Maturaarbeit
Kantischülerinnen machen es vor: So geht politische Bildung

Die beiden Kantonsschülerinnen Franziska Kähr und Sarah Olsen haben in ihrer Maturarbeit das Thema «politische Bildung» aufgegriffen. Sie zeigen auf, wie politische Bildung aussehen sollte. Für ihre Arbeit haben sie eine blanke Sechs erhalten.

Andrea Weibel
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Sarah Olsen (links) und Franziska Kähr setzen sich mit ihrer Maturarbeit für die politische Bildung ein.

Sarah Olsen (links) und Franziska Kähr setzen sich mit ihrer Maturarbeit für die politische Bildung ein.

Sandra Ardizzone

In der Schweiz hätte jeder die Chance, politisch mitzureden – doch viele interessieren sich nicht dafür. Zu viele, wie die beiden baldigen Maturandinnen der Alten Kanti Aarau, Franziska Kähr (18) und Sarah Olsen (19), finden. Darum haben sie ihre Maturarbeit genau diesem Thema gewidmet: der politischen Bildung.

Ihr Ziel war es, neben der Bestandesaufnahme der momentanen Situation ein eigenes Konzept zu entwickeln, wie speziell bei Jugendlichen das Interesse an der Politik geweckt werden kann.

«Das politische System der Schweiz baut entscheidend auf der Partizipation der Stimmbürger auf. Die erschreckend tiefe Stimm- und Wahlbeteiligung, welche unter jungen Menschen besonders deutlich zu beobachten ist, stellt deshalb eine grosse Herausforderung dar. Doch wie könnte dies geändert werden?», fragen sie sich zu Beginn ihrer Arbeit.

Ihre Antwort: durch mehr politische Bildung in den Schulen. Genauer, indem man die politische Bildung nicht wie bisher und durch den Lehrplan 21 auch weiterhin fächerübergreifend lehrt.

«Denn dadurch fühlt sich keine Lehrperson wirklich dafür verantwortlich, und der politische Unterricht droht, vergessen zu gehen», so Kähr.

JFDP-Initiative fordert Staatskunde

Auf politischer Ebene hat die Junge FDP Aargau 2009 die Aargauische Staatskunde-Initiative lanciert und im Januar 2010 gut 3400 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht. Sie fordern die Einführung eines obligatorischen Fachs Staatskunde an Aargauer Schulen. Die Initiative wurde 2010 jedoch bereits wieder sistiert, weil sie dem Lehrplan 21 eine Chance geben wollten, hiess es seitens der JFDP. Die Staatskunde sollte Teil des Lehrplans werden, habe man ihnen damals zugesichert. Aus Sicht der Jungfreisinnigen ist seither jedoch zu wenig passiert und im Lehrplan 21 sei die Staatskunde nicht als eigenständiges Fach vorgesehen. Nun überlegen sie, ob sie deshalb ihre sistierte Initiative reaktivieren. «Es kommt auf den Lehrplan 21 an. Es gäbe die Möglichkeit, dass wir unser Anliegen damit koordinieren und so die Forderung des Fachs Staatskunde doch noch umgesetzt werden könnte», erklärt Jan Severa, Finanzchef der JFDP. Derzeit eruiere die Partei mit dem Kanton das weitere Vorgehen. (aw)

Darum schlagen die beiden engagierten jungen Frauen vor, die politische Bildung mit dem Fach Geschichte zu vereinen, dem im Stundenplan dafür eine zusätzliche Wochenlektion zugesprochen werden soll.

Beide Autorinnen der Arbeit haben das Glück, sowohl daheim am Küchentisch als auch in der Bezirksschule in die politische Diskussionstradition eingeführt worden zu sein.

Doch auch Jugendliche ohne politisch interessierte Familien sollten dieselben Chancen haben wie sie. Interesse könne aber nicht allein dadurch sichergestellt werden, indem politische Bildung in den Lehrplan aufgenommen werde.

«Darum schlagen wir vor, dass die mündliche Partizipation benotet werden sollte. So müssten sich auch unpolitische Schüler aktiv mit den Themen beschäftigen und mitdiskutieren. Und so wäre die Möglichkeit auch grösser, dass ihr Interesse an politischen Themen geweckt wird», erklärt Olsen ihr Konzept.

Dies in Diskussions- und Aktualitätsblöcken. «Denn nur, wenn man das Gelernte auch direkt mit aktuellen Themen verbinden kann, wird es wirklich greifbar und somit spannend», verdeutlicht Kähr. Diese Blöcke sollten durch Wissensblöcke mit schriftlichen Prüfungen unterstützt werden, schlagen die Maturandinnen vor.

Für die 47-seitige Arbeit haben die Schülerinnen aus Aarau und Erlinsbach 14 Interviews mit Politikern von links bis rechts, mit Fachexperten und Vertretern des kantonalen Bildungsdepartements, aber auch mit zwei Lehrpersonen und zwei Schülern geführt und ausgewertet. Darunter sechs Aargauer Nationalräte plus Ständerätin Pascale Bruderer.

Die Ergebnisse daraus bildeten die Grundlage für ihr Konzept. «Die Interviews haben uns zudem neue Sichtweisen eröffnet», hält Olsen fest.

Leider habe eine Maturarbeit jedoch kaum politische Schlagkraft, das ist Kähr und Olsen bewusst. «Jedoch möchten wir den Menschen zeigen, wie wichtig die politische Bildung für uns alle ist», sind sie sich einig.

So möchten sie sich weiterhin politisch einbringen, sei das bei Wahlen und Abstimmungen wie die künftige Jus-Studentin Kähr, die sich bereits im Bewerbungsverfahren für die Universität Cambridge befindet, oder als aktives Parteimitglied wie die baldige Betriebswirtschaftsstudentin Olsen.

Für ihre aufwendige Arbeit haben sie übrigens eine blanke Sechs erhalten.

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