Der Mangel an qualifiziertem Personal scheint beim Kantonsspital Aarau derart akut zu sein, dass es zu einer unkonventionellen Rekrutierungsmethode greifen muss: Die Mitarbeiter sollen neue Leute anwerben. Dafür werden sie mit einer Prämie von bis zu 1000 Franken belohnt. Die Aktion läuft seit Anfang April. Bisher ist eine Pflegeassistentin wieder in ihren Beruf eingestiegen.

Das Spital verweist auf die Privatwirtschaft, in der dieses Mittel der Rekrutierung schon länger angewandt wird. Dass damit Personal bei anderen Aargauer Spitälern abgeworben werden könnte, ist zwar nicht «unsere primäre Ausrichtung, aber möglich», sagt Mediensprecherin Andrea Hopmann. Ob die neuen Mitarbeiter von anderen Kantonen oder gar vom Ausland kommen, sei «egal». Wichtig sei nur die berufliche Qualifikation. Derzeit sind beim Kantonsspital 72 offene Stellen ausgeschrieben. Bei allen anderen Spitälern im Aargau ist es nur ein Bruchteil davon.

Politiker halten nichts davon

Die Politik, die immer noch die Aufsicht über die Spitäler innehat, hält nicht viel vom Prämienmodell. «Das sind fragwürdige Methoden», sagt SP-Grossrätin Barbara Roth, welche die Gesundheitskommission präsidiert. Zudem müsse man nachhaken, «wieso beim Kantonsspital so viele Stellen offen sind». Auch für SVP-Grossrat Hans Dössegger ist es «nicht der Hit», wenn das Kantonsspital Aarau auf diese Weise von anderen Aargauer Betrieben Leute abwerben würde. «Das Kantonsspital steht wohl mit dem Rücken zur Wand», sagt der Präsident des Vereins Vaka, der die Interessen der Spitäler im Kanton vertritt. Dössegger befürchtet, dass plötzlich andere Spitäler unter Zugzwang kommen und ähnliche Massnahmen ergreifen müssen. «Wenn es am Schluss alle machen, dann bringt es nichts mehr.»

Tatsächlich ist diese Vermutung nicht weit hergeholt. Das andere Spital auf dem Platz Aarau, die Privatklinik Hirslanden, zahlt ihren Mitarbeitern seit Jahren 1000 Franken, wenn sie neue Leute anwerben. «Der Arbeitsmarkt bei Mitarbeitern mit Spezialausbildungen ist sehr kompetitiv», sagt Sprecher Tobias Faes. Es komme immer wieder vor, dass Mitarbeiter zwischen den beiden Spitälern in Aarau wechseln.

Regionalspital will nachziehen

Kurz vor der Einführung einer Prämie steht die Asana Gruppe mit den beiden Regionalspitälern in Leuggern und Menziken. Noch offen ist die Höhe. «Wir hoffen, dass der eine oder andere Spitalangestellte noch vor den Sommerferien zu uns wechselt», sagt CEO Alfred Zimmermann. Mit Prämien für Mitarbeiter Jagd auf qualifiziertes Personal zu machen, hält er für wirtschaftlicher, als etwa Inserate zu schalten oder ein Vermittlungsbüro einzusetzen.

Andere Spitäler im Aargau sehen noch davon ab, ebenfalls eine Prämie einzuführen. «Wir setzen auf die hohe Zufriedenheit am Arbeitsplatz, um Abwerbungen zu verhindern», sagt Katharina Hirt vom Gesundheitszentrum Fricktal mit den beiden Standorten in Laufenburg und Rheinfelden. Auch das Kantonsspital Baden, das vor Jahren auch schon mal eine Prämie an die eigenen Mitarbeiter bezahlt hat, sieht derzeit keinen Bedarf dazu. «Dass einzelne Angestellte abgeworben werden, ist möglich», sagt Sprecher Stefan Wey. «Wir rechnen aber nicht mit einem Massenexodus.»