Aarau

Kantonsspital Aarau: Lange Wartezeiten und unbesetzte Notaufnahme

Die KSA-Notfallpraxis am Bahnhof Aarau

Die KSA-Notfallpraxis am Bahnhof Aarau

Lange Wartezeiten in der KSA-Notfallpraxis am Bahnhof und eine nicht besetzte Notaufnahme am Spital: Heinz Zaugg bringt seine kranke Tochter kurzerhand in die Privatklinik Hirslanden. Sind Patienten heute zu ungeduldig?

Der Fall ist unangenehm für das Kantonsspital Aarau (KSA): Der Suhrer Heinz Zaugg bringt am letzten Freitag seine Tochter in die Notfallpraxis des KSA am Bahnhof, weil diese 39°C Fieber und Nierenschmerzen hat – eine Nierenbeckenentzündung, wie sich später herausstellen wird.

Dort werden Tochter und Eltern an die Notaufnahme des Kantonsspitals verwiesen, weil in der Praxis am Bahnhof mit eineinhalb Stunden Wartezeit zu rechnen ist. Den Gratis-Taxi-Transport lehnt der Vater ab und fährt seine Tochter selbst zum Kantonsspital. Dort angekommen, ist jedoch der Empfang nicht besetzt. Ein Schild verweist auf ein Telefon, das in solchen Fällen zu benützen sei. «Während einer Viertelstunde ertönte nur das Besetzt-Zeichen», sagt Heinz Zaugg. Darauf habe er seine Tochter in die Klinik Hirslanden gefahren, wo sie «innerhalb weniger Minuten» betreut worden sei.

Nicht 24 Stunden besetzt

Zaugg wandte sich an die Aargauer Zeitung und schrieb, er erwarte, dass der Empfangsschalter für Notfälle 24 Stunden am Tag besetzt ist. Auf den Fall angesprochen, sagt der Leiter des Notfallzentrums, Ulrich Bürgi, er bedaure ausserordentlich, dass die Empfangsperson nicht zur Verfügung gestanden habe. Selbstverständlich würde das KSA versuchen, den Empfang lückenlos zu besetzen. «Es entstehen jedoch gelegentlich Situationen, in denen die Pflegeperson, die den Empfangsdesk betreut, kurzzeitig im Notfallzentrum benötigt wird.» Dies, wenn mehrere Schwerkranke oder Schwerverletzte gleichzeitig eingeliefert würden. Doch der Zuständige würde das Handy ständig auf sich tragen.

Zu ungeduldig, zu ängstlich?

In diesem Fall habe die Familie wenig Geduld gehabt. Dies sei eine Tendenz, sagt Bürgi: «Wir registrieren zunehmend, dass Notfallpatienten keine Geduld für Wartezeiten aufbringen und sehr rasch Beschwerdeschreiben an die Geschäftsleitung und auch Medien versenden.» Dies teilweise aus Ängstlichkeit oder auch häufig «aus fehlendem Verständnis für den Notfallbetrieb». Das sei für die Mitarbeitenden gelegentlich frustrierend.

Ulrich Bürgi veranschaulicht den Betrieb mit den Zahlen des letzten Jahres: Von den total 36 000 Notfallpatienten habe das KSA alle 2200 Patienten in Lebensgefahr und 4000 stark gefährdete «innerhalb von Sekunden bis einer Minute» aufgenommen. 15 300 Patienten seien in den Notfallpraxen im KSA und am Bahnhof behandelt worden. 14 700 Patienten wurden in die Triageklassen 3 bis 5 eingeteilt, was jeweils Wartezeiten von 30 Minuten bis zu zwei Stunden bedeute.

«Wartezeiten sind bei nicht lebensbedrohlichen Krankheiten und Verletzungen unvermeidlich», so Bürgi. Die Anzahl Ärzte, die für eine solche Betreuung nötig wären, könne man nicht beschäftigen. «Das ist unbezahlbar und wird von keiner Notfallstation der Welt gewährleistet.»

Bürgi bestätigt, dass es Patienten gäbe, die den Warteraum aufgrund längerer Wartezeit verliessen. «Es sind dies pro Monat wenige, in der Regel zwei bis fünf.» Andernorts seien die Wartezeiten länger. Die Hirslanden-Klinik hingegen könne Patienten rascher behandeln, da sie keine Notfallpatienten in Lebensgefahr aufzunehmen hätte. Diese würden mit der Ambulanz stets ins KSA transportiert. Das könne Patienten dazu bewegen, von vornherein die Hirslanden-Klinik aufzusuchen. Bürgi nimmt es gelassen: «Das ist ein Verhalten innerhalb unseres Gesundheitsmarktes, das ich gut verstehe und problemlos akzeptieren kann.»

Nicht überall genügend Ärzte

Doch was ist mit den personellen Ressourcen in der KSA-Notfallstation? Dass zu wenig Ärzte angestellt sind, behauptet nicht nur Zaugg, dies ist auch vom Personal zu hören.

Laut Ulrich Bürgi ist der finanzielle Spielraum trotz wachsender Patientenzahlen enger geworden. Seit in der Schweiz die einheitlichen Tarifstrukturen (DRG) eingeführt sind, muss die Station auf eine Million Franken für gemeinwirtschaftliche Leistungen des Kantons verzichten. Dennoch sind von der Geschäftsleitung fünf zusätzliche Notfallärzte bewilligt worden. «In einigen Fachbereichen ist die Anzahl Stellen aber noch immer ungenügend», so Bürgi.

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