Aarau
Kanton lässt nicht mit sich feilschen: Kettenbrücke kostet Aarau 10 Millionen

Die Stadt Aarau muss sich am Neubauprojekt für die Aarebrücke mit 10 Millionen beteiligen. Der Kanton beharrt auf dem Kostenteiler, gemäss dem die Stadt 30 Prozent zu leisten hat.

Hubert keller
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Das Neubauprojekt «Pont Neuf» hat noch nicht alle politischen Hürden genommen. Visualisierung ZVG

Das Neubauprojekt «Pont Neuf» hat noch nicht alle politischen Hürden genommen. Visualisierung ZVG

Visualisierung zvg

Am Tag nach ihrer Wahl zur Stadtpräsidentin am 23. September 2013 musste Jolanda Urech im Einwohnerrat einstecken: Nach heftiger Kritik wies das Stadtparlament den Bruttokredit von 8,9 Mio. Franken für den Ersatz der «Kettenbrücke» zurück. Nun präsentiert der Stadtrat eine Botschaft, die an den ursprünglichen Plänen nichts ändert, diese aber besser begründet. Nichts geändert hat sich insbesondere am Kostenteiler zwischen Stadt (30 Prozent) und Kanton (70).

Die Debatte im September war vor allem vom Spardruck geprägt, der gegenwärtig die städtischen Politiker umtreibt. Die Fraktionen von SVP und FDP sagten generell Nein zum ambitiösen Vorhaben. Aus den Reihen links von der Mitte gingen gleich zwei Rückweisungsanträge ein. Die Grünen orteten zudem Mängel im Bereich Naturschutz und wehrten sich gegen die Rodung von Hecken. Kritisiert wurde das Veloregime und die fehlende zweite Busspur.

Was die Kosten betrifft, wurde der Stadtrat vom Einwohnerrat zum Bittgang beim Kanton verknurrt. Das Resultat der Verhandlungen überrascht nicht: Die Spielräume seien ausgereizt, liess die Regierung verlauten, der Kanton beteilige sich bereits «bis zum maximal möglichen Mass» an den Erstellungskosten.

Wie der Stadtrat in seiner Botschaft an den Einwohnerrat ausführt, sind Einsparmöglichkeiten geprüft wurden. Unter die Lupe genommen wurden die Materialisierung, die Abmessungen, der Umfang des Projektperimeters und die Art der Fundation. Es habe sich dabei bestätigt, dass, so der Stadtrat, «die Baukosten detailliert untersucht, sorgfältig ermittelt und optimiert» worden seien.

Regierungsrat Stephan Attiger, Vorsteher des Departements Bau, verkehr und Umwelt (BVU), wird dahingehend zitiert, dass der Regierungsrat über «neue, objektive und sachliche Gründe» verfügen müsste, um auf den «für die Stadt bereits günstigen Kostenteiler» zurückzukommen.

Für die Velofahrer und Fussgänger ist die Verkehrssituation heute unbefriedigend. Die Verkehrsflächen sind für den Langsamverkehr auf der Brücke zu schmal. Beim Brückenkopf Nord ist der Weg abgewinkelt und unübersichtlich. Vom Uferweg auf der Westseite beim Brückenkopf Nord führt nur eine Treppe hinauf zur Kantonsstrasse. Menschen mit Handicap müssen grosse Umwege in Kauf nehmen.

Das Projekt sieht für den Langsamverkehr markante Verbesserungen vor, die der Stadtrat mit der Botschaft nochmals verdeutlicht: Auf der Unterwasserseite steht Fussgängern und Velofahrern eine in beide Richtungen genutzte Verkehrsfläche zur Verfügung. Auf der Oberwasserseite soll ein geschützter Übergang nur für Fussgänger erstellt werden. Die bestehende Radspur stadteinwärts mit dem Wechsel auf die linke Fahrbahnseite werde von den Radfahrern und von Pro Velo Region Aarau begrüsst, schreibt der Stadtrat. Das System habe sich bewährt und solle beibehalten werden.

Um die Naherholungsgebiete am Aareufer angemessen zu verbinden und die Verkehrswege für den Langsamverkehr attraktiver zu gestalten, sollen auf beiden Flussseiten die Uferwege Richtung Osten und unter der Brücke durch verbreitert werden. Auf der Nordseite würden entlang des Uferwegs neue Bäume gepflanzt, argumentiert der Stadtrat. Diese bildeten einen wertvollen ökologischen Ersatz für Sträucher, die gerodet werden müssten.

Die Stimmrechtsbeschwerde gegen die Erschliessungsstrassen im Torfeld Süd beeinflusst auch die Kredithöhe. In den städtischen Kostenanteil wird mit 10 Prozent nun auch ein Kreditrisiko eingerechnet. Der Anteil der Stadt an den Gesamtkosten von 33 Millionen beträgt nun 9,8 Mio. Franken.