Aarau

Kandidatin: «Wenn es wehtut, rede ich mit meinen Katzen»

Wer sind sie? Walter Vogt im Gespräch mit Angelica Cavegn Leitner (Pro Aarau, Mitte) und Regina Jäggi (SVP). Kel

Wer sind sie? Walter Vogt im Gespräch mit Angelica Cavegn Leitner (Pro Aarau, Mitte) und Regina Jäggi (SVP). Kel

Regina Jäggi und Angelica Cavegn Leitner, die beiden Kandidatinnen für das Vize-Stadtpräsidium, äussern sich im Krone-Talk über ihr Gegenüber. Trotz der politischen Gegensätzlichkeit begegnen sie sich mit Respekt und Verständnis.

«Sie ist direkt, erfahren und pragmatisch», sagte Angelica Cavegn Leitner über Regina Jäggi. Und Jäggi beschrieb ihre Konkurrentin im Kampf um das Vizepräsidium im Stadtrat als fantasievoll, spontan, kommunikativ und fröhlich. Nein, als Konkurrentin von Jäggi fühle sie sich nicht, sagte Cavegn, vielmehr gehe es darum, den Wählerinnen und Wählern in einer demokratischen Ausmarchung eine Wahl zu ermöglichen.

Walter Vogt hatte zum Krone-Talk gestern Sonntag die zwei Frauen zusammengeführt, die als gewählte Stadträtinnen das Amt der Vizepräsidentin anstreben. Naheliegend wäre gewesen, die politischen Standpunkte gegeneinander auszuspielen, doch Vogt ging es darum, den drei Dutzend aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörern die Personen näher zu bringen.

Über Politik wurde dennoch vor allem geredet, mehr aber über den politischen Umgang oder die Wirkungen des Wahlkampfs und des Amts auf Privatleben und persönliches Umfeld.

Einander gutgesinnt

Das Publikum lernte zwei Frauen kennen, die sich bei aller politischer Gegensätzlichkeit – Cavegn gehört Pro Aarau an, Jäggi der SVP – gutgesinnt sind, die einander mit Verständnis und Respekt begegnen. Als die Mikrofone abgeschaltet waren und der Apéro das Interesse des Publikums fand, legte die eine den Arm um die Schultern der andern. Zuvor hatte Regina Jäggi noch gemeint: «Im Amt wird nicht Parteipolitik gemacht, sondern Sachpolitik.» Da gehe es um das Wohl der Stadt und ihrer Menschen.

Drei Bisherige, drei Neue und mit Jolanda Urech eine SP-Frau an der Spitze: Regina Jäggi wollte nicht aus dem Nähkästchen plaudern, doch erwartet sie, dass der Stadtrat in seiner neuen Besetzung diskursiver wird, dass eine neue gute Streitkultur möglich wird.

Mit der neuen Gemeindeordnung sei zudem das Geschäftsführungsmodell eingesetzt worden, das den Stadträten in ihren Zuständigkeitsbereichen mehr Verantwortung einräume. Vorher hatten die Chefbeamten die Projekte bis zur Entscheidungsreife betreut.

«Das war ich nicht gewohnt», sagte Jäggi, die vorher als Gemeindeammann von Rohr über mehr Verantwortung und mehr Kompetenzen verfügte. «Die Mitarbeitenden im Rathaus freuen sich auf uns», sagte Angelica Cavegn, «aber ich spüre auch grosse Erwartungen.»

«Man gehört der Öffentlichkeit»

Ob nicht auch narzisstische Gefühle befriedigt würden, wenn man sich jeden Tag von Plakaten lächeln sehe, wollte Walter Vogt wissen. «Auf den Plakaten sieht man die Falten im Gesicht nicht so gut», meinte Jäggi lachend, «aber sonst, nein.»

«Man wird zur Person der Öffentlichkeit», sagte Cavegn. Was hat sie an? Was macht sie? Die Leute seien interessiert an einem, kämen auf einen zu, hätten etwas zu berichten. Das sei spannend. Wenn die Kritik persönlich werde, auf die Person ziele, mache sie zu.

«Mit der Zeit habe ich mir ein dickes Fell zugelegt», sagte Jäggi. Und dennoch, mit persönlichen Angriffen umzugehen, sei nicht immer einfach. «Es gibt Momente, wo es wehtut.» Dann redet Jäggi mit ihren zwei Katzen. «Denen kannst du alles sagen, sie tragen es auch nicht weiter, sie sind sehr verständnisvoll». (Humor haben beide Frauen.)

Angelica Cavegn geht mit ihrem Hund laufen, um Balance zu finden. «In der Natur kann ich die Gedanken ordnen.» Oder sie zieht sich nach Sedrun zurück, in die Berge, wo alles etwas gemächlicher und ruhiger sei.

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