere, werde sich dies positiv auf Stadt und Kanton auswirken. Dass mit der Planung bereits 15 Jahre vor dem Auszug des Militärs begonnen wird, begründet der Stadtrat so: «Der für das Projekt notwendige Einbezug der Bevölkerung und der betroffenen Liegenschaftsbesitzer in der unmittelbaren Umgebung ist nur möglich, wenn dem Projekt genügend Zeit gewidmet wird.»

15 Jahre seien im Vergleich mit der Lebensdauer von Bauten eine kurze Zeit. Das Planungsresultat müsse aufzeigen, wie flexibel auf unterschiedliche Szenarien reagiert werden könne. Der Kanton verspricht: «Die Bevölkerung wird auch während der nächsten Phasen die Möglichkeit erhalten, sich im Rahmen von Forumsveranstaltungen aktiv in den weiteren Planungsprozess einzubringen.»

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