Die Metzgergasse hat ein neues Café. Ein kuschelig kleines, da passt der Name wie angegossen: «Näscht». Rücken die Besucher ganz eng zusammen, passen knapp 35 rein. An die Eröffnung letztes Wochenende kamen über 200.

Betreiber des Lokals sind sieben Mitglieder der Firma «Nurf Culture GmbH». Was sie eint, ist die Begeisterung für Parkour: das Überwinden von Hindernissen auf dem direkten Weg von A nach B, ohne Hilfsmittel und Regeln, nur dank Kraft und Körperkontrolle, und das alles möglichst schnell. «Parkour ist noch viel mehr, es ist unsere Lebenseinstellung», sagt Mitbegründer Matthias Egger.

Mancher Polizeieinsatz

Vor zehn Jahren wurde «Nurf» von fünf Schulfreunden gegründet. Damals sorgte die Truppe für viel Aufregung. «Die Anwohner, die uns beim Trainieren beobachteten, sorgten sich ernsthaft um uns», sagt Matthias Egger. Regelmässig seien Polizisten vor ihnen gestanden, weil sie Meldung erhalten hatten, da müsse man dringend lebensmüde Jugendliche vor sich selbst schützen.

Freudensprünge: Patrick Albicker vollführt Saltos vor dem neuen Café.

Freudensprünge: Patrick Albicker vollführt Saltos vor dem neuen Café.

Heute haben sich die Aarauer an die jungen Wilden gewöhnt. Das Team bietet inzwischen nicht nur Veranstaltungen und Workshops auf der Parkour-Anlage im Rolling Rock Skate- & Sportcenter an, die Athleten werden auch für Musik- und Werbevideos, Fotoprojekte oder Stunt-Einsätze gebucht. Jetzt wollen sie auch mitten in der Stadt an die Öffentlichkeit treten, mit dem «Näscht» als Café, Laden und Firmenlokal. «Das ist unsere Plattform, um das, was wir tun, nach aussen zu tragen», sagt Matthias Egger. «Hier findet man all das, was uns Spass macht.»

Im «Näscht» kann man deshalb nicht nur etwas trinken (Donnerstag von 17 bis 24 Uhr, Samstag von 19 bis 2 Uhr, Sonntag von 9 bis 16 Uhr), sondern auch Workshops buchen oder verschiedene Artikel kaufen, selbst entworfene T-Shirts beispielsweise, oder Jonglier-Utensilien.

Reich werden die Betreiber mit dem Café nicht, die Preise für die Getränke sind sehr moderat und gearbeitet wird ehrenamtlich, Lohn bekommt keiner. Was sie einnehmen, stecken sie in die Firmenkasse. «Für uns steht der Spass an oberster Stelle, nicht die Wirtschaftlichkeit», sagt Matthias Egger. Das Geld sparen sie für neue Projekte. Und da schwebt ihnen Grosses vor: «Unser grosser Traum ist, alles, was uns Spass macht, unter einem Dach anzubieten: Ateliers, eine Sportanlage, einen Konzertsaal, dazu ein Café oder Restaurant und vieles mehr», sagt Matthias Egger. Das «Näscht» sei dabei die Möglichkeit, einen weiteren Schritt in Richtung Traum-Projekt zu machen.

Erfahrungen als Event-Veranstalter sammeln «Nurf» aktuell im Co-Working-Space (ehemals Strebel) in der Rathausgasse: Da haben sie Ende März im zweiten Stock die «Stobe» eröffnet, ein privates Eventlokal, in das nur Eintritt erhält, wer von «Nurf»-Mitgliedern eingeladen wurde. Da finden unter anderem Ping-Pong-Turniere, Kleidertauschbörsen, Filmeabende oder Konzerte statt. «Eine grossartige Sache», sagt Matthias Egger. Nur leider eine mit Ablaufdatum: Die Zwischennutzung ist auf Ende September befristet. Eine Anschlusslösung haben die Freunde noch nicht gefunden.